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Schleswig-Holstein Schleswiger wegen Mordes verurteilt
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17:05 09.07.2018
Staatsanwaltschaft und Verteidigung äußerten sich direkt nach Verhandlungsende nicht zur Entscheidung. Quelle: Carsten Rehder/dpa (Archiv)
Flensburg

"Wir sind der Meinung, dass sogar zwei Mordmerkmale erfüllt sind", sagte der Vorsitzende Richter. Zum einen habe der Angeklagte den 61-Jährigen in Verdeckungsabsicht getötet, um die vorangegangene Freiheitsberaubung zu vertuschen. Darüber hinaus lägen sonstige niedrige Beweggründe vor. Der Angeklagte ist nach Ansicht des Gerichts voll schuldfähig.

Streit wegen Kaffee

Laut Anklage gerieten die beiden Deutschen am 16. Oktober in Streit, weil der Nachbar eine Tasse Kaffee vom Angeklagten gefordert hatte. Ob dies die Motivation war, ließe sich nicht sicher feststellen, sagte der Richter. "Möglicherweise ging es um eine Tasse Kaffee." Sicher sei, dass etwas passiert sei, was den Angeklagten in Wut versetzte. Es kam demnach zu einem Faustkampf, der ältere Nachbar war kurz bewusstlos. Im Anschluss fesselte der Angeklagte ihn mit Panzertape an Händen und Füßen und schleppte ihn in die Küche seiner Einzimmerwohnung. Dort hielt er ihn zwei bis drei Tage fest. Dann beschloss der 53-Jährige sein Opfer zu töten. Dazu soll er ihm mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und ihn mit einem Gürtel erwürgt haben.

Angeklagter räumte Tat ein

Ob der Hammerschlag, die Strangulation oder ein Zusammenspiel letztlich zum Tod führte, konnte nach Angaben des Kammervorsitzenden nicht abschließend geklärt werden. Die Leiche wurde erst Wochen später gefunden. Das SEK stürmte am 22. November die Wohnung und fand dort die Leiche sowie den Angeklagten. Zwei Tage zuvor hatte der Angeklagte einem Bekannten und seiner Therapeutin gesagt, dass er einen Menschen getötet hat, so der Richter. Sofort nach der Entdeckung räumte der Angeklagte gegenüber der Polizei die Tat ein.

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte zudem über seiner Anwältin mitteilen lassen, dass er die Tat nicht bestreitet. Weiter äußerte er sich in der Hauptverhandlung nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren wegen Totschlags gefordert. Die Verteidigung hatte auf eine Freiheitsstrafe von sieben Jahre wegen Totschlags plädiert. Der Richter fand deutliche Worte, warum die Kammer stattdessen auf Mord urteilte. So habe der Angeklagte bei der Polizei gesagt, dass er den 61-Jährigen nicht gehen lassen konnte. "Weil dieser ihn dann angezeigt hätte und er selbst dann wieder der Dumme gewesen wäre", sagte der Richter. Also brachte er nach Überzeugung der Kammer seinen Nachbarn um, um die Freiheitsberaubung zu vertuschen.

Revision möglich

Des Weiteren lägen sonstige niedrige Beweggründe vor. Der Angeklagte habe bei der Polizei ausgesagt, das spätere Opfer habe genervt, es habe in der Küche gelegen und immer wieder den Mund aufgemacht und gelabert. Diesen Zustand habe der Angeklagte nicht mehr ertragen, sagte der Richter. Er habe "die Faxen dicke" gehabt, so seien seine eigenen Worte gewesen. Aber das Opfer habe ja keine Möglichkeit gehabt, sich aus der Küche zu entfernen, nicht mehr zu nerven. Und an diesem Zustand sei der Angeklagte selbst schuld gewesen. In so einer Situation Ruhe zu fordern und dies als Motivation für eine Tötung zu nehmen, sei sittlich unterste Stufe.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung äußerten sich direkt nach Verhandlungsende nicht zur Entscheidung. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Von kn online

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