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Schleswig-Holstein Söller-Winkler soll Vorsitzende werden
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14:39 21.06.2018
Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler soll Landesvorsitzende werden.  Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Die Affäre um den früheren Außenstellenleiter des Weißen Rings Lübeck hat die Opferschutzorganisation nach den Worten von Bundesvize Jörg Ziercke in die schwierigste Situation seit ihrer Gründung vor 40 Jahren gebracht. Mit einem Bündel an Maßnahmen versuche die Hilfsorganisation für Verbrechensopfer nun das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen, sagte der frühere Chef des Bundeskriminalamts (BKA) am Donnerstag in Kiel. Frauen, die Opfer von Verbrechen waren, hatten beim Weißen Ring in Lübeck Rat oder Hilfe gesucht. Sie seien durch das Verhalten des Mannes offensichtlich ein zweites Mal Opfer geworden - das Schlimmste, was habe passieren können.

Ziercke, kommissarischer Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, räumte bei der Jahresbilanz Fehler des Weißen Rings im Lübecker Fall ein. „Die sofortige Ablösung des Außenstellenleiters hätte im Sommer 2017 und nicht erst Ende des Jahres erfolgen müssen.“ Laut Lübecker Staatsanwaltschaft gibt es 19 Ermittlungsverfahren gegen den über 70-Jährigen. Dabei gehe es überwiegend um „Grenzüberschreitungen mit sexuellem Hintergrund“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst. In einem weiteren Fall werde noch geprüft, ob es einen Anfangsverdacht gegen den vorzeitig pensionierten Polizisten gebe. In acht Fällen sei ein Anfangsverdacht verneint worden.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war es im Sommer 2017 laut Ziercke zu einem Disput zwischen dem Bundesvorstand des Weißen Rings und dem später zurückgetretenen schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden, dem früheren Justizminister Uwe Döring (SPD), gekommen. Dabei sei es um Vorwürfe gegangen, der Mann habe eine Frau mit der Hand berührt oder zu einer Polizistin gesagt, sie habe eine tolle Figur.

Während der Bundesvorstand den Mann sofort aus der Opferberatung habe zurückziehen wollen, habe Döring das Problem „ausbalancieren“ und den Mann zum Jahresende aus der Beratung auslaufen lassen wollen. Von den später bekannten massiven Vorwürfen sexueller Belästigung habe niemand gewusst, sagte Ziercke. Er sprach von einer Fehleinschätzung.

Der Bundesvorstand hat inzwischen reagiert. So wurde die Satzung geändert, es gibt jetzt ein Weisungsrecht gegenüber den Landesverbänden. Außerdem wurde für die Beratung weiblicher Opfer das Sechs-Augen-Prinzip eingeführt. Anfang Juli wird laut Ziercke zudem eine unabhängige Vertrauensperson für die Arbeit im Weißen Ring Ansprechpartner sein. In Lübeck wurde die Außenstelle reformiert.

Die Lübecker Affäre wurde im März 2018 durch Medienberichte bekannt. 2017 musste der Weiße Ring laut Ziercke weder bei den Mitgliedern noch bei den Spenden Einbrüche verkraften - im Gegenteil, bundesweit seien die Spenden um drei bis fünf Prozent gestiegen. Durch testamentarische Verfügungen seien bundesweit acht bis neun Millionen Euro zugeflossen - bei einem Gesamtetat von etwa 18 Millionen Euro. Und die Summe der von der Justiz dem Weißen Ring zugedachten Geldbußen habe erstmals über zwei Millionen Euro gelegen.

Die Zahl der vom Weißen Ring betreuten Opferfälle im Norden ging 2017 um zehn Prozent oder 181 Fälle auf 1518 zurück. Dies entspreche weitgehend dem Rückgang der Kriminalität, sagte Ziercke. Die Organisation unterstützte Opfer mit insgesamt 233 000 Euro - etwa für eine anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung.

Für den Neuanfang in Schleswig-Holstein sind personell die Weichen gestellt. Ex-Innen-Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) soll neue Landesvorsitzende des Weißen Rings werden. Die Juristin stellt sich am 11. August in Rendsburg bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl. Im März waren Döring und sein Stellvertreter Uwe Rath zurückgetreten.

Als „positives Signal für die Zukunft“ bewertete die SPD die Kandidatur Söller-Winklers und wünschte ihr viel Erfolg. Die bundesweit mehr als 3000 ehrenamtlichen Helfer des Weißen Rings erfüllten mit ihrer Arbeit einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag, betonte die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Wagner-Bockey. „Der Vorteil des Vereins ist es, dass Opfer von Gewalt dort schnell und unbürokratisch Hilfe erhalten können.“

Von dpa

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