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Schleswig-Holstein Jahrestag der Strandung der "Pallas"
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05:00 29.10.2018
Von Frank Behling
Am Morgen des 7. November 1998 gab der Rumpf der "Pallas" nach. Das Heck knickte ein und Öl lief aus den Tanks ins Wattenmeer. Quelle: Frank Behling
Husum

Am Montag wird in Husum an den Frachter „Pallas“ erinnert. Noch heute steht der Frachter als Symbol für die Gefahren durch die Schifffahrt für die Natur in Deutschland.  Am 20. Jahrestag der „Pallas“-Havarie fordern Umweltschützer und die Schutzgemeinschaft deutsche Nordseeküste deshalb auch mehr Anstrengungen zum Schutz der deutschen Küste.

Was 1998 geschah

Das Unheil nahm am 25. Oktober 1998 seinen Lauf. Der Frachter „Pallas“ stampfte am Sonntagnachmittag etwa 60 Seemeilen nordwestlich des dänischen Hafens Esbjerg durch die stürmische Nordsee. An Bord war Schnittholz aus Schweden für Marokko. Gegen 14.30 Uhr bemerkt die Crew Brandgeruch. Im Laderaum hatte das Holz Feuer gefangen. In einer dramatischen Rettungsaktion konnten Sea King-Hubschrauber der dänischen und der deutschen Marine alle 17 Seeleute aufnehmen. Der philippinische Schiffskoch starb an einem Herzinfarkt.

Vergleichsweise wenig Öl

Am 29. Oktober um 9 Uhr trieb die „Pallas“ im Rüttergat vor Amrum auf Grund. Dort zerbrach das Schiff nach mehreren erfolglosen Abschleppversuchen am 7. November, wobei durch Risse in der Bordwand nach und nach 100 Tonnen Schweröl ausliefen. Mindestens 16 000 Enten starben. Es war das bislang größte Vogelsterben im Wattenmeer. „Damals verursachte eine vergleichsweise geringe Menge Öl große Schäden“, sagt Hans-Ulrich Rössner vom WWF. Angesichts der weiter wachsenden Schiffsgrößen könnte heute leicht die tausendfache Menge an Öl bei einer Havarie austreten.  

„Die ‚Pallas‘ hat die Schwachstellen offenbart, die es in Deutschland beim Schutz der Küste gab und auch zum Teil auch immer noch gibt“, sagt Hans von Wecheln von der Schutzgemeinschaft deutsche Nordseeküste. 

Aber WWF und SdN loben auch die ersten Fortschritte und Lehren, die aus der Havarie gezogen wurden. Die ersten Anstöße gehen auf die Unfalluntersuchung der „Palals“ durch das Seeamt Kiel zurück. 15 Mängel-Punkte listete das Seeamt nach der Havarie auf. „Die Einschätzung der Gefahrensituation durch die deutschen Sicherheitsbehörden wurde der Gefahrenlage nicht gerecht“, so lautete die Aussage des Seeamtes vom 21. August 1999.

Heute ist die Kommunikation besser

„Das ist heute anders. Wir sind jetzt in der Lage, alle an der deutschen Küste zur Verfügung stehenden Mittel unter unserem Kommando zu bündeln und heute gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Dienststellen in Dänemark“, sagt Hans-Werner Monsees, Leiter des 2003 gegründeten Havariekommandos.

Der Ruf nach einer Küstenwache nach dem Vorbild vieler Ostseeanrainer ist dennoch immer noch eine zentrale Forderung der Kritiker. „Es stellt sich für uns dabei nicht die Frage Havariekommando oder Küstenwache. Das Havariekommando muss Teil einer nationalen Küstenwache sein“, fordert Hans von Wecheln.

Dass die Strukturen immer noch nicht optimal sind, zeigt aus Sicht von WWF und SdN der Fall des Frachters „Glory Amsterdam“ vom Oktober vorigen Jahres. Der 225 Meter lange Koloss vertrieb in einem Orkan trotz ausgebrachter Anker und strandete schließlich vor Langeoog.  Bei der „Glory Amsterdam“ konnten Schlepper das Durchbrechen des Rumpfes wie bei der „Pallas“ verhindern.  „Es kann aber bei extremen Wetterlagen immer zu Situationen kommen, wo man natürlich auch Glück braucht“, sagt Monsees.

Die 1971 im finnischen Rauma gebaute "Pallas" war bis zu ihrem Ende in der Stückgutfahrt zwischen der Ostsee und Häfen im Mittelmeer, Nahost und Nordafrika im Einsatz. Das teilweise demontierte Wrack liegt heute noch vor Amrum.
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