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Die Angst vor der Inflation

KN-Serie Euro-Krise, Teil 4 Die Angst vor der Inflation

Die Finanzmärkte werden derzeit mit Geld überschwemmt. Im Septemmber kündigte die US-Notenbank Fed an, Monat für Monat rund 40 Milliarden Dollar in die Wirtschaft zu pumpen. Das gibt Inflationsängsten weitere Nahrung. Im dritten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns daher mit der besonderen Inflationsfurcht der Deutschen sowie der Flucht vieler Anleger in Sachwerte – insbesondere ins Gold.

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Zählen hätte viel zu lange gedauert: Im Jahr 1923 wurden Geldscheine vielfach einfach gewogen. Das Krisenjahr war die Zeit der vielen Nullen auf den Geldscheinen. Waschkörbeweise trug eine verarmte Bevölkerung nahezu wertlose Geldscheine zum Einkaufen.

Quelle: dpa

Kiel. In keinem anderen Land der Euro-Zone ist die Inflationsangst so weit verbreitet wie in Deutschland. Vor allem auf Druck der Bundesregierung wurde die Europäische Zentralbank (EZB) allein auf das Ziel der Geldwertstabilität verpflichtet. Und obwohl Länder wie Österreich, Luxemburg oder die Niederlande eine teilweise noch höhere Pro-Kopf-Haftung in der Euro-Zone übernommen haben, sind es vor allem Vetreter Deutschlands, die gegen den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB Front machen.

Das ist verständlich, denn zweimal wurden die Deutschen im vergangenen Jahrhundert mit einer massiven Geldentwertung konfrontiert: in der Hyperinflation 1923 und vor der Währungsreform 1948. Vor allem die extreme Geldentwertung 1923 hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Weitgehend verdrängt wird aber, dass beide Inflationen eine direkte Folge der zuvor verlorenen Weltkriege waren. So hatte die Reichsmark schon während des Ersten Weltkrieges von August 1914 bis zum November 1918 gegenüber dem Dollar 90 Prozent ihres Wertes verloren. Zur Hyperinflation kam es dann 1923, weil die Reichsregierung aus Protest gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch Franzosen und Belgier dort einen unbefristeten Generalstreik ausrief, den Arbeitern und Angestellten aber weiterhin ihre Löhne und Gehälter zahlte. Als Gustav Stresemann den ruinösen Ruhrkampf im September 1923 beendete und kurz darauf eine Währungsreform durchführte, hatten Millionen von Deutschen ihre gesamten Ersparnisse verloren. Auch die Geldentwertung nach 1945 war eine Folge des verlorenen Krieges.

Der Wirtschaftshistoriker Alexander Nützenadel, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, hält es für ausgeschlossen, dass sich in der Euro-Zone eine Inflation wie die von 1923 oder 1945/46 in Deutschland wiederholt. Die Deutschen seien sehr fixiert auf das Thema Inflation, „obwohl gegenwärtig ganz andere Probleme im Vordergrund stehen“, sagt er. Die Vorteile, die Deutschland aus der Währungsunion ziehe, seien so groß, „dass auch aus nationalem Interesse alles zu ihrem Erhalt getan werden sollte“, so der Wirtschaftshistoriker. Thomas Straubhaar, Direktor der Hamburger Instituts für Weltwirtschaft, sieht es ähnlich. Deutschland wirke von außen betrachtet „wie ein Opfer, das vor langer Zeit durch eine große Flut alles verlor, was zu einem so starken Trauma führte, dass nun, Jahre später, bei einem Flächenbrand auf den Einsatz der Feuerwehr verzichtet wird, weil die Angst vor dem Wasserschaden zu groß ist“.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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