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Schleswig-Holstein Utbüxen kann keeneen
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06:00 17.10.2015
Von Heike Thode-Scheel
De Graffsteen op'e Hallig Oland düükert sik deep in't Gras. Quelle: Tuchtenhagen

De Keerl mit‘e brune Strickmüütz op’n Kopp un den langen rood-blonden Bort is nich bang för den Dood. He weet jo wo he blieven deit. Un wo he herkümmt. Un wo he hingeiht. Ganz anners as de meisten Minschen: „Dat sünd jo teemli wichtige Frogen. Un de Lüüd hebben gor keen Antwurt mehr dor op. Ik glööv, dat liggt ok dor an, datt dat so hübsch anonym is. Du starvst un de Lüüd kaamt wech. Un denn sünd se wech. Ik finn dat nich schön“.

Jüst so geiht dat ok Gisela Tuchtenhagen: „Der Tod wird immer ausgeklammert. Da ist wenig Zeit. Die Rituale sind verschwunden. Und darum waren wir auf der Suche nach Menschen, die mit dem Tod zu tun haben – und alles op Platt!“ freut sik de bekannte Kamerafru un Filmemokerin, de all för ehre Dokumentarfilme tweemol den Grimme-Pries kregen hett. Tosamen mit Regisseurin un Cutterin  Margot Neubert-Maric hett se ehren drütten plattdüütschen Dokumentarfilm op‘ de Been stellt: „Utbüxen kann keeneen“. De harr nu graad „Weltpremiere“ op’t Filmfest in Hamborg. Mit roden Teppich un all’ns wat dorto höörn deit.

Un dat sünd vör allen Dingen de Minschen, de de beiden Fruuns kennenliert hebbt: Hanni, Heini, Frieda, Jürgen, Ernst-Heinrich, Anke un Bernhard un natürli Anni. Dree Johr lang weern se jümmers mol wedder ganz dicht bi se – in Meckelnborg, in Sleswig-Holsteen, in Neddersassen un in Ostfreesland. Dor, wo se Platt snacken doot: „Wir kommen, haben die Kamera dabei. Wir schieben uns nicht in den Vordergrund. Dann drehen wir, ich frag‘ was, wir drehen. Und die Leute sind wie immer. Aus den Gesprächen entwickeln sich dann ganz neue Möglichkeiten“, verklaart Gisela Tuchtenhagen, „das ist das Geheimnis“, smuustert se un Margot Neubert-Maric grient sik een: „Das können wir gut. Wir bleiben dann zwei oder drei Tage, wohnen da, essen da.“ Geduld mutt een hebben, meent de twee: „Wir haben Zeit. Und wir mochten die Menschen dort wirklich gerne. Und dann haben wir ein Geschenk bekommen.“ Dat Geschenk, dat sünd ehre Geschichten, de se vertellt. Anni, de Hebamme vun’e Hallig Hooge to’n Bispill. De as Kind noch mit den Paster üm’e Warften trocken is, üm to singen, wenn een storven weer: „Hüüt is dat nich mehr so. Hüüt hebbt se een Kapelle.  Domols keemen se in de beste Stuuv, De Pesel würr utrüümt un dor keem de Sarg rin un denn wurrn de Finster tohungen mit witte Bettlaken un de Klocken würrn afstellt  un jeder, de noch mol Afscheed nehmen wull, de güng na‘t Huus vun’e Familie un kunn noch mol rinkieken.“ Se hett de Kinner op’e Welt hoolt un se hett se ok betreut, wenn se vun’e Welt güngen. Anni müss de Doden ok waschen un fein antrecken: „Un dat weer schön so“, sineert se deepdinkern in‘ Film.

De Chemie stimmt twüschen de Lüüd un de beiden Filmemakerinnen. Dorüm kümmt dor ok soveel Geföhl bi rüm: „Wir sind oft lange dabei. Aber drehen nicht immer. Dann wird mal Tee getrunken oder Kuchen gegessen . . .“, vertellt Gisela Tuchtenhagen. „Ja, da ist so eine Leichtigkeit“, swöögt Margot Neubert-Maric.

 Un wenn se lang nuch bi de Lüüd sünd, denn schnackt se sogor sölben Platt, amüseert sik de Kamerafru. Margot Neubert-Maric hett Platt vun ehre Grootöller mitkregen un is sik seker:  „Mit den Filmen haben wir unsere Liebe zur Sprache neu entdeckt. Eine Sprache, die mitten ins Herz trifft.“ De Spraak is dat ok wull, de düsse „emotionale Verbindung“ to de Minschen vör de Kamero knütten deit. De beiden Filmfruuns schnackt ok nich vun’t Set, dat gifft keene grellen Scheinwerfer in’t Huus, dor warrd nix ümstellt un nix arrangeert. Eens liggt se nämli besünners an’t Hart: Datt de Minschen so ween künnt, as se sünd. Un denn kaamt de Geschichten ganz vun sölben.

Vun Heini Warnk, den Sargdischer ut Ludwiglust, de all sien Leven lang mit Doode to doon hett un hüüt all nipp un nau weet, wo he mol op’n Kirchhoff liggen warrd. Oder Dodenbitterin Frieda Lau ut Ostfreesland. De sik noch good an ehre doode Oma besinnen kann: „Dat Wohnzimmer wurr utrüümt, un dor leeg se, een Taschendook op‘t Gesicht un dor leepen wi Kinner rüm, as wenn nix weer“

So geiht dat ok Ernst Heinrich Tams, Dischermeister un Bestatter ut Dithmarschen: „Man is vun Anfang an mit dorbi. Dat is bi unse Kinner ok so. Man hett keene Berührungsängste“.

De Dood höört to dat Leven dorto . . . Düsse Normalität is dat ok, wat düssen Dokumentar-Film över dat swore Thema Starven so licht as’n Fedder maken deit. Düsse Minschen, de mit beide Been in’t Leven staht. De weet, wo se herkaamt un wo se an’t Enn hingahn warrd. De sik Tiet laten för ehre Doden. De se ümsorgt mit all ehr Künnen un Weten un mit all ehre Leev. „Ik heff se op’e Welt hoolt un ik heff se ok betreut, wenn se vun’e Welt güngen. Un dat weer schön“ (Anni Both, Hebamme un Dodenfru op Hooge, 1928-2014)

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