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Schleswig-Holstein Salafisten werben im Norden Jugendliche an
Nachrichten Schleswig-Holstein Salafisten werben im Norden Jugendliche an
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07:00 23.05.2016
Von Karen Schwenke
Dschihadisten-Camp im syrisch-irakischen Grenzgebiet. Quelle: Albaraka News/Handout/ picture alliance
Kiel

„Mit hochprofessionellen Internetseiten, persönlicher Zuwendung und einfachen Lösungen für ihre Probleme locken Salafisten überwiegend in Kiel, Lübeck und Neumünster junge Menschen an“, sagt Tobias Meilicke, Landeskoordinator gegen religiös begründeten Extremismus in Schleswig-Holstein mit Sitz im Innenministerium.

 „Wir beobachten, dass die Radikalisierung in Schleswig-Holstein zunimmt. Und auch die Radikalisierungsprozesse werden immer schneller“, so Meilicke. Der Verfassungsschutz sieht die größte Gefahr für die innere Sicherheit in der Anziehungskraft der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) auf hier lebende Islamisten, wie es im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes heißt. 2015 stieg die Zahl der Salafisten in Schleswig-Holstein um mehr als 30 Prozent auf 300 Personen. Bundesweit werden über 8000 Salafisten gezählt. Tendenz stark steigend. Meilicke spricht von einem Schneeballsystem, nach dem neue Anhänger weitere werben.

 Für die Rekrutierungsversuche radikal-islamischer Salafisten sind labile Heranwachsende ein attraktives Ziel, denn sie gelten als besonders empfänglich für deren Propaganda und lassen sich leicht radikalisieren: „Einige der überwiegend jungen Leute im Alter von 16 bis 25 reisen schon ein, zwei Monaten nach der ersten Kontaktaufnahme durch radikale Islamisten Richtung Syrien oder den Irak aus“, berichtet Meilicke. „Ihr Ziel ist es, für immer dort unten zu leben. Aber viele von ihnen sterben.“ Bei den Ausreisenden sei der Anteil von Menschen ohne muslimische Wurzeln überproportional hoch: „Ein Fünftel sind Konvertiten. Sie stammen also aus Deutschland und haben keinen Migrationshintergrund.“ Auch der Frauenanteil liegt bei einem Fünftel.

 Laut Verfassungsschutzbericht 2015 reisten insgesamt 28 Menschen aus Schleswig-Holstein in die Bürgerkriegsregionen, zehn kehrten in den Norden zurück. Laut „Welt am Sonntag“ hat das Bundeskriminalamt derzeit 497 sogenannte „Gefährder“ in Deutschland registriert, also Personen, denen jederzeit ein Terroranschlag zugetraut werde. Salafisten nehmen auch verstärkt Kontakt zu Flüchtlingen auf. Nach KN-Informationen hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Besucher der Freitagsgebete in salafistischen Gemeinden durch den Besuch von Flüchtlingen zeitweise verdoppelt. Die Sicherheitsbehörden haben salafistische Szenen in Kiel, Neumünster, Lübeck und am Hamburger Randgebiet im Visier.

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