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Wirtschaft Abriss schafft neue Lichtblicke
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06:50 03.05.2013
Von Frank Behling
Bis 2011 wurden hier die größten deutschen Doppelhüllentanker gebaut, jetzt wird dieses Stück Kieler Schiffsbautradition abgerissen: Die Fundamente des Bauplatzes werden von Arbeitern zerlegt. Quelle: FB
Kiel

Der 12. Februar 2011 steht jetzt als historisches Datum für Friedrichsort. Es war der Tag, an dem der Tanker „Ebba II“ bei der Lindenau Werft vom Stapel lief. Damals gab es noch die Hoffnung, dass der Schiffbau dort auch wieder bessere Zeiten sehen könnte. Seit dieser Woche ist klar, dass es nie wieder Stapelläufe von 180 Meter langen Doppelhüllentankern geben wird. Mit Schneidbrennern zerlegen Arbeiter den Bauplatz. Der 1952 gebaute Helgen wird abgewrackt.

 Der Abbruch des alten Bauplatzes soll den Weg für neue Projekte freimachen. Konkret äußert sich die Werft zu dem Abriss und dem Umbau nicht, wie eine Werftsprecherin gestern auf Anfrage sagte. Bei der Übernahme der Werft hatte Nobiskrug-Geschäftsführerin Susanne Wiegand den verbliebenen 40 der einst 400 Mitarbeiter zugesichert, dass man den Standort gemeinsam weiterentwickeln wolle.

 Bestätigt wurde gestern aus Rendsburg die Zukunft der Lindenau Werft als Reparaturstandort in exponierter Lage. „Wir sind sehr froh, dass wir die Werft haben“, sagte eine Sprecherin der Nobiskrug Werft. Der Reparaturbetrieb sei nach der Übernahme durch die Werft auch bereits gut angelaufen. So konnten in den vergangenen Tagen das Lübecker Offshore-Spezialschiff „Nortruck“ sowie der deutsche Containerfrachter „Trans Anund“ bei Lindenau gedockt werden.

 Das Werftgelände selbst soll jetzt Schritt für Schritt umgebaut werden. Zunächst sollen Altlasten entfernt, mögliche Baufelder für neue Gebäude und Anlagen freigemacht werden. Auch Maschinen und Kräne werden in den kommenden Wochen das Gelände verlassen. Im Gespräch ist außerdem der Verkauf des alten „Docks 1“. Mit dem Schwimmdock war bei Kriegsende Werftgründer Paul Lindenau von Memel nach Lübeck geflüchtet. Da Lübeck den Schiffbauer nicht haben wollte, boten ihm die britischen Besatzungstruppen 1951 in Kiel die Möglichkeit zum Bau einer Werft auf einem zuvor militärisch genutzten Gelände.

 Dieser Uferstreifen wurde ab 1951 zu einer Werft umgerüstet. 1952 lief mit dem Neubau „S90“ der erste Tanker unter dem Namen „Bindal“ vom Stapel. Die „Ebba II“ beendete diese Ära mit der Baunummer „S288“.

 Am 1. Januar übernahm die Privinvest Holding die Werft. Die aus Abu Dhabi stammende Gruppe ist auch Eigner der Werften Abu Dhabi Mar Kiel und Nobiskrug. Die Gruppe beschäftigt 2500 Werftarbeiter an Standorten in den Arabischen Emiraten, Griechenland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Kerngeschäft ist der Bau von Megajachten, Marineschiffen und Offshore-Projekten.

 In diesem Portfolio soll die Friedrichsorter Werft in Zukunft die Rolle eines Standortes für den Umbau und die Reparatur von Schiffen einnehmen. Besonders die Nähe zur Marine ist ein Vorteil. So war gerade das Flottendienstboot „Oker“ in Friedrichsort.

 Die Nobiskrug-Werft vermarktet die noch nutzbaren Immobilien auf dem Werftgelände für Dritte. Für das ehemalige Gebäude der Konstruktionsabteilung konnte ein Mieter gefunden werden. Ein Kieler Unternehmen zieht dort noch in diesem Sommer ein.

 Bei der Belegschaft wird der Umbau nicht mit Sorge gesehen. Die Stimmung unter den Lindenau-Mitarbeitern ist gut. „Die Belegschaft ist froh, dass dort jetzt auch wieder investiert wird“, sagt Peter Seeger, IG Metall-Chef für Kiel und Neumünster.

 Der Umbau der Werft ist ein längerer Prozess, der eng an die Auslastung der in Gaarden ansässigen Werft Abu Dhabi Mar Kiel (ADMK) gekoppelt ist. Während das kleine Schwimmdock vermutlich zur Verschrottung verkauft wird, soll das 7500-Tonnen-Dock bei der nächsten Gelegenheit in Gaarden im Trockendock 8a bei ADMK überholt werden.

 Trotz aller Veränderungen wird der Name Lindenau in Friedrichsort erhalten bleiben. International wird es jedoch die Nobiskrug-Gruppe sein. Die Internetadresse der Lindenau Schiffswerft wurde jetzt auch auf die Adresse der Nobiskrug-Werft umgeleitet.

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