Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Die Wogen schlagen hoch
Nachrichten Wirtschaft Die Wogen schlagen hoch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:13 17.09.2012
Die Bundesländer sollten das Tempo ihres Windenergieausbaus drosseln, fordert Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Quelle: dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) eröffnet am Dienstag in Husum die internationale Windenergie-Messe. Die Bundesländer sollten das Tempo ihres Windenergieausbaus drosseln, forderte Altmaier am Montag im ZDF-Morgenmagazin. In den Ausbauplänen der Bundesländer sei etwa 60 Prozent mehr Windenergie vorgesehen als nötig, um die Energiewende zu schaffen. Husums Messegeschäftsführer Peter Becker warnte, die Branche zu verunsichern. Notwendig seien aus Sicht der Unternehmen Planungssicherheit, klare Vorgaben und ein zügiger Netzausbau. Überschattet wird der Messeauftakt von der Kampfansage Hamburgs. Die Hansestadt setzt 2014 eine eigene Windenergie-Messe gegen Husum.

„Zu unserer internationalen Leitmesse der Windenergiebranche weltweit haben sich 1116 Aussteller aus 28 Ländern angemeldet — so viele wie nie zuvor seit der Gründung 1989 und 140 mehr als zuletzt 2010“, sagte Becker. Erwartet werden knapp 40 000 Besucher. Der Messegeschäftsführer bekräftigte, dass die nächste Messe vom 23. bis 26. September 2014 „selbstverständlich“ in Husum stattfinden wird - auch falls Hamburg wie angekündigt an denselben Tagen eine Konkurrenzmesse organisieren sollte.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bezeichnete es als „sehr ärgerlich“, dass die beiden Messen zu keiner Verständigung gefunden haben. Er machte die Hamburger Konkurrenz dafür verantwortlich: „Es gab einen Kompromiss-Vorschlag des UV-Nord, den die Messe Husum bereit war zu akzeptieren und das, obwohl er für die Husumer bis an die Schmerzgrenze ging. Die Messe Hamburg war nicht bereit, diesen Kompromiss zu tragen.“ Albig fügte hinzu: „Ich bin ganz sicher, dass die Husum Wind nicht nur 2014 sehr erfolgreich sein wird, sondern auch darüber hinaus. Dafür hat die Messe unsere volle Unterstützung.“

Am Sonntag waren die Gespräche zwischen den Messegesellschaften Husum und Hamburg gescheitert. Beide Lager beharren auf ihrer Position. „Es wäre wichtig gewesen, Ruhe in die Branche zu bringen - nun haben wir das Messe-Gemetzel, und das ist nicht gut“, sagte Becker.

In der Standortfrage gespalten ist auch die Branche selbst, die sich eine einvernehmliche Lösung gewünscht hätte. Die Hamburg Messe - Träger ist die Stadt — hatte vor mehr als einem Jahr ihre Pläne bekanntgemacht.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sprach sich erneut für die Elbmetropole als künftigen Standort aus. Hamburg biete die bessere Perspektiven, sagte VDMA-Geschäftsführer Thorsten Herdan in Frankfurt. „Sollte es 2014 zwei Messen in Husum und Hamburg geben, würde dies eine ganz klare Schwächung bedeuten, in Deutschland die europäische Leitmesse für Windenergie im Triadenmarkt mit den USA und China zu sichern.“ Herdan forderte, die Industrie in künftige Gespräche einzubinden. Becker hielt dem VDMA vor, aus finanziellem Eigeninteresse sich als Partner für Hamburg zu engagieren.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) denkt vor allem an die unmittelbar bevorstehende Messe. „Darauf sollten wir uns jetzt konzentrieren. Diese Messe sollte nicht von dem Streit norddeutscher Städte um den künftigen Messestandort überschattet werden“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Der Bundesverband WindEnergie werde sich dafür einsetzen, nach Abschluss der Messe die verantwortlichen Akteure wieder an den Verhandlungstisch zu holen. Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Jost de Jager rief die Landesregierung von SPD, Grünen und SSW zum Handeln auf. „Da will ich diese Landesregierung endlich einmal kämpfen sehen“, sagte de Jager in Kiel.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen im Kieler Landtag, Detlef Matthiessen, hielt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) „eine maximale Provokation“ vor. „Hamburg hat den Angriff auf den Messestandort Husum auch nie vorher angekündigt und das Gespräch gesucht — das Scheitern der Gespräche war damit vorprogrammiert“, meinte Mathiessen.

Laut Becker lag ein unterschriftsreifer Vertrag vor, den Hamburg am Ende abgelehnt habe. Demnach hätte die Messe 2014 in Husum stattgefunden. Dann hätte eine Branchenumfrage über den künftigen Standort entschieden. „Eine Vorfestlegung auf eine Messe 2014 in Husum wäre von der uns unterstützenden Industrie nicht mitgetragen worden“, sagte der Sprecher der Messegesellschaft Hamburg, Karsten Broockmann. „Die wäre dann nicht in Husum, sondern auf den anderen Windmessen weltweit vertreten und für den Messestandort Deutschland möglicherweise verloren.“

Die Hamburger hatten den Husumern nach dpa-Informationen unter anderem angeboten, 2014 die Messe in der Hansestadt auszutragen, sie aber von den Husumern als Gastveranstalter „machen“ zu lassen. Für 2016 sollte dann ein gemeinsamer Weg gefunden werden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige