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16:36 23.01.2018
Gut bewacht: Spezialeinheiten der Schweizer Polizei sichern den Tagungsort in Davos. Quelle: AP
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Davos

Das Gesicht von Klaus Schwab regt sich nicht. Ungerührt wie ein Pokerspieler spricht der deutsche Wirtschaftsprofessor, Gründer und Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF), über den anstehenden Besuch des US-Präsidenten in Davos: „Es ist absolut wichtig, dass Donald Trump bei uns ist.“ Mehr will er zu der kontroversesten Person auf der Gästeliste des Treffens der Reichen und Mächtigen in den Schweizer Bergen nicht sagen.

3000 Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, darunter mehr als 70 Regierungschefs, reisen diesmal nach Davos. Auch Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Emmanuel Macron haben sich angesagt. Sogar eine Handvoll Könige und Königinnen geben sich in dem Schweizer Alpenstädtchen die Ehre.

Der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, am Dienstag bei seiner Eröffnungsrede in Davos. Quelle: dpa

Nur wenige Stunden nachdem die Teilnahme Trumps publik wurde, waren die Hotels ausgebucht, von Davos bis Zürich. Wer wollte, konnte zuletzt noch einen Matratzenplatz für 700 Euro pro Nacht ergattern – neben vier anderen in einem privaten Schlafraum.

„Das WEF stärkt seine Bedeutung“, bilanzierte nüchtern die „Neue Zürcher Zeitung“ angesichts des „gelungenen Coups“.

Auch Kritiker schenken in diesem Jahr dem Treffen mehr Aufmerksamkeit als bisher. Nachdem Demos gegen „Davos“ in den letzten Jahren nur noch einige unermüdliche Globalisierungsgegner anzogen, erwarten die Organisatoren diesmal einen Massenzulauf. Die Slogans reichen von „Smash WEF“ (Zerstört das WEF) bis zu „Trump not welcome“ (Trump ist nicht willkommen).

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau mit seinem indischen Amtskollegen Narendra Modi in Davos. Quelle: ap

Der gewaltige Rummel ist dem 79-jährigen WEF-Patron Schwab schon nicht mehr ganz geheuer. In der Genfer WEF-Zentrale fragen sich die Macher: Wird der Wüterich aus Washington bei seiner für Freitag angesetzten Rede die versammelte Elite aus Politik und Wirtschaft zusammenstauchen? Wird er wieder pöbeln und drohen? Signale eines neuen Nationalismus, so viel ist klar, würden nicht nach Davos passen. Immerhin verpflichten sich die die WEF-Teilnehmer zu nichts weniger, als den „Zustand der Welt zu verbessern“. So lautet der pompöse Leitspruch des Forums, das 1971 als behagliche Plauderrunde am Kamin seinen Anfang nahm.

An diesen Grundgedanken knüpfte am Dienstag Indiens Premierminister Narendra Modi an. In in seiner Eröffnungsrede sagte Modi: „Fortschritt verdient nur dann seinen Namen, wenn wirklich alle daran teilhaben dürfen.“ Seine Regierung arbeite hart daran, etwa indem sie Menschen dabei unterstütze, zum ersten Mal in ihrem Leben ein Bankkonto zu eröffnen. Mit Blick auf Trump warnte Modi vor Nationalismus und Isolation: „Die Kräfte des Protektionismus erheben ihr Haupt.“

Von Jan Herbermann/RND

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