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Wirtschaft „Baden-Württemberg“ hat Wasser unterm Kiel
Nachrichten Wirtschaft „Baden-Württemberg“ hat Wasser unterm Kiel
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11:01 01.04.2014
Von Frank Behling
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ hat am Freitag in Hamburg das Baudock bei der Werft Blohm + Voss verlassen. Quelle: FB
Hamburg

Die 149 Meter lange und später einmal fast 7000 Tonnen verdrängende Fregatte ist das erste Schiff der neuen Fregatten-Klasse 125, das ab 2017 weltweit einsetzbar sein soll. Die Ausrüstung dieser Schiffe erlaubt eine bis zu zweijährige Einsatzzeit. Die bislang gebauten Fregatten können derzeit maximal sechs Monate außerhalb der Heimatgewässer operieren.

Obwohl das Ausdocken wie ein Stapellauf eigentlich ein Grund zum Feiern ist, wurde dieser Vorgang bei der „Baden-Württemberg“ im Stillen vollzogen. Grund sind die Probleme und Pannen, die bei dem im Mai 2011 begonnen Bau bislang aufgetreten sind. Inzwischen hängt der Zeitplan für den Neubau mit der Nummer 979 bei Blohm + Voss mehr als ein Jahr hinter dem Zeitplan zurück, der bei der Auftragsvergab im Juni 2007 vereinbart wurde. Der Preis pro Schiff beträgt rund 650 Millionen Euro.

Der Auftrag war an verschiedene Werften zwischen Wolgast und Emden verteilt worden. Bei der Montage der Sektionen in Hamburg traten dann große Probleme auf. Sogar die Taufe der „Baden-Württemberg“ musste mehrmals verschoben werden und erfolgte erst im Dezember 2013. Offiziell verweist die Werft auf Probleme bei Beschichtungen im Schiff. So soll der wichtige Flammschutz-Anstrich im Rumpf nach dem Auftragen abgeblättert sein.

In der Marine sollen die vier Fregatten der Klasse 125 die acht älteren Schiffe der Klasse 122 („Bremen“-Klasse) ersetzen. Diese Schiffe werden derzeit bereits außer Dienst gestellt. Dies führt derzeit zu Problemen bei Auslandseinsätzen und Nato-Verpflichtungen, da derzeit nur noch zwölf von einst 15 Fregatten einsetzbar sind.

Mit der „Baden-Württemberg“ erhalten bei der Deutschen Marine irgendwann auch etliche Neuerungen Einzug. So wird die Artillerie-Bewaffnung mit dem Kaliber 127-Millimeter ausgestattet. Dieses Kaliber gehörte  zuvor in der Deutschen Marine nur bei Zerstörern zur Ausstattung. Für die Boarding-Teams oder das Anlanden von Spezialkräften sollen vier schnelle Einsatzboote an Bord untergebracht werden.

Bei der Antriebstechnik wird die „Baden-Württemberg“ die erste Fregatte mit einem Mix aus nur noch einer Gasturbine und vier Dieselgeneratoren sein. Die beiden Schrauben werden ähnlich wie bei den neuesten deutschen Aida-Kreuzfahrtschiffen von zwei elektrischen Siemens-Fahrmotoren mit zusammen 4,5 Megawatt Leistung angetrieben.  Siemens liefert auch die zugehörigen Umrichter, die elektronische Steuerung sowie die Mittelspannungsschaltanlage. Zur Steuerung und Überwachung werden ein integriertes Leit- und Automationssystem Schiffstechnik (ILASST) einschließlich Battle Damage Control System (BDCS) installiert sowie ein On Board Training System (OBTS).

Die „Baden-Württemberg“ und ihre bis 2020 folgenden Schwestern „Nordrhein-Westfalen“, „Sachsen-Anhalt“ und „Rheinland-Pfalz“ benötigen nur noch jeweils 120 Besatzungsmitglieder. Zusätzlich sind an Bord Kojen für Spezialeinheiten und im Notfall auch für Zivilpersonen, die aus einem Krisengebiet evakuiert werden sollen.

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