Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Die Geschäfte mit dem Pfandgeld
Nachrichten Schleswig-Holstein Die Geschäfte mit dem Pfandgeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 03.12.2018
Von Laura Treffenfeld
Viele Unternehmen berechnen Flaschenpfand, auch wenn ihre Kunden die Limo vor Ort trinken. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die wenigsten Kunden sind sich bewusst, dass die großen Bäckereifilialen, Imbissstände und Bistros auch beim "Inhouse-Getränk" automatisch Pfand abrechnen. Wer seine Flasche dann in die teils sogar eigens dafür aufgestellten Kisten stellt, verschenkt am Ende Pfand. Die Unternehmen zahlen Pfand an den Getränkelieferanten beim Einkauf einer Limo, und sie holen sich das Pfand beim Kunden wieder, wenn der etwas kauft. Für stehengelassene Flaschen aber, die der Gastronom wieder an den Getränkelieferanten abgibt, bekommt er Geld fürs Leergut zurück. Die Unternehmen können so Kasse machen.

Die wenigsten Kunden sind informiert

Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nennt das zumindest "nicht illegal". "Wenn ein Kunde im Bistro oder sonst irgendwo eine Getränkeflasche kauft, dann hat er einen Vertrag geschlossen, und es ist seine Sache, was er mit der Flasche am Ende macht." Wita sagt aber auch, dass die Unternehmen besser darauf hinweisen könnten, dass sie auch beim Inhouse-Verzehr das Pfand abrechnen.

Illegal ist die Handhabung nicht

Grundvoraussetzung ist dabei, dass das Pfand separat vom Unternehmen ausgewiesen wird, sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). "Pfand muss erkennbar sein und darf laut Preisangabeverordnung nicht als Bestandteil des Preises für beispielsweise eine Flasche Limonade untergehen."

Kieler Unternehmen agieren unterschiedlich

Die Unternehmen in der Kieler Innenstadt handhaben diese Auszeichnung unterschiedlich. Auf den Bons von Systemgastronomen wie "Dean & David" und der Bäckerei Steiskal stehen die 15 Cent Pfand für eine Flasche als gesonderter Posten. Bei der Campus Suite steht nur der Preis für das Getränk – mit dem Pfand bereits eingerechnet – als ein Posten auf dem Bon. Der Kunde kann hier mit Blick auf den Kassenzettel nicht erkennen, dass er Pfand für seine Flasche gezahlt hat.

Volker Grezella, Geschäftsführer der Bäckereikette Brotgarten, kann nicht verstehen, warum andere Läden Pfand automatisch abziehen: "Wir fragen am Tresen, ob ein Kunde sein Getränk mitnehmen oder vor Ort trinken möchte." Bei letzterem bekomme der Kunde ein Glas zur Flasche dazu und zahlt kein Pfand. "Es wäre doch dämlich, mit dem Pfand der Kunden Geld zu verdienen."

Wiebke Stebisch, Justiziarin der Campus Suite, räumt ein: "Sicherlich kommt es vor, dass ein Kunde seine gekaufte Flasche nicht wieder bei uns am Tresen abgibt, um sich deren Pfand auszahlen zulassen. Diese Flaschen geben wir natürlich trotzdem an den Getränkehändler zurück. Wie viele das sind, darüber haben wir keine Aufstellung. Es ist auf jeden Fall die Ausnahme." Wenn der Kunde seine Flasche nicht zurückgebe, dann sei es seine Entscheidung, auf das Pfand zu verzichten, so Stebisch.

Bei der Dean & David Franchise GmbH heißt es zur Pfandberechnung: "Wir müssen uns absichern." Schließlich könne es vorkommen, dass ein Kunde an der Kasse sage, er wolle das Getränk vor Ort zu sich nehmen, es sich dann aber anders überlege, oder den Rest einer Halbliter-Flasche mitnehme: "Das zu kontrollieren, ist operativ nicht möglich."

Gäste kritisieren fehlende Informationen

Das Stehenlassen der bezahlten Getränkeflasche scheint aber eher die Regel als die Ausnahme zu sein, wie ein Besuch in Kieler Lokalen zeigt. So kritisieren Gäste beispielsweise, dass seitens der Unternehmen Informationen fehlen. "Mir war gar nicht bewusst, dass auch dann Pfand abgezogen wird, wenn ich hier etwas esse und trinke", sagt Lara Schick. Und Kunde Kai Breker sagt, er sei nicht davon ausgegangen, dass Pfand auf seine Flasche berechnet worden sei, da er sie als Teil des Mittagsmenüs gekauft habe. Martina Brustin hingegen ist bekannt, dass ihr das Pfand der gekauften Flasche zusteht, doch "es ist ja auch etwas peinlich, sich wegen der paar Cent wieder extra anzustellen".

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die AfD im schleswig-holsteinischen Landtag entscheidet am Dienstag darüber, ob sie ihre Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein (64) aus der Fraktion ausschließt.

03.12.2018

Die Zahl jugendlicher Komasäufer ist in Schleswig-Holstein wieder gestiegen. Im Jahr 2017 kamen nach Informationen der Krankenkasse DAK-Gesundheit 681 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.

03.12.2018

Die Rendsburger Tafel braucht einen Kühltransporter mit Elektroantrieb. Mit dem Auto will sie Lebensmittel von Supermärkten einsammeln und zu den Ausgabestellen bringen. Dafür benötigt die Tafel Spenden. Der Stromer ist rund 15.000 Euro teurer als ein Diesel-Fahrzeug.

Hans-Jürgen Jensen 03.12.2018