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Schleswig-Holstein Pflege in SH: Verstärkung aus Albanien
Nachrichten Schleswig-Holstein Pflege in SH: Verstärkung aus Albanien
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09:00 10.08.2018
Von Alev Doğan
Xhuljana Doko (25), Pflegekraft aus Albanien, misst bei Magarete Sieksmeyer (90) den Blutdruck. Quelle: Sven Janssen
Kiel/Neumünster

„Es gibt Agenturen, die auf die Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte spezialisiert sind, es werden Skype-Interviews geführt, den Menschen wird das Paradies versprochen“, erzählt Jürgen Büstrin. Er ist Geschäftsführer der Seniorenheims „Haus Berlin“ in Neumünster. „Das alles war für mich nicht akzeptabel.“

Einen guten Partner habe er in der Dekra-Schule in Albaniens Hauptstadt Tirana gefunden. Die Schule gehört zum Dekra-Konzern und bereitet Pflegefachkräfte im Ausland fachlich und sprachlich auf ihren Einsatz in deutschen Kliniken und Pflegeeinrichtungen vor.

Vor anderthalb Jahren sei Büstrin erstmals zu der Schule nach Tirana gefahren. „Ich finde, das ist auch eine Haltungsfrage. Man muss den Menschen eine gewisse Wertschätzung entgegenbringen.“ An der Schule habe er seine Einrichtung vorgestellt und Bewerbungsgespräche mit interessierten Pflegern geführt.

Krankenschwestern sind die rechte Hand des Arztes

„Das Ganze ist überhaupt nicht einfach, es steckt sehr viel Arbeit und Engagement dahinter“, erzählt der 55-Jährige. „Die albanischen Krankenschwestern erlernen ihren Beruf im Bachelor/Master-System und sind in ihrer Tätigkeit die rechte Hand des Arztes.“

Sie seien somit etwas überqualifiziert, aber wissbegierig und motiviert. Büstrin beschreibt es so: „Sie arbeiten nach dem Motto: Wo steht das Klavier, ich fasse mit an – im Zweifel kann ich dir auch zeigen, wie man es spielt.“ Gerade weil die Tätigkeit im Pflegeberuf so intim sei, brauche es einen ehrlichen, inhaltlichen Dialog darüber.

„Die Menschen müssen vorbereitet werden auf das, was wir hier von ihnen verlangen. Es macht keinen Sinn, unschöne Seiten außen vor zu lassen. Es gibt auch religiöse junge Frauen, die haben noch nie einen fremden Mann gewaschen – das ist für sie dann etwas Neues.“

Die eigentliche Vorbereitung beginne aber in Deutschland, weil die Menschen „Integrationszeit“ bräuchten, um sich im Land und in der Arbeit zurechtzufinden. Um diese Einfindungsphase zu erleichtern, gibt es im „Haus Berlin“ eine Integrationsbeauftragte. Sie unterstützt die neuen Mitarbeiter, wenn sie in eine Behörde müssen, ein Bankkonto eröffnen wollen, eine Wohnung suchen.

Zuverlässigkeit überzeugt

Von insgesamt neun rekrutierten Pflegern hätten es sich nur eine Frau und zwei Männer anders überlegt. „Das ist eine tolle Quote. Die erreiche ich bei deutschen Fachkräften schon lange nicht mehr“, so Büstrin.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hatten im vergangenen Jahr von insgesamt rund 20170 Altenpflegern in Schleswig-Holstein 1550 eine ausländische Staatsangehörigkeit – das sind fast acht Prozent. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren waren es noch 3,6 Prozent. Die allermeisten kommen aus Polen, Bosnien und Herzegowina, Türkei und Serbien.

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