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20:42 23.06.2016
Von Ulrich Metschies
Strahlenschutz-Leiter Ronny Fix-Faroldi zeigt im Kernkraftwerk Brunsbüttel die Messung von Radioaktivität in Stein. Die Betreiber und das Ministerium für Energiewende demonstrierten hier die Messverfahren für Materialien, die beim Abbau von Akws anfallen und auf Deponien gelagert werden sollen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Brunsbüttel

Die restlichen 98 Prozent könnten zur Verwertung beziehungsweise Lagerung auf einer Deponie freigegeben werden, sagte Jan Backmann von der Kieler Atomaufsicht. „Es sind keine radioaktiv belasteten, sondern emotional belastete Abfälle“, ergänzte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel.

Angesichts von Ängsten vor Strahlenbelastungen demonstrierten Experten am Donnerstag im Akw Brunsbüttel das Verfahren, mit dem sichergestellt werden soll, dass ausschließlich Müll mit vernachlässigbarer Radioaktivität auf Deponien landet. Dazu gehören unter anderem Bauschutt, asbesthaltige Abfälle, Mineralwolle, Isolierungen und Straßenaufbruch, bei dem der Radioaktivitätswert weit unter der Alltagsbelastung der Menschen liege.

300.000 Tonnen Abfall in Brunsbüttel

Hintergrund ist der von Betreiber Vattenfall beantragte Abriss der abgeschalteten Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Allein in Brunsbüttel fallen nach Einschätzung des Kieler Energiewendeministeriums insgesamt rund 300.000 Tonnen Abfall an, die über einen Zeitraum von 22 Jahren deponiert werden müssen. Davon seien rund zwei Prozent radioaktive Abfälle sowie zwei Prozent Reststoffe, die beseitigt werden müssen. Rund ein Drittel des Abfalls stamme aus dem sogenannten Überwachungsbereich – wie Grünanlagen, Parkplätzen oder Kantinenbereich. Weitere 62 Prozent seien Müll mit „vernachlässigbarer Radioaktivität“, also einer Reststrahlung von maximal zehn Mikrosievert. „Dieser Wert gilt als unbedenklich und verantwortbar“, sagte Jan Backmann.

Um das Zehn-Mikrosievert-System sicherzustellen, werde jedes einzelne Teil drei bis vier Mal angefasst und gemessen: So können nicht nur die radioaktiven Bestandteile an der Oberfläche, sondern auch im Inneren identifiziert werden, sagte Strahlenschutz-Leiter Ronny Fix-Faroldi.

Sieben Deponien kommen in Frage

Müll, der nach diesen Prüfungen uneingeschränkt freigegeben wird, werde anschließend nach dem Abfallrecht verwertet. Dazu gehört auch die Deponierung. Als grundsätzlich geeignet für die Lagerung gelten im nördlichsten Bundesland sieben Deponien: in den Kreisen Ostholstein (Gremersdorf), Schleswig-Flensburg (Harrislee), Segeberg (Großenaspe, Damsdorf/Tensfeld), Herzogtum Lauenburg (Wiershop) und Rendsburg-Eckernförde (Schönwohld) sowie in Lübeck (Niemark). Die Müll-Trennung beim Abriss eines Atomkraftwerkes wird den Angaben zufolge von der Atomaufsicht zu 100 Prozent überwacht.

Jörg Stoeckicht von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Schönwohld“ bezeichnete die technische Demonstration in Brunsbüttel dennoch als „Augenwischerei“. Aus Sicht der Bürgerinitiative spreche nichts dagegen, die Abfälle aus dem Überwachungsbereich des Kraftwerksgeländes auf Deponien zu entsorgen. Knackpunkt seien jedoch die zwei Prozent aus dem engeren „Kontrollbereich“ um den Meiler, die zwar nicht als radioaktive Abfälle gelten, gleichwohl jedoch belastet seien. Stoeckicht sagte dazu: „Diesen Müll uns jetzt unter dem Etikett ’harmlos, weil nur emotional belastet’ unterschieben zu wollen, das ist extrem frech.“

Von Wolfgang Runge und Ulrich Metschies

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