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Gift im Honig hat mehrere Quellen

Untersuchungen Gift im Honig hat mehrere Quellen

Hohe Werte der giftigen Pyrrolizidinalkaloide im Sommerhonig haben 2016 die Imker und Verbraucher aufgeschreckt. Im Kreuzfeuer der Kritik steht das Jakobs-Kreuzkraut (JKK). Doch Untersuchungen zeigen: Die Kreuzkräuter sind nicht allein für die hohe Belastung verantwortlich gewesen.

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Die Honigbienen fliegen im Sommer auf Kornblumen, Brombeeren und Weiß-Klee - doch finden sie die immer seltener.

Quelle: Sven Janssen

Molfsee. Neben den Kreuzkräutern sind in Schleswig-Holstein rund zwei Dutzend weitere Pflanzenarten bekannt, die Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten. Einige von ihnen kommen – wie Borretsch, Beinwell, Vergissmeinnicht und Wasserdost – an bestimmten Stellen im Land in größeren Mengen vor und werden von den Bienen offenbar auch als Nahrung genutzt. Das beweisen Untersuchung der PA in Honig aus Schleswig-Holstein.

2016 wurden dazu 286 Sommerhonige untersucht – alle mit hohem PA-Risiko. Das Ergebnis: In 75 Prozent der Honige wurden PA nachgewiesen. 27 Prozent waren ausschließlich mit PA von Kreuzkräutern belastet. In 16 Prozent stammten die PA aus anderen Pflanzen. Und in 32 Prozent kamen die PA sowohl aus Kreuzkraut als auch aus anderen Arten.

Für Aiko Huckauf, Leiter des Kompetenzzentrums JakobsKreuzkraut, zeigt das: Wer sich nur auf JKK konzentriert, löst das Problem noch nicht. Denn dann wäre 2016 immer noch fast jede zweite untersuchte Probe PA-haltig gewesen. Honig aber sollte möglichst gar keine PA enthalten, weil diese Stoffgruppe bei entsprechenden Mengen die Leber schädigen kann.

Die Untersuchungen zeigen aber einen signifikanten Zusammenhang nach: Finden die Honigbienen im Umkreis von 500 Metern genügend andere Pflanzen, um Pollen für den Nachwuchs und Nektar für sich (und den Honig) zu sammeln, dann lassen sie JKK und Co. links liegen, und der Honig enthält keine oder nur wenig PA.

Fazit der Untersuchung: Es ist effektiver, ökologisch sinnvoller und nachhaltiger, viele ergiebige Trachtpflanzen zu schaffen, als gegen die Blüten einer einzelnen Pflanze wie JKK zu kämpfen. „Würde auf Äckern und Feldern immer eine Spritzenbreite frei von Pestiziden gehalten, wäre viel für die Bienen gewonnen. Dazu müssen nicht einmal spezielle Bienenweiden gesät werden – wichtige Trachtpflanzen würden sich von allein entwickeln“, sagt Huckauf.

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