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Schleswig-Holstein Dieb fuhr im Sportwagen zum Tatort
Nachrichten Schleswig-Holstein Dieb fuhr im Sportwagen zum Tatort
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09:00 04.10.2018
Von Thomas Geyer
Vor dem Kieler Landgericht wurde jetzt der Fall einer Diebstahl-Serie verhandelt. Quelle: jkk:Jan Köhler-Kaeß
Kiel

Geldnot war es nicht, die den gelernten Einzelhandelskaufmann antrieb. Zu den Tatorten kutschierte der nicht vorbestrafte junge Mann im Sportwagen. Vor Gericht weiß er sich auszudrücken, wirkt solide wie ein Bankangestellter. Aus Sicht des Vorsitzenden ist Florian L. (Name geändert) "eine sehr auffällige Ausnahme". Seine Eltern finanzieren ihrem Jüngsten nicht nur Kost und Logis, sie begleiten ihn auch zum Prozess.

Den Konsum von Speed und Ecstasy finanzierte der 33-Jährige nach eigenen Angaben selbst - durch einen Job als Verkäufer. Ein Stammkunde, mit dem er sich anfreundete, habe bei einem abendlichen Spaziergang seine kriminelle Energie freigesetzt, erzählt er: "Plötzlich bückte er sich, schlug eine Scheibe ein und zog eine Damenhandtasche aus dem Pkw." Das Beutestück habe man gemeinsam durchsucht, berichtet der Angeklagte. "Das hat mich so fasziniert, ich habe mich anstecken lassen." Bald habe er auch Alleingänge unternommen. Die plante er offenbar akribisch: IT-Spezialisten der Polizei stellten bei einer PC-Auswertung fest, dass L. mittels exzessiver Internetrecherchen geeignete Tatorte im Kreis Segeberg ausspähte.

Auf naturnahen Parkplätzen zwischen Quickborn, Norderstedt und Tangstedt, wo Frauen ihren Hund spazieren führten oder sich in Reiterhöfen um ihr Pferd kümmerten, brach er laut Anklage rund 20 Autos auf. Und erbeutete Bargeld, Smartphones, Laptops, teure Designertaschen und Portemonnaies, die er teilweise weiterverkaufte. In zwei Fällen lag den gestohlenen EC-Karten die Geheimzahl bei. Florian L. hob damit jeweils 1000 Euro ab.

Für 15 Pkw-Aufbrüche im zweiten Halbjahr 2016 hatte ihn das Amtsgericht Neumünster kurz vor Weihnachten 2017 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Weitere fünf Taten in der Region trugen seine Handschrift, waren ihm laut Urteil aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Die Staatsanwaltschaft sah dies anders und legte Rechtsmittel ein. Auch die Verteidigung ging in Berufung.

Drei Jahre Haft forderte der Ankläger im zweiten Prozess. Im Gegensatz zu Florian L.s Anwälten sah er keine positive Sozialprognose. Tatsächlich hatte L. nur wenige Wochen nach seinem ersten Prozess in Hamburg einen weiteren Pkw aufgebrochen. Nach diesem "einmaligen Rückfall" saß er wegen Wiederholungsgefahr einen Monat lang in U-Haft.

"Das war der Augenöffner für mich", sagt Florian L.. Der Berufungskammer legte er einen Aktenordner mit Nachweisen für pünktlich absolvierte Therapiesitzungen und engmaschige Urinkontrollen vor. Darüber hinaus versprach der Langzeitstudent einen zügigen Abschluss seines Studiums. Dem wollte das Gericht nicht im Wege stehen und bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

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