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Schleswig-Holstein Zeugin belastet Schleuser vor Gericht
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12:49 14.09.2018
Am Freitag begann am Landgericht in Kiel der Prozess gegen einen Iraker wegen Einschleusens mit Todesfolge. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die Mutter eines sechsjährigen Mädchens, das bei seiner Flucht über das Mittelmeer ertrunken ist, hat den vor dem Landgericht Kiel angeklagten Iraker eindeutig als Schleuser identifiziert. Ihre Familie habe pro Mitglied 2700 US-Dollar für die Schleusung gezahlt, die im Oktober 2015 in einer Tragödie mit vier Toten endete, berichtete die 38-jährige Irakerin am Freitag vor Gericht. Ihre Tochter gehörte zu den Opfern auf der verunglückten Bootsfahrt von der Türkei zur griechischen Insel Lesbos.

Mann bestreitet Vorwürfe

Der 28 Jahre alte Angeklagte muss sich wegen des Todes von vier irakischen Flüchtlingen, darunter drei Kinder, verantworten. Ihm wird Einschleusen mit Todesfolge vorgeworfen. Dafür drohen zwischen drei und zehn Jahren Gefängnis. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.

Die Zeugin, die auch als Nebenklägerin auftritt, sagte, sie seien von Bewaffneten auf das alte Holzboot getrieben worden, obwohl sie wegen der Überladung nicht gewollt hätten. An Bord habe es keine Schwimmwesten gegeben. Unter Zwang habe ein verängstigter afghanischer Flüchtling das Ruder übernommen. Mit Schüssen sei die Fahrt aufs Meer erzwungen worden.

Explosion auf Boot

Auf dem mit 328 Menschen besetzten Boot habe es nach etwa 20 Minuten eine Explosion gegeben, sagte die Frau laut Übersetzer. Viele Menschen hätten sich danach im Meer an Holzplanken und andere Trümmer geklammert - so auch sie und ihre Tochter. Nach etwa einer Stunde hätten sich Boote der griechischen Küstenwache und privater Helfer genähert. Ein Boot habe eine große Bugwelle verursacht, die sie und ihre Tochter unter Wasser gedrückt habe. Sie habe ihr schreiendes Kind nicht mehr festhalten können. Dessen Leiche wurde einen Tag später geborgen.

Schleuser wurde in Strande festgenommen

Die Frau und ihr Mann hatten das Verfahren gegen den mutmaßlichen Schleuser in Gang gebracht, nachdem sie den Angeklagten auf einem Smartphonebild wiedererkannt hatten. Getroffen hatten sie ihn nach eigenen Angaben 2015 in Istanbul - dort sei er ihnen als Schleuser und Vermieter von Hotelzimmern vorgestellt worden. In einem dieser Zimmer habe die Familie auf ihre Schleusung gewartet.

Der in Bagdad geborene Angeklagte kam Ende 2015 nach Deutschland und beantragte Asyl. Er lebte mit Frau und Kindern in Schleswig-Holstein. Im Oktober 2017 wurde er in Strande bei Kiel festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind bis Ende Oktober sieben Verhandlungstage angesetzt. Am Freitag wollte das Gericht noch den Vater der ums Leben gekommenen Sechsjährigen sowie den Vater einer ebenfalls gestorbenen Zweijährigen anhören.

Von dpa

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