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Schleswig-Holstein Waldkinder fürchten um ihr Zuhause
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07:57 28.01.2017
Von Alev Doğan
Da strahlten die Rendsburger „Tummetotts", als sie am Freitag bei strahlendem Sonnenschein mit den Erzieherinnen Lena Richter (li.), Sarah Arend und Praktikant Rokhshad Saghafi im Wald unterwegs waren. B Quelle: Thomas Eisenkrätzer

„Die Situation ist katastrophal“, sagt Ute Schulte-Ostermann, Vorsitzende des Bundesverbands der Natur- und Waldkindergärten. „Wenn das so weiter geht, können wir einpacken.“ Laut Ostermann sind derzeit rund 30 Waldkindergärten in Schleswig-Holstein von dem Problem betroffen. Ohne Schutzhütten, wo sich die Kinder umziehen und unterstellen können, sei der Kindergartenbetrieb massiv gefährdet

Schutzhütten sind nicht erlaubt

 Das Problem: Die meisten Waldkindergärten befinden sich im sogenannten planungsrechtlichen Außenbereich einer Stadt oder Gemeinde. Dort dürfen nach Paragraf 35 des Bundesbaurechts nur sogenannte privilegierte Bauvorhaben verwirklicht werden. Das sind solche, „die einem land- oder forstwirtschaftlichem Betrieb, einem Betrieb gartenbaulicher Erzeugung oder der öffentlichen Versorgung mit Elektrizität, Gas, Wasser et cetera dienen“. Soll heißen: Tierställe und Windräder sind erlaubt, Schutzhütten für Kinder aber nicht.

 Für Marlies Fritzen, umweltpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, steht der Bund in der Verantwortung: „Probleme gibt es vor allem mit dem Bundesbaurecht, das einer Genehmigung im Wege steht. Wir wollen aber nicht, dass Schafställe und Windkraftanlagen gegenüber Waldkindergärten privilegiert sind.“ Die Grünen setzen sich für eine Änderung des Bundesbaurechts ein und fordern, dass Schleswig-Holstein eine Bundesratsinitiative startet. Für die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, Katja Rathje-Hoffmann, ist das gar nicht nötig. Ihrer Meinung nach würde eine Änderung des Landeswaldgesetzes – wie in anderen Bundesländern geschehen – ausreichen: „Dann könnte man den Ort für die Bauwagen direkt mit dem Waldbesitzer vertraglich regeln. Das ist einfach und ohne Änderung des Bundesbaurechts möglich.“

Waldkinder werden geräumt

 Ein Erlass des Innenministeriums von 2014 deutet an, dass das Land durchaus Spielraum hat. Darin heißt es wörtlich: „Aus aktuellem Anlass ist es erforderlich, nochmals darauf hinzuweisen, dass auch mobile Bauwagen, die als Schutzunterkunft für Waldkindergärten aufgestellt werden sollen, der bauordnungsrechtlichen Genehmigungspflicht nach Paragraf 62 Landesbauordnung unterliegen.“ Seitdem befinden sich einige Waldkindergärten in einer Art Schockstarre. Bei Plön müssen beispielsweise die Waldkinder „Bokhorst“ zum Monatsende aus dem Wald ziehen, weil sie für ihren Wagen, der seit vier Jahren dort stand, keine Genehmigung bekommen. Laut Landeswaldgesetz muss der Wagen oder die Hütte einen Mindestabstand von 30 Metern zum Wald haben. Deshalb erließ der Kreis Plön einen Räumungsbescheid. Nun verlässt zum 1. Februar nicht nur der Wagen den Wald, sondern auch die Kinder und Erzieher um Leiterin Petra Rothenburg-Bahr gehen.

 Aber auch wer seine Hütte 30 Meter entfernt vom Wald auf einer Wiese aufstellen möchte, kann nicht automatisch mit einer Genehmigung rechnen. Martin Richter-Sojka ist im Vorstand des Vereins „Kind und Demokratie“ und verantwortlich für den im November eröffneten Rendsburger Waldkindergarten „Tummetotts“. Er nennt die Lage des Kindergartens „desaströs“. Richter-Sojka hatte zwar einen Antrag gestellt, um eine Schutzhütte auf die an den Wald grenzende Wiese zu stellen. Von der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde bekam er jedoch eine Ablehnung mit Verweis auf Paragraf 35 des Bundesbaurechts. Auch widerspreche das Vorhaben dem Flächennutzungsplan der Stadt Rendsburg. „Wir wissen jetzt nicht, wie es weitergehen soll.“

 Besonders geärgert hat sich Richter-Sojka darüber, dass sich die Untere Bauaufsichtsbehörde in ihrer Begründung in das pädagogische Konzept des Waldkindergartens einmischt. So belehren die Beamten die Leitung der „Tummetotts“, dass ein Waldkindergarten „kein Spielzeug, keine Literatur oder andere Materialien“ benötige. „Denn der Wald selbst liefert alles Notwendige zum Spielen.“ Deshalb sei eine Schutzhütte „innerhalb des Naturraums“ nicht sinnvoll. Der Verein nennt das Verhalten der Behörde „anmaßend“. Die zuständige Stelle habe überhaupt nicht die pädagogische Kompetenz, um das beurteilen zu können.

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