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Schleswig-Holstein CDU-Politiker Axel Bernstein ist tot
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15:48 25.08.2017
Von Michael Stamp
Axel Bernstein (CDU) ist im Alter von 43 Jahren unerwartet gestorben. Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer
Wahlstedt

Fassungslos reagierten Familie, Freunde und Wegbegleiter, als die Nachricht am späten Donnerstag die Runde machte, dass es am Gildeweg einen dramatischen Rettungseinsatz gegeben hatte – und kein Patient im Krankenwagen abtransportiert wurde. Bernstein war nach Informationen unserer Zeitung auf seinem Grundstück gestürzt und leblos aufgefunden worden. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Der Christdemokrat hinterlässt Ehefrau Melanie und zwei Kinder.

„Die Staatsanwaltschaft Kiel hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, um Fremdverschulden auszuschließen“, sagte die Leiterin der Behörde, Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Freitag. Der Leichnam werde in der Kieler Gerichtsmedizin obduziert.

Axel Bernstein wurde in Neumünster geboren und wuchs in Wahlstedt auf. Schon während seiner Schulzeit an der Bad Segeberger Dahlmannschule erwachte sein Interesse an der Politik. Zwei Jahre vor seinem Abitur trat er 1992 in die Junge Union ein – und weil er gern auch Verantwortung übernahm, wurde er noch im selben Jahr Wahlstedter JU-Vorsitzender. 1993 wurde er Mitglied der CDU und begann, in den Ausschüssen der Kommunalpolitik mitzumischen.

An der Kieler Christian Albrechts-Universität studierte er Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht. Parallel machte der junge Wahlstedter innerhalb der CDU Karriere: Kreisvorsitzender der Jungen Union, Kreistagsmitglied, stellvertretender Vorsitzender in Kreisvorstand und Kreistagsfraktion – doch er strebte in Richtung Kiel und Landeshaus.

Landtagsabgeordneter mit nur 30 Jahren

Im Februar 2005 war es soweit: Mit gerade einmal 30 Jahren setzte er sich mit fast 50 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Segeberg-Ost durch und zog als direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag ein. Bernstein wurde für die kommenden vier Jahre umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion und als Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Umwelt auch Mitglied des Fraktionsvorstandes.

Doch Axel Bernstein machte deutlich, dass er nicht „nur“ in Kiel arbeiten wollte, sondern seiner Heimatstadt Wahlstedt ebenfalls eng verbunden blieb: Er übernahm den Vorsitz des örtlichen CDU-Ortsverbandes.

2009 erlangte Bernstein den Doktortitel und wurde als Landtagsgeordneter wiedergewählt. Er arbeitete in der CDU als Parlamentarischer Geschäftsführer, auch 2012 gelang ihm die Rückkehr in den Landtag souverän. Vor allem mit den Themen Medien und Innenpolitik befasste er sich intensiv.

Liebing holte ihn als Wahlkampf-Manager

Als die CDU Ingbert Liebing zum Spitzenkandidaten machte, holte er Axel Bernstein als Wahlkampfmanager in sein Team. Zudem wurde der Wahlstedter zum Landesgeschäftsführer der Christdemokraten bestellt. „Ich habe es so gehalten, wie man es aus der Bundeswehrzeit kennt: Man soll bei solchen Dinge eine Nacht drüber schlafen“, sagte Bernstein einmal über Liebings Anfrage. Ohnehin hatte der Wahlstedter meist einen lockeren Spruch auf den Lippen.  „Meine Bedenken waren in erster Linie, dass ein Tag nur 24 Stunden hat und ich bisher auch nicht von Langeweile geplagt war. Ich wäre ganz froh, wenn meine Kinder auch nach der Landtagswahl noch wissen, wer der Typ ist, der zu Hause mit wohnt...“

Als der Spitzenkandidat Ingbert Liebing gegen Daniel Günther ausgetauscht wurde, räumte auch Bernstein das Feld als Landesgeschäftsführer. Bei der Landtagswahl gewann er wiederum seinen Wahlkreis mit über 43 Prozent und freute sich auf die kommenden Jahre im Landtag.

Freundschaft zu von Boetticher auch in schwerer Zeit

Einen Freundschaftsbeweis, der in der Politik nicht selbstverständlich ist, hatte der Wahlstedter im Jahre 2011 geliefert. Damals stürzte der designierte CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher über seine Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen. Während sich viele in der CDU umgehend von ihm abwandten, stand Axel Bernstein zu seinem guten Freund Christian, auch wenn er die Liaison missbilligte. „Ich bin in keiner blöden Situation“, sagte der Wahlstedter damals mit Nachdruck. „Ich muss zu ihm keine künstliche Distanz haben. Wie das in so einer Freundschaft ist: Auf die kommt es gerade in schlechten Tagen an.“ Das sagt über den Menschen Axel Bernstein eine Menge aus.

Reaktionen aus der schleswig-holsteinischen Politik zum Tod von Axel Bernstein lesen Sie hier.

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Der plötzliche Tod des CDU-Landtagsabgeordneten Axel Bernstein hat in der schleswig-holsteinischen Politik für Bestürzung und Trauer gesorgt. Bernstein war nach Informationen unserer Zeitung am Donnerstag auf seinem Grundstück gestürzt und leblos aufgefunden worden. Er wurde 43 Jahre alt.

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