Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Geflügelpest: Es ist noch nicht vorbei
Nachrichten Schleswig-Holstein Geflügelpest: Es ist noch nicht vorbei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:22 23.01.2017
Von Heike Stüben
Der Kreis Steinburg richtete einen Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von weiteren mindestens sieben Kilometern ein. Quelle: Markus Scholz/dpa
Kiel

Das bestätigte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) in Kiel. Der Landrat von Steinburg löste für den Bereich Katastrophenvoralarm aus.

Der Geflügelhalter in Süderau hält insgesamt 33.000 Puten an vier Standorten. An dem kleinsten Standort mit 3400 Tieren waren am Sonnabend mehr Puten als üblich tot aufgefunden worden. Als am Sonntag alle anderen Puten dieselben typischen klinischen Symptome aufwiesen, nahm der Kreisveterinär Proben, die an Landeslabor und Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gingen. „Abends um 22 Uhr war klar, dass es H5 ist, wir haben sofort Maßnahmen für Montag eingeleitet“, berichtete Landrat Torsten Wendt. Innerhalb von 48 Stunden sei die Hälfte der Puten an dem Standort verendet. „Wir gingen deshalb davon aus, dass es sich um H5N8 handelt. Am Montagsmittag kam dann aber vom FLI die Nachricht: Es ist H5N5.“

H5N5 ist ein Mischvirus

Kurz zuvor war klar: Auch der zweite Standort mit 15.000 Puten ist betroffen. Bisher ist dort nur sicher, dass es sich um einen H5-Erreger handelt. Wendt rechnet aber auch in diesem Fall mit dem Subtyp H5N5. „Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es auch die anderen beiden Standorte noch erwischt.“ Dort waren die Proben aber bis Montagabend negativ. Dennoch hat der Landrat Katastrophenvoralarm angeordnet: „Kommen mehr Standorte hinzu, muss ich so in kürzester Zeit viele ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer zusammenziehen.“ Zurzeit sind in Süderau 50 Helfer von Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen eingesetzt. Sie haben Sperr- und Beobachtungszonen sowie Straßensperren und Desinfektionsschleusen vor den beiden gesperrten Betrieben eingerichtet.

Bei H5N5 handelt es sich nach Meinung des FLI um ein Mischvirus. Dies könne entstehen, wenn in einem infizierten Tier mehrere Virussubtypen zeitgleich auftreten und bei ihrer Vermehrung Erbmaterial austauschen. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht bekannt. Das Virus wurde in China und Amerika bereits häufiger bei Enten und Gänsen gefunden. Nach Auskunft von Umweltminister Habeck ist es in Europa noch nie in Geflügelhaltungen, sondern nur bei wenigen Wildvögeln gefunden worden – in Kroatien, Monte Negro, Italien und den Niederlanden. Das FLI gab aber am Montag bekannt, dass man bei einer in Brunsbüttel verendeten Nonnengans auch H5N5 nachgewiesen habe. Wie das Virus in die geschlossene Geflügelhaltung in Süderau gekommen ist, soll jetzt das FLI untersuchen. Viele Wege sind möglich: Das Virus kann mit Menschen, Tieren, Futter, Gegenständen oder über die Luft in den Stall gekommen sein.

Habeck verteidigt Maßnahmen

„Viren verändern sich. Insofern kommt es nicht überraschend, dass wir es mit einem neuen Subtyp in Geflügelhaltungen zu tun haben. Das zeigt, wie dynamisch das Geflügelpestgeschehen ist. Das Virus H5N8 ist weiterhin vorhanden und verändert sich. Auch dieser Subtyp scheint hochaggressiv“, erklärte Habeck und verteidigte die landesweite Stallpflicht und Bio-Schutzmaßnahmen: Das sei weiterhin notwendig.

Hintergrund

Schleswig-Holstein:

Der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 war am 8. November 2016 erstmals in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Seitdem wurde er in zwei Geflügelhaltungen in Schleswig-Holstein, darunter eine kleine Hobbyhaltung, nachgewiesen. Die Tiere wurden der Geflügelpest-Verordnung entsprechend getötet. Zudem gab es Nachweise der niedrigpathogenen aviären Influenza des Subtyps H5 in drei Tierhaltungen. Auch hier mussten die Tiere getötet werden, um zu verhindern, dass Viren des Subtyps H5 in dem Geflügel spontan zu einer hochpathogenen Form mutieren und sich weiterverbreiten.

Bundesweit und europaweit:

Bundesweit sind inzwischen 15 Bundesländer von der Geflügelpest betroffen. Rund um den Jahreswechsel brach die Tierseuche in größeren Hausgeflügelbeständen in Niedersachsen aus. Die Tiere mussten alle der Geflügelpest-Verordnung entsprechend getötet werden. Auch in anderen Ländern Europas grassiert der Erreger: In Polen, Ungarn, Frankreich und den Niederlanden ist er in zahlreichen Hausgeflügelhaltungen ausgebrochen. Erstmals erfolgte auch ein Nachweis in der Slowakei.

Umfangreiche Informationen zur Geflügelpest in Schleswig-Holstein finden Sie hier.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Mit einem Vorstoß beim Bund wollen die norddeutschen Flächenländer Haltern helfen, die wegen der Geflügelpest unter Druck geraten. Dazu setzten sie ein Schreiben an den Bundeslandwirtschaftsminister auf.

KN-online (Kieler Nachrichten) 13.01.2017
Plön Vogelgrippe im Kreis Plön - Die nächste Epidemie kommt bestimmt

Der Höhepunkt der Vogelgrippe im Kreis Plön scheint überschritten. Ende der Woche könnte der Sperrbezirk aufgehoben werden – und damit der Leinenzwang für Hunde und der „Stubenarrest“ für Katzen. Die Zahl der gefundenen Vogelkadaver ist seit sieben Wochen rückläufig.

Dirk Schneider 09.01.2017

Weil seit Anfang Dezember in Hamburg kein neuer Fall von Geflügelpest nachgewiesen worden ist, werden die Sperrbezirke aufgehoben. Die gesamte Stadt sei kein Beobachtungsgebiet mehr, teilte die Gesundheitsbehörde am Donnerstag mit.

05.01.2017

Unter Drogen, ohne Führerschein, dafür aber mit verschiedenen Waffen sowie Kokain und Marihuana im Auto ist ein Mann in Lübeck in eine Polizeikontrolle geraten. Bei der Überprüfung seiner Personalien stellten die Beamten dann auch noch fest, dass der 43-Jährige mit zwei Haftbefehlen gesucht wurde.

23.01.2017

In Kiel und in Lübeck werden viele Kinder ganztags in einer Kita betreut, in den dünn besiedelten Landkreisen Dithmarschen und Steinburg dagegen nur wenige. Das berichtete das Statistikamt Nord am Montag.

23.01.2017

Die Bürger in Schleswig-Holstein sollen zuverlässiger vor Katastrophen gewarnt werden. Nach der schweren Sturmflut Anfang des Jahres, die viele Küstenbewohner unvorbereitet traf, denken die Sicherheitsbehörden im Land über die stärkere Nutzung neuer Medien nach.

Frank Behling 23.01.2017