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Schleswig-Holstein Hunderte Lieferscheine falsch ausgefüllt
Nachrichten Schleswig-Holstein Hunderte Lieferscheine falsch ausgefüllt
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21:31 17.05.2018
Blick auf die Schlei bei Schleswig. Aus der Kläranlage in Schleswig sind in den vergangenen Monaten große Mengen an Kunststoffteilchen in die Schlei gelangt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Schleswig

In die Schlei könnten deutlich mehr Kunststoffteilchen versehentlich eingeleitet worden sein als bisher bekannt. Bisher gingen die Schleswiger Stadtwerke davon aus, dass etwa eine halbe Tonne Kunststoffteile in den Speiseresten waren, die dem Faulschlamm beigemischt wurden, um Energie zu gewinnen. Die Mengenangabe schätzten sie aus den Angaben zu Fremdstoffen, die auf Lieferscheinen der Firma Refood standen.

Nun kam heraus: Auf mehr als 1700 Lieferscheinen waren zwischen 2015 und Februar 2018 wahrscheinlich falsche Angaben zu Fremdstoffen. Das sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Schleswig, Wolfgang Schoofs, am Donnerstag bei einer Sondersitzung des Werkausschusses Abwasserentsorgung/Umweltdienste zum Thema "Plastik in der Schlei". "Dieser Sachverhalt hat uns überrascht und verärgert", sagte Schoofs. Er sei selbstverständlich dem Landeskriminalamt übermittelt worden.

Aus Analysen, die Refood erstellt und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zur Verfügung gestellt hat, gehe hervor, dass deutlich mehr Fremdstoffe im Gärsubstrat enthalten sind als in den Lieferscheinen angeben. Wann das LLUR die Ergebnisse von Refood erhalten hat, konnte Schoofs nicht sagen.

Ein Refood-Sprecher teilte auf Nachfrage schriftlich mit: "Bestätigen können wir generell, dass auch uns tatsächlich Differenzen zwischen Fremdstoff-Angaben auf den Lieferscheinen und den Daten externer Labore aufgefallen sind, die von ReFood regelmäßig mit der Analyse beauftragt werden und deren Ergebnisse ReFood an die zuständige Stelle weitergeben hat." Die Untersuchungsbehörden seien darüber informiert und der Hintergrund für diese Differenzen ausführlich erläutert worden. Wegen des laufenden Verfahrens könnten keine weiteren Informationen zur Verfügung gestellt werden.

Warum erst Ende 2017 bemerkt?

Der Stadtwerkechef betonte, dass unabhängig von der tatsächlichen Menge an beigemischten Kunststoffteilchen nicht alles in der Schlei gelangt sei. Wie groß die Menge sei, darüber woll er nicht spekulieren, sagte er. Ein Rätsel sei für ihn vorerst aber, warum trotz der früheren Beimischung von Kunststoffteilchen erst Ende 2017 flächendeckend Plastikteilchen bemerkt worden waren.

Schoofs sprach auch über Erkenntnisse darüber, wie die Plastikteilchen in den Meeresarm gelangen konnten. Auch oberhalb des Zulaufes der Stadtwerke waren solche Teilchen entdeckt worden. Sie könnten über den Regenwasserkanal eines Gewerbebetriebes eingeleitet worden sein, so der Stadtwerkechef. Auch darüber sei das LKA informiert worden.

Die Reinigungsarbeiten der Schlei gehen derweil gut voran. Bis zum 11. Mai wurden 8965 Arbeitsstunden aufgebracht, um das Ufer zu reinigen. Die Uferbereiche sind den Angaben zufolge weitestgehend gesäubert. Auch das Siebschiff sei täglich im Einsatz. Es fische noch etwa eine Hand voll Plastikschnipsel aus dem Wasser. "Ich meine feststellen zu können, dass wir aus dem Schlimmsten heraus sind", sagte Schoofs.

Von dpa

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