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Schleswig-Holstein Stromleitung wird Kranich zum Verhängnis
Nachrichten Schleswig-Holstein Stromleitung wird Kranich zum Verhängnis
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08:01 03.04.2018
Von Sven Janssen
Ornithologin Natascha Gaedecke hat den Kranich gefunden, dem durch die Stromleitungen beide Beine gebrochen und ein tiefer Einschnitt im Brustkorb zugefügt wurde. Er musste eingeschläfert werden. Quelle: Sven Janssen
Bokel

Als die Ornithologin Natascha Gaedecke den Kranich bei der Schäferkate bei Bokel fand, war sie geschockt. „Er saß unter einer Stromleitung, Nachbarn hatten schon einen Eimer mit Wasser hingestellt. Als sie den Vogel umdrehte, sah sie die schweren Verletzungen des einjährigen Tieres.

„Ich habe ihn in die Tierklinik nach Wasbek gefahren, aber ihm war nicht mehr zu helfen“, sagt die 41-jährige Diplombiologin. Von ihren Beobachtungen weiß sie, dass im näheren Umfeld rund 15 Kranichpaare brüten und sich dort etwa 100 Kraniche ganzjährig aufhalten.

Kraniche ziehen sich schwere Verletzungen zu

„Kraniche fliegen mit bis zu 60 km/h, wenn sie dann auf Stromleitungen unterschiedlicher Höhe zufliegen, die sich auch noch kreuzen, dann können sie diese nicht mehr richtig wahrnehmen.“ Die Folge: Es kommt zur Kollision und wegen der Geschwindigkeit beim Aufprall auf die gespannte Leitung zu meist schweren Verletzungen.

Das ist auch im Wilden Moor nicht anders. Neben der 380-Kilovolt-Leitung der neuen Mittelachse, steht noch die alte 220-KV-Leitung. Mittelspannungsleitungen kreuzen die Kabelwege auf ganz unterschiedlichen Höhen. Selbst für das menschliche Auge ist nur schwer auf Anhieb wahrnehmbar, welches Kabel wohin gehört.

Sechs tote Blessgänse bei Bokel

Drei Wochen vor dem Kranichfund sammelte Gaedecke nur wenige Meter entfernt sechs tote Blessgänse ein. „Einige Vögel hatten so tiefe Schnitte, die bis in den Herzmuskel ragten, bei einer Gans wurde der Flügel abgetrennt“, beschreibt sie.

Um Kollisionen zu vermeiden, sollten nicht genutzte Leitungen abgebaut, Brut- und Rastgebiete nach Möglichkeit vermieden oder Erdkabel statt Freileitungen verlegt werden, fordert der Nabu. Auch bei Bokel soll die alte 220-KV-Leitung weg. „Bis zum Jahresende wird sie abgebaut sein“, sagt Tennet-Sprecher Mathias Fischer, dessen Unternehmen die neue Mittelachse baut. Eine Hochspannungsleitung komplett in die Erde zu legen sei nicht möglich, dann käme am Ende kein Strom mehr an. An den neuen Leitungen sind Vogelschutzmarker installiert, um die Kabel für Tiere sichtbarer zu machen.

Servicehotline des Nabu

Tote und verletzte Vögel, die nach Stromkabelkollisionen gefunden werden, können beim Nabu unter Tel. 030/2849845500 (werktags von 10 bis 16 Uhr) gemeldet werden.

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