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Schleswig-Holstein Haltungskennzeichen für Fleischprodukte
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08:00 27.12.2017
Von Alev Doğan
Stefanie Pöpken (li.) und Svenja Taube von ProVieh fordern ein Haltungskennzeichen. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Wer sich vorgenommen hat, nie wieder Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung zu essen, kann mit diesem Vorhaben bereits im Supermarkt scheitern: Als Verbraucher zu wissen, welches Tier woher kommt, wie viel Platz es im Stall hatte, ob es an die frische Luft konnte und womit es gefüttert wurde, ist auf Anhieb geradezu unmöglich. "Viele denken, dann hole ich mein Fleisch von der Frischetheke, das ist qualitativ sicher hochwertiger als die abgepackte SB-Ware", sagt Stefanie Pöpken vom Verein Pro Vieh. Aber leider sei die Fleischtheke überhaupt kein Garant für Qualität. "Im Gegenteil: Auf der SB-Ware steht wenigstens die Herkunft des Fleisches. An der Frischetheke ist das nicht verpflichtend."

Mit dem Kieler Verein ProVieh setzt sich Pöpken für artgemäße Tierhaltung ein. Der Verein versteht sich als Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Verbrauchern und Politik. "Wir sind weder grundsätzlich gegen Fleischkonsum noch möchten wir Landwirte als Schuldige abstempeln", betont Diplom-Agraringenieurin.

Grundsätzlich kann man laut ProVieh davon ausgehen, dass bei Bio-Produkten höhere Haltungsstandards für das Tier galten als gesetzlich gefordert: "Also mehr Platz für das Tier, weniger Einsatz von Medikamenten und von Pestiziden." Was Pöpken und ihre Kollegin Svenja Taube am meisten bedauern, ist die Diskrepanz zwischen dem, was der Verbraucher möchte, und dem, wie die Politiker darauf reagieren. "Wir wollen ein verpflichtendes Haltungskennzeichen ähnlich wie bei Eiern", so Pöpken. Denn nur, wenn der Verbraucher die nötigen Informationen habe, könne er auch eine mündige Entscheidung treffen. "Und es ist eben nicht so, dass Bio immer gut und konventionell immer schlecht ist. Es gibt Bauern, die ihre Tiere hervorragend halten, sich eine Bio-Zertifizierung aber nicht leisten können. Oder solche, die super mit ihren Tieren umgehen, sie aber nicht mit Bio-Futter füttern. Das könnte man mit einer Haltungskennzeichnung verdeutlichen."

Eine Haltungskennzeichnung fordern auch die Verbraucherschutzzentralen. Gudrun Köster, verantwortlich für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherschutzzentrale Schleswig-Holstein, sagt: "Wir setzen uns grundsätzlich für mehr Transparenz ein, und eine Haltungskennzeichnung würde bewirken, dass der Verbraucher auf einen Blick erkennt, wie das Tier gehalten wurde, dessen Produkt er gerade kaufen will."

Solange die geforderte Haltungskennzeichnung noch fehlt, rät ProVieh zu einem direkten Gespräch mit den Landwirten. "Ein guter Anlaufpunkt ist immer der Wochenmarkt. Einfach hingehen und fragen: Wo kommt dieses Fleisch her, und wie wurde das Tier gehalten?"

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