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Die Aktie: Fels in der Brandung

KN-Serie zur Euro-Krise, Teil 6 Die Aktie: Fels in der Brandung

Zu Aktien haben die Deutschen traditionell ein eher distanziertes Verhältnis. Zu riskant für den normalen Anleger. Nur etwas für Spezialisten. So lauten die Vorurteile. Doch Niedrigzinsen, die wachsende Angst vor Inflation und die Sorge um den Bestand der Eurozone befeuern die Nachfrage nach Sachwerten. Ein Trend, von dem auch Aktien profitieren. Zu Recht?

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Der Bulle als Symbol für die Aufwärtskräfte an der Börse: Im Umfeld von Eurokrise und Konjunkturschwäche haben sich die Aktienmärkte bislang gut behauptet.

Quelle: dpa

Kiel. Was ist, wenn alles zusammenkracht? Wenn Staaten pleitegehen, die Eurozone auseinanderbricht, die Weltwirtschaft in der Rezession versinkt? Oder wenn die Inflation das Geldvermögen auffrisst? Dann schützt – anders als Gold- oder Immobilienbesitz – der Sachwert Aktie zwar nicht vor drastischem Vermögensverlust. Doch die Beteiligung an real existierenden Unternehmen hat gegenüber Staatsanleihen und anderen Finanzanlagen zwei riesige Vorteile: Sie schützt vor Inflation und wird nie komplett wertlos – zumindest nicht, solange es das Unternehmen gibt. Wer also in solide und substanzstarke Aktiengesellschaften investiert, der erwirbt ein gewisses Maß an Sicherheit, plus die Chance auf eine ansehnliche Rendite. Einen Wert wie beispielsweise Siemens, der zwei Weltkriege überstanden hat, den wird es auch nach der europäischen Staatsschuldenkrise noch geben. Und wenn auch die Kurse abstürzen – was sie bekanntlich immer wieder mal tun – dann besteht bei wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen zumindest noch die Aussicht auf eine ordentliche Dividende.

Und so treibt die Eurokrise die eher börsenscheuen Deutschen nach den abschreckenden Erfahrungen einer Beinahe-Kernschmelze der Finanzmärkte langsam wieder zurück an den Aktienmarkt. Durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger hatten im ersten Halbjahr 2012 Geld direkt oder indirekt (über Fonds) in Aktien investiert. Das sind 1,9 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Es ist fast egal, welchen Experten man fragt: Die Geldanlage in Aktien gilt derzeit als probates Mittel gegen Niedrigzinsen, Inflationssorgen und Währungsängste. „Der längerfristige Ausblick für Aktieninvestments bleibt konstruktiv“, sagt Henning Oldenburg, Geschäftsleitungsmitglied der Deutschen Bank in Kiel. „Viele Unternehmen verfügen über solide Bilanzrelationen und hohe Kassenbestände.“ Zwar seien Kursrückschläge aufgrund der Schuldenkrise und des eher trüben Konjunkturausblickes möglich, doch dürften diese begrenzt bleiben. Grund: die aktuell noch moderate Bewertung vieler Unternehmen und nicht selten attraktive Dividendenrenditen. Sprich: Von ihren noch immer ansehnlichen Gewinnen geben zahlreiche Unternehmen so großzügig an die Aktionäre ab, dass es sich schon deshalb lohnt, die Anteilsscheine zu halten.

„Wer heute sein Vermögen erhalten will, für den führt kein Weg an Sachwerten vorbei“, sagt Katrin Lisok, Niederlassungsleitern Kiel der Neuen Vermögen AG. Während man mit Tagesgeld maximal zwei Prozent Zinsen erzielen könne, ließe sich mit einem diversifizierten Depot aus deutschen Aktien wie etwa RWE, Siemens, Leoni oder Munich Re eine Dividendenrendite von über vier Prozent erwirtschaften. „Nimmt man noch einige europäische Titel wie Total, Vodafone oder ENI dazu, dann kann man auch über fünf Prozent erzielen.“ Erfahrene Anleger könnten durchaus in Einzelwerte investieren, „unerfahrene sollten sich gute Fondsmanager suchen“.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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