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Wirtschaft Blohm+Voss wird verkauft
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13:56 03.01.2012

Damit baut der Konzern seine kriselnde Schiffbausparte weiter um und stellt den Bereich ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) als fast reines militärisches Schiffbauunternehmen auf. Die Partnerschaft mit dem arabischen Unternehmen sehe darüber hinaus vor, ein Gemeinschaftsunternehmen für den Marine-Überwasserschiffbau zu gründen, an dem beide Partner 50 Prozent halten werden, das aber von TKMS geführt werden soll. TKMS solle Projekte mit der deutschen Marine und NATO-Ländern verantworten, Abu Dhabi MAR Aufträge in der Region Mittlerer Osten/Asien. „Das geplante Joint Venture verbessert die Vermarktungsaktivitäten für das Marine-Schiffbauprogramm von Blohm+Voss“, so das Unternehmen

Mit der Übernahme der Blohm+Voss-Gesellschaften in Hamburg baut Abu Dhabi MAR seine Kapazitäten im Bereich der Mega-Jachten deutlich aus. Dort sind derzeit knapp 1800 Mitarbeiter beschäftigt. Gut 300 von ihnen sollen künftig für das neue Marine-Gemeinschaftsunternehmen arbeiten, weitere 300 Mitarbeiter werden in Emden für diesen Bereich arbeiten. TKMS hatte erst vor kurzem die dortigen Nordseewerke an die SIAG Schaaf Industrie AG verkauft. Siag will 700 der 1200 Mitarbeiter übernehmen und in Emden Teile für Windkraftanlagen fertigen.

TKMS-Chef Hans Christoph Atzpodien setzt darauf, dass die Araber neue und zahlungskräftige Kunden im Jacht-Segment gewinnen können, aber auch neue Kontakte im Marinebereich knüpfen werden. Mit Abu Dhabi MAR sei der „geeignete Partner für eine dauerhafte und chancenreiche Beziehung“ gefunden worden, sagte er. Das Unternehmen nutzt die gegenwärtige Werftenkrise, um schnell zu wachsen. Die Gruppe, die von Scheich Hamdan bin Sajed, einem Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats, geführt wird, hatte bereits im Sommer die Rendsburger Werft Nobiskrug übernommen und beschäftigt derzeit mehr als 2000 Mitarbeiter.

In Kiel sind 120 Blohm+Voss-Mitarbeiter von dem Geschäft betroffen. Das berichtete Ernst-August Kiel, der HDW-Betriebsratsvorsitzende. Es gelte nun in weiteren Gesprächen und Verhandlungen mit ThyssenKrupp und dem neuen Investor sicherzustellen, dass diese Konstrukteure auch künftig ihren Arbeitsplatz in Kiel behalten könnten. Das habe TKMS mündlich bereits zugesichert. Darüber hinaus sei der Standort Kiel mit seinen noch 2300 Mitarbeitern jedoch nicht betroffen. ThyssenKrupp hatte sich hier erst kürzlich weitgehend auf die U-Boot-Fertigung konzentriert. Eigentlich sollte die Heinrich-Rönner-Gruppe (Bremerhaven) Anlagen und Mitarbeiter des zivilen Schiffbaus in Kiel übernehmen. Denn HDW verfügt derzeit über keine zivilen Aufträge. Doch der geplante Verkauf wurde Ende September abgeblasen. Für Ernst-August Kiel bedeutet der gestern verkündete Schritt, „dass sich ThyssenKrupp nun endgültig aus dem zivilen Schiffbau verabschiedet“.

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