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Chef der EADS-Rüstungssparte abgelöst

Flugzeugbau Chef der EADS-Rüstungssparte abgelöst

Der neue Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS, Tom Enders, hat den Leiter der Rüstungssparte Cassidian überraschend abgelöst. Zwischen Enders und dem langjährigen Cassidian-Chef Stefan Zoller habe es Differenzen gegeben.

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Ex-EADS Rüstungsvorstand Stefan Zoller und der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (l, CDU) im EADS-Werk in Manching.

Quelle: Armin Weigel / Archiv

Leiden/Frankfurt/Manching. Bei Strategie und Organisation des Unternehmens seien sie sich nicht einig geworden, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag aus Unternehmenskreisen. Neuer Chef der Rüstungssparte ist Bernhard Gerwert, bisher Leiter des operativen Geschäfts.

"Bernhard Gerwert wird Cassidian die neue Richtung und Impulse geben, die notwendig sind", sagte Enders. Entscheidend sei, dass das Unternehmen sein Geschäft auf die Bereiche konzentriere, "die dauerhaft umsatzstark und profitabel sind".

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von EADS Deutschland, Thomas Pretzl, erwartet von Gerwert einen stärkeren Akzent auf dem Militärflugzeug-Geschäft. Gerwert habe lange die Sparte Military Air Systems im bayerischen Manching geleitet, "da kennt er sich aus, und das sehen wir sehr positiv", sagte Pretzl am Montag der dpa. Als lokaler Betriebsratschef auch in Manching kenne er Gerwert schon lange als "Partner, der vertrauenswürdig für uns ist und mit dem wir gut zusammenarbeiten können".

Der französischen Zeitung "Les Echos" zufolge hatte sich ein Streit zwischen dem damaligen Airbus-Chef Enders und Zoller bereits vor eineinhalb Jahren abgezeichnet. Der damalige EADS-Konzernchef Louis Gallois habe sich aber nicht eingemischt, da er die Sache "für eine Angelegenheit unter Deutschen" gehalten habe. Enders hatte damals argumentiert, dass Zollers Umbau der Rüstungssparte eine engere Zusammenarbeit mit Airbus Military behindern könnte. Die Airbus-Tochter stellt Tankflugzeuge und Militärtransporter wie den neuen A400M her.

Zoller stand sieben Jahre lang an der Spitze von Cassidian und hatte zuletzt verstärkt auf das Geschäft mit Sicherheitstechnik wie Funksystemen und Cyber-Sicherheit gesetzt. Damit wollte er Rückgänge im klassischen Rüstungsgeschäft auffangen. Das meiste Geld verdient das Unternehmen aber weiter mit Kampfflugzeugen und Waffensystemen. Enders sagte, Zoller habe Cassidian rentabler gemacht und mit der Internationalisierung die Basis für künftiges Wachstum geschaffen.

Cassidian leidet wie andere Unternehmen der Rüstungsbranche unter den Kürzungen in den europäischen Verteidigungsbudgets. Aber auch Indien und die Schweiz hatten sich jüngst gegen den Eurofighter und für den Kauf der Konkurrenzmodelle von Rafale und Saab entschieden.

Pretzl erwartet unter Gerwert keinen radikalen Kurswechsel, aber einige neue Akzente. "Die Herausforderung ist, die Internationalisierung voranzutreiben, aber auch mit dem Heimatmarkt umzugehen", sagte der Betriebsratschef. Im Zuge der Bundeswehrreform seien Beschaffungs- und Wartungsaufträge weggefallen. Jetzt sei die Frage, ob die Luftwaffe eine weitere Eurofighter-Tranche kaufe, wie der Airbus-Militärtransporter A400M gewartet werde, ob die Bundeswehr mehr Dienstleistungen wie Training auf Flugzeugen oder die Betreuung von Fliegerhorsten auslagere und wie die Arbeit an der angekündigten europäischen Drohne aufgeteilt werde.

Zoller habe Cassidian wegen der Bundeswehr-Sparpläne stärker auf die Märkte in den Schwellenländern ausgerichtet und breiter aufgestellt. Vom Container-Hospital über die Grenzsicherung bis zum Eurofighter biete Cassidian heute ein breites Portfolio. "Man kann nicht sagen, dass der Weg nicht gestimmt hat", sagte Pretzl. Manche Punkte dürfte Gerwert aber neu justieren.

dpa

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