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Conergy bleibt doch in den roten Zahlen

Energie Conergy bleibt doch in den roten Zahlen

Nur rund ein Jahr nach der schmerzhaften Umschuldung steht dem Hamburger Solarunternehmen Conergy das Wasser wieder bis zum Hals. Der Vorstand prüfe, ob es zu einem Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals kommen könnte, teilte die Gesellschaft am späten Dienstagabend mit.

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Conergy prüft, ob die Ergebnisentwicklung zu einem Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft führen könnte.

Quelle: Angelika Warmuth

Hamburg. Als Grund nannte das Unternehmen eine Einmalbelastung aus der Auflösung eines Vertrages mit einem Zulieferer in Höhe von 21 Millionen US-Dollar sowie den aktuellen Geschäftsverlauf.

Das Unternehmen gab zudem die Hoffnung auf, in diesem Jahr zumindest operativ wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die Aktie verlor zum Handelsauftakt rund 20 Prozent auf nur noch 37 Cent. Dennoch wertet die Gesellschaft den Vergleich mit dem US-Lieferanten MEMC als eine positive Nachricht. "Für Conergy entfallen damit Abnahmeverpflichtungen von 600 Millionen Dollar bis 2018", sagte Vorstand Alexander Gorski.

Der Zehn-Jahres-Vertrag mit MEMC stammt aus einer Zeit, als Wafer Mangelware waren und die Hersteller praktisch jeden Preis verlangen konnten. Conergy hatte sich darauf eingelassen, weil langfristige Kontrakte damals Planungssicherheit und einen Wettbewerbsvorteil versprachen. Mehrmals wurde der Vertrag bereits verändert, nun ist er ganz aufgelöst. Wafer sind die Vorprodukte für Solarzellen, die wiederum zu Solarmodulen verarbeitet werden. Conergy stellt selbst keine Solarzellen mehr her und kann sich nun auf dem Markt bedienen, der von einem stetigen Preisverfall gekennzeichnet ist.

Doch die Krise der Branche droht bei Conergy die ersten Erfolge des massiven Umbaus zunichte zu machen. Im ersten Halbjahr war es den Hamburgern noch gelungen, ihre Verluste deutlich zu reduzieren und sich damit vom Branchentrend abzusetzen. Im Sommer trübte sich die Lage aber dem Vernehmen nach deutlich ein - einige wichtige Projekte verzögern sich. Conergy erwartet deshalb nun einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im zweistelligen Millionenbereich. Bislang hatte der Vorstand ein leicht positives EBITDA in Aussicht gestellt. Conergy hatte zuletzt 2005 einen Gewinn ausgewiesen und seitdem Verluste von insgesamt rund 841 Millionen Euro erlitten. Im vergangenen Jahr waren es 162 Millionen Euro.

Den Hamburgern war im vergangenen Jahr und damit kurz vor der jüngsten Krise in der Branche eine Umschuldung geglückt, die für viele Kreditgeber und Aktionäre schmerzhaft war. Stattdessen stiegen zahlreiche Finanzinvestoren bei Conergy ein. In der Branche gibt es wenig Zweifel, dass Conergy eines Tages übernommen werden soll. Das Unternehmen warb zuletzt ganz offen um einen Partner in China. Parallel baute das Management das Geschäft radikal um. Conergy konzentriert sich nun auf die Entwicklung großer Solarprojekte sowie den Vertrieb von Anlagen. Zudem gibt es noch eine kleine Modulproduktion in Frankfurt/Oder.

Ob der Verlust der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist und damit die Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen werden müssen, hängt von den Ergebnissen des dritten Quartals ab. Eine erhöhte Insolvenzgefahr lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Die 21 Millionen Dollar sind in der Bilanz eine offene Forderung an MEMC, die nun abgeschrieben werden muss. Das schlägt auf das Ergebnis durch, nicht aber auf die Liquidität, da Conergy dieses Geld ohnehin nicht auf einem eigenen Konto hatte. An der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens ändert sich nichts.

dpa

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