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Schleswig-Holstein Demenz: 60.000 Menschen aus SH erkrankt
Nachrichten Schleswig-Holstein Demenz: 60.000 Menschen aus SH erkrankt
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11:07 22.10.2018
Von Heike Stüben
Bei einer beginnenden Demenz helfen sich die Betroffenen oft mit Merkzetteln. Doch irgendwann geht es ohne Hilfe und intensive Betreuung nicht mehr. Immer mehr Familien suchen dann nach einer Lösung. Oft führen die Pflege zu Überforderung bis zur Selbstaufgabe und zu Isolation.    Quelle: Jens Kalaene/dpa
Norderstedt

In der Altersklasse 65plus ist im Schnitt jeder elfte Schleswig-Holsteiner an Demenz erkrankt. Das zeigt die aktuelle Auswertung vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl der demenziell Erkrankten damit fast verdoppelt. Seit 2010 verläuft die Zunahme deutlich rasanter. 65 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Hauptgrund dafür: Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer, und das Risiko einer Demenz steigt ab 80 Jahren rapide an.

Es fehlt an Wissen über Demenz

 „Die Diagnose Demenz in unserer Gesellschaft ist auch heute noch ein Tabuthema. Häufig stehen die Erkrankten und Angehörigen der Situation hilflos und ohne adäquate Hilfe gegenüber. Zudem wird die Diagnose oft nicht so früh wie eigentlich möglich oder wenig verlässlich gestellt", sagt Swen Staack. Jochen Gust, Demenzbeauftragter im Sankt Elisabeth Krankenhaus in Eutin, fordert deshalb mehr Wissen in der Öffentlichkeit – bei Verwaltungen, Gastronomie, Einzelhandel, Banken, Schulen und Vereinen.

Ursache ist auch unsere Lebensweise

In den nächsten 20 Jahren wird eine große Demenz-Welle auf Deutschland zu rollen, mahnen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurowissenschaften in Leipzig. Das hat nicht nur mit der höheren Lebenserwartung zu tun. „Der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit ist eine Zivilisationskrankheit", erklärte Prof. Arno Villringer kürzlich beim DAK-Gesundheitsdialog Demenz. Fettleibigkeit – und besonders das gefährliche Bauchfett – lasse die Gehirnmasse in den Regionen schrumpfen, die für Sprache, Merkfähigkeit und Orientierung zuständig seien. Das beginne schon in der Jugend. Ein weiterer Risikofaktor: Bluthochdruck. Schon bei Werten von etwas mehr als 130 Millimeter Quecksilbersäule bilden sich demnach weiße Ablagerungen im Gehirn, die den Abbau der Nervenzellen fördern. Auch Schlafstörungen sind ein Risiko, weil das Gehirn die Ruhephase benötigt, um sich von schädlichen Eiweißen zu reinigen.

Eine gute Nachricht

Die schädlichen Ablagerungen können sich allerdings auch zurückbilden. Deshalb fordert Villringer, bevor der Hirnabbau einsetzt, gegenzusteuern – etwa mit intensivem Sport, gesunder Ernährung, konsequenter Blutdruckregulation und bei Fettleibigkeit auch mit Operationen.

Informationen rund um das Thema Demenz liefert das Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein

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