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Wirtschaft Cinemaxx-Betreiber kauft Cinestar-Gruppe
Nachrichten Wirtschaft Cinemaxx-Betreiber kauft Cinestar-Gruppe
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19:02 22.10.2018
Die Cinestar-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Lübeck hat, soll an den britischen Kinobetreiber Vue International verkauft werden. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Paukenschlag in der deutschen Kinolandschaft: Die Cinestar-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Lübeck hat, soll an den britischen Kinobetreiber Vue International verkauft werden. Während am Montagmorgen im Internet bereits die ersten Berichte über den Verkauf kursierten, wurden im Lübecker Cinestar die Mitarbeiter über die Entwicklungen informiert.

Als sie gegen Mittag das Gebäude an der Mühlenbrücke verließen, waren viele Gesichter von Ratlosigkeit geprägt. „Viel haben wir nicht erfahren. Nur, dass ein Verkauf im Gespräch ist. Wie es mit den Arbeitsplätzen weitergeht, wissen wir nicht“, sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Dabei ist der Millionen-Deal offenbar unter Dach und Fach. Nur noch die Genehmigung des Bundeskartellamts steht aus. Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock bestätigt den Verkauf. „Bis zur Entscheidung des Kartellamts werden sechs bis zwölf Monate vergehen, solange bleibt alles beim Alten. Danach weiß noch niemand, wie es weitergeht.“

2700 Mitarbeiter

Zur CineStar-Gruppe gehören derzeit 55 Kinocenter mit 449 Leinwänden. Zwei weitere Center sollen Ende 2018 und Mitte 2019 in Remscheid und Freising eröffnet werden. Deutschlandweit arbeiten in der Cinestar-Gruppe 2700 Mitarbeiter, rund 100 davon in der Lübecker Zentrale. Die Gruppe wurde als Privatunternehmen von Hilma und Albert Kieft im Jahr 1948 gegründet und unter dem Namen „Kieft & Kieft Filmtheater“ bis 2004 geführt.

130 Millionen Euro

Die australische Entertainment-, Veranstaltungs- und Freizeitunternehmen Event Hospitality & Entertainment Limited (EVT) hat die Gruppe an das britische Unternehmen verkauft, dass auch die Cinemaxx-Kinos betreibt. Die Vue International erwirbt die Cinestar-Gruppe gegen Vorauszahlung von 130 Millionen Euro. Dazu kommt eine variable Summe von bis zu 91,8 Millionen Euro. Sie soll sich an den Besucherzahlen des kommenden Jahres orientieren.

Lübecker Geschichte

Das Lübecker Cinestar gehört seit 2004 zur Unternehmensgruppe. Zuvor hatte die Geschwister Marlis und Heiner Kieft das Kino an der Mühlenbrücke geführt. Sie betrieben unter den Markennamen Cinestar und Ufa insgesamt 94 Kinos mit 611 Sälen und rund 145 000 Sitzplätzen deutschlandweit. Doch schwindende Besucherzahlen machten schlussendlich den Verkauf an die australische Gruppe notwendig. Die Australier hielten bereits seit 1998 über ihre Tochtergesellschaft Greater Union 50 Prozent an Kieft & Kieft.

Oliver Fock vertraut auf Know-how

Oliver Fock blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind der Überzeugung, dass Vue als einer der führenden Kinobetreiber in Europa und weltweit über das richtige Know-how verfügt, um auf den Erfolg von Cinestar aufzubauen.“ Der Gründer von Vue International, Timothy Richards, freut sich auf die neuen Aufgaben. „Deutschland ist ein sehr wichtiger Kinomarkt und gehört regelmäßig zu den zehn führenden Boxoffice-Märkten der Welt. Der Zukauf ist Bestandteil unserer Geschäftsstrategie qualitativ hochwertige Kinos zu entwickeln und zu besitzen. Wir werden weiter in die einzelnen Immobilien investieren und heißen Cinestar herzlich in der Vue-Gruppe willkommen.“

Attraktiver Preis

In diesem Jahr hatte Vue bereits die polnische Gruppe Cinema3D und die irischen Showtime Cinemas übernommen. Insgesamt hat sich die Vue-Gruppe seit ihrer Gründung vor 15 Jahren mit 14 Akquisitionen vergrößert, darunter Cinemaxx in Deutschland und Dänemark. Die Akquisition von 57 Kinocentern ist laut einer Pressemitteilung des Unternehmens der „Beleg für das Vertrauen der Gruppe in den europäischen Markt und die Zukunft der internationalen Ausstellungsindustrie“.

Strategische Überlegungen

Bei EVT dagegen sei der Verkauf von Cinestar Folge einer strategischen Bewertung der Aktivitäten, bei der festgestellt wurde, dass sich im Zusammenspiel von Cinestar und den Kinoaktivitäten von EVT in Australien und Neuseeland keine Synergieeffekte erzielen ließen. EVT-CEO Jane Hastings kommentiert: „Der Verkauf von Cinestar verschafft unseren Anteilseignern Wertzuwachs. Der Preis ist attraktiv, zumal noch Potenzial nach oben besteht, sollten die Besucherzahlen im deutschen Kinomarkt wieder steigen.“

Von Maike Wegner/RND

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