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Schleswig-Holstein Nachbarn war vom „Gefasel“ genervt
Nachrichten Schleswig-Holstein Nachbarn war vom „Gefasel“ genervt
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17:14 07.06.2018
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, einen Nachbarn nach einem Streit tagelang festgehalten und später stranguliert zu haben. Quelle: Carsten Rehder
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Hamburg

Ein 53 Jahre alter Mann soll seinen Nachbarn nach einem Streit mehrere Tage lang in seiner Wohnung in Schleswig festgehalten und später mit seinem Gürtel stranguliert haben. Für diese Taten muss sich der Norddeutsche seit Donnerstag wegen Freiheitsberaubung und Totschlags vor dem Landgericht Flensburg verantworten.

Zwischen dem 16. und 21. Oktober soll es in der Wohnung des Angeklagten einen Streit zwischen den beiden Deutschen gegeben haben. Der Angeklagte sei über die Forderung des 61-Jährigen nach einer Tasse Kaffee erbost gewesen, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag. Es habe sich zunächst eine verbale Auseinandersetzung entwickelt, die in Faustschlägen endete. Dabei sei das spätere Opfer zu Boden gegangen.

Mit Panzertape gefesselt

Der Angeklagte soll den 61-Jährigen dann mit Panzertape gefesselt und in der Küche festgehalten haben, ohne im etwas zu essen zu geben. Nach drei Tagen habe er sich dann entschlossen, den Mann zu töten. Dazu soll er seinem Nachbarn zunächst mit einem Fäustelhammer - einem Hammer mit zwei flachen Schlagseiten - auf den Kopf geschlagen und ihn anschließend mit einem Gürtel erwürgt haben. Der 53-Jährige ließ zu Prozessbeginn über seine Anwältin erklären, dass er die Vorwürfe nicht bestreite, sich aber weiter nicht äußern werde.

Der 61-Jährige galt seit dem 16. Oktober als vermisst. Wochenlang suchte die Kriminalpolizei nach ihm, bis sie Ende November die Gewissheit erhielt: Der Mann ist tot. Die Ermittler gelangten durch Zeugen und den Fund des Wagens des Opfers auf die Spur. SEK-Beamte stürmten am 22. November die Wohnung und fanden die Leiche und den Tatverdächtigen.

Polizist: Mann wirkte erleichtert

Ein Polizeibeamter, der den Angeklagten als erster vernommen hatte, schilderte am Donnerstag vor Gericht, wie er die Situation erinnerte. Der Angeklagte habe noch in der Wohnung spontan geäußert, dass er froh sei, dass es nun vorbei sei. „Er wirkte erleichtert.“

Damals sagte der Angeklagte den Angaben des Polizisten zufolge, der 61-Jährige habe bei einem Besuch in einem unangemessenen Ton einen Kaffee verlangt. Der Angeklagte selbst sei an dem Tag schlecht drauf gewesen und aggressiv geworden. Es sei zu dem Streit und den Faustschlägen gekommen, bei denen das spätere Opfer K.o. ging.

Drei Tage die Wohnung nicht verlassen

Eine blutende Kopfwunde habe er verbunden. Als dieser wieder zu reden und sich zu wehren anfing, habe der 53-Jährige ihn gefesselt und in die Küche gebracht. Drei Tage lang hätten beide die Wohnung nicht verlassen, nicht geschlafen und nicht gegessen. Vom „Gefasel“ des älteren Mannes genervt, habe er beschlossen Schluss zu machen, schilderte der Beamte.

Warum dieser seinen Nachbarn getötet hat, dazu habe er nichts Konkretes gesagt. Der Angeklagte habe gesagt, es tue ihm leid, er aber auch nicht wisse, warum er es getan hat. Auch auf die Frage, warum er den Nachbarn nach dem Streit nicht einfach habe gehen lassen, habe er keine Erklärung gehabt.

In der Sache hatten im April bereits zwei Verhandlungstermine stattgefunden. Die Öffentlichkeit wurde damals anders als in der jetzigen Verhandlung nach Verlesung der Anklage auf Antrag der Verteidigerin ausgeschlossen. Später gab die Kammer einem Antrag der Verteidigung statt, den damals bestellten psychiatrischen Sachverständigen wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Das Verfahren wurde daraufhin ausgesetzt und begann mit einer neuen Gutachterin jetzt neu.

Von dpa

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