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Schleswig-Holstein Ein Fest – und so viele Bräuche
Nachrichten Schleswig-Holstein Ein Fest – und so viele Bräuche
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07:09 05.12.2016
Von Heike Stüben
Kommt der Weihnachtsmann tatsächlich heimlich durch den Schornstein, um die Geschenke abzuliefern? In Finnland dürfen die Kinder zumindest mit auf Probefahrt. Quelle: Visit Finland/ dpa
Kopenhagen/ Oslo/ Stockholm/ Helsinki

Ist in Dänemark das Fest durch den protestantischen Glauben geprägt, halten sich in den anderen Nordländern bis heute auch vorchristliche Bräuche. Die Dänen sind meist die ersten. Bei ihnen beginnen die Weihnachtsgefühle schon im November, wenn das Weihnachtsbier auf den Markt kommt und man sich zum Julefrokost, dem traditionellen Weihnachtbuffet, trifft. Das ist so reichhaltig, dass es jede Menge Entschuldigungen für hochprozentige Getränke bietet. Spätestens am 13. Dezember ziehen die Schweden und Finnen mit dem Luciafest nach. Jeder Ort, der etwas auf sich hält, wählt seine Lichterkönigin. Mit ihrem Gefolge besucht sie in weißem Gewand und mit der Lichterkrone Pflegeheime, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen und verbreitet Licht und Zuversicht. Das Lied Santa Lucia kann in Schweden und im schwedischsprachigen Teil Finnlands jeder singen.

Im Dunkeln an die Haustür klopfen

Weihnachtsbaum und -geschenke gehören im ganzen Norden zum 24. Dezember. Bis zum 18. Jahrhundert wurden zu Neujahr Geschenke verteilt. Dann kam das Julklapp, das ursprünglich ein Scherz war: Vor allem junge Leute klopften (schwedisch: klappa) im Dunkeln kräftig an die Haustür, schleuderten etwas ins Haus und verschwanden. Oft war es ein kleiner Holzstock mit scherzhaftem Spruch. Das Julklapp, bei dem heute auch in Schleswig-Holstein Kollegen und Freunde Scherzgeschenke austauschen, geht auf diese Tradition zurück. In Skandinavien hat sich daraus der Weihnachtsreim entwickelt: In vielen Familien wird ein Geschenk mit einem Reim versehen, und der ist manchmal wichtiger als das Geschenk selbst. Verteilt wurden die richtigen Weihnachtsgeschenke zunächst vom Ziegenbock (schwedisch Julbock, dänisch Julebuk, norwegisch Julebukk, finnisch Joulupukk). Er symbolisiert die Fruchtbarkeit der Erde und galt in der germansichen Mythologie als Verkörperung von Thor. Mit der Zeit wurde der eher furchteinflößende Ziegenbock immer kleiner – heute ist er aus Stroh ein unverzichtbarer Weihnachtschmuck aus Stroh und den Job als Geschenkelieferant hat der deutlich freundlichere Weihnachtsmann mit seinen Rentieren übernommen.

Würzig und heiß muss er, promillereich kann er sein: Glögg gehört zu jedem Weihnachtsmarkt dazu. Quelle: olhaafanasieva - Fotolia

Der Hauswichtel wird versorgt

Wichtig ist, dass auch der Nisse oder Hustomte nicht vergessen wird. Der Hauswichtel bekommt ein Schälchen mit Milchreis – er muss schließlich bei Laune gehalten werden. Ansonsten reichen die Vorlieben beim Weihnachtessen von Schweinebraten und Gans in Dänemark über Rippchen in Norwegen bis zum Schinken in Schweden und Finnland. Eines ist überall zu finden: Lutefisk, Ludfisk, Lutfisk oder Lipeäkala. Der Trockenfisch wird in eine Lauge aus Birkenasche oder Ätznatron gelegt, was ihn geleeartig macht. Zum Fest wird der Fisch gespült und gekocht – auch für Liebhaber des Nordens eine kulinarische Herausforderung. Da freut man sich auf den Milchreis, in dem eine Mandel versteckt wird. Wer sie findet, dem wurde früher die baldige Hochzeit vorhergesagt. Heute begnügt man sich mit einem kleinen Geschenk. 

Nisse, Tomte, Tonttu: Hauswichtel sind nicht nur Dekoration, sondern Mitbewohner, mit denen man sich gut stellen sollte. Quelle: Anikakodydkova - Fotolia

Die Esten wollen den Weihnachtsbaum erfunden haben

„Häid Joulupühi“ rufen sich die Esten in diesen Tagen zu – „Frohe Weihnachten“. Auf dem Marktplatz von Tallinn steht ein großer Weihnachtsbaum, in den Gassen, zwischen den roten Backsteinhäusern der alten Hansestadt, geht es genauso weihnachtsgeschäftig zu wie überall rund um die Ostsee. Die vollen Schaufenster und Marktstände können die kleinen Esten aber nicht beirren: Denn am Tag der Tage, am Heiligen Abend, bringt „Jouvonna“, der Weihnachtsmann, die Geschenke. Auf seinem vollbepackten Schlitten kommt er aus Finnland herüber; unterwegs steigen die „Päkapikks“, die Wichtel, zu.

Traditionell stehen in Estland an Heiligabend Blutwurst und Sauerkraut auf dem Tisch. Außerhalb der Städte wird sich niemand zum gemeinsamen Essen hinsetzen, wenn nicht alle Tiere versorgt sind. Der Gedanke an die anderen findet sich auch am 1. Weihnachtstag wieder: Viele Familien besuchen die Friedhöfe, um auf den Gräbern ihrer Angehörigen Kerzen anzuzünden. Die Esten, das selbstbewusste kleine Volk, bestehen übrigens darauf, dass sie es waren, die den Brauch mit dem Weihnachtsbaum erfunden haben, und sie können das auch ganz genau auf das Jahr 1441 datieren. Dumm nur: Auch die Letten reklamieren die Urheberschaft für sich.

Die bösen Geister werden vertrieben

Beim südlichen Nachbarn wird wohl am ehesten deutlich, dass die Weihnachtsgebräuche christlichen und heidnischen Ursprungs sind. In Lettland gibt es das Budéli, das unserem Rummelpott-Lauf zu Silvester ähnelt: Als Tier, Sonne oder Tod verkleidet streifen große und kleine Letten um die Häuser, um die bösen Geister zu vertreiben. Litauen hebt sich von den beiden anderen baltischen Staaten durch das „Kucia“ ab, ein Heiligabend-Essen, das aus Brei und Keksen besteht, die mit Mohnmilch gegessen werden. Drumherum liegen weitere fleischlose Speisen..

Nach Weihnachten ist im Baltikum übrigens vor Weihnachten: In allen drei Ländern leben viele Russen, die der russisch-orthodoxen Kirche angehören. Und Weihnachten am 6. Januar feiern. 

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