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12:55 09.11.2018
Von Heike Stüben
Schnell unterwegs mit einem E-Bike: Das Fahren will aber gelernt sein. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Kiel.

Kiel. Wer bei E-Mobilität nur an Autos denkt, ist falsch gewickelt. Viel verbreiteter sind andere E-Mobile – vor allem Pedelcs, zunehmend aber auch elektrische Trendsfahrzeuge wie Segways, E-Boards und Elektro-Roller. Einerseits ist alles gut, was Menschen in Bewegung bringt, ohne die Umwelt zu belasten und Straßen und Städte zu verstopfen.

Andererseits ist da auch die Kehrseite, die der Polizei Sorgen bereitet: Viele Passanten haben die fast lautlosen Fahruntersätze noch nicht auf dem Schirm und nicht alle Nutzer haben genügend Informationen und Übung für eine unfallfreie Fahrt, sagt Stephan Steffen von der Landespolizei Schleswig-Holstein.

Günstiger und klimaschonender als Autos

Am deutlichsten wird das für den Experten für Unfallprävention bei den Pedelecs. „Das, was wir am häufigsten auf Straßen und Radwegen sehen und was inzwischen so gut wie in jedem Tourismusort vermietet wird, sind meist Pedelecs – also Fahrräder, bei denen die Tretbewegung elektrisch unterstützt wird“, erklärt Steffen. Sie sind günstiger und klimaschonender und auf den Entfernungen bis zu zwölf Kilometer oft sogar schneller als Autos.

Nicht selten ersetzen sie daher inzwischen den Erst- oder Zweitwagen. Dass man ohne große Mühe Steigungen und bis zu 70 Kilometer am Stück fahren kann, macht die Räder auch für jene interessant, denen Radfahren sonst zu unbequem oder zu kraftzehrend ist. Etwa jedes fünfte Rad, das in Deutschland verkauft wird, hat bereits eine elektrische Unterstützung.

Besonders gefragt sind sie bei Älteren. „Auch ein Rentner kann ein geübter Radfahrer sein. Aber Pedelecs legen sich auch jene zu, die schon längere Zeit gar nicht mehr Fahrrad gefahren sind. Und die rechnen nicht damit, dass ein Pedelec eine andere Fahrdynamik als die altbekannten Drahtesel hat“, sagt Steffen. Das erhöhe das Risiko und führe immer wieder zu Unfällen. Nach Angaben des Statistikamtes Nord sind im vergangenen Jahr 379 E-Biker allein in Schleswig-Holstein in Unfälle verwickelt gewesen. Vier Radfahrer kamen dabei ums Leben.

Mehr Kilometer, aber weit mehr Unfälle

„Pedelecs sind ein Erfolgsmodell für den Handel mit Steigerungsraten von gut 20 Prozent pro Jahr. Leider sehen wir bei den Unfällen mit Verletzten pro Jahr einen Anstieg von mehr als 30 Prozent. Das ist zu den Verkaufszahlen überproportional“, sagt auch Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. „Als Erklärung dient auch nicht, wie oft gehört, dass man auf dem Pedelec ja mehr Kilometer zurücklegt und es insgesamt häufiger benutzt, als ein Fahrrad. Das traf in allen Jahren zu und erklärt daher die jährlichen Steigerungsraten nicht.“

Brockmann gibt zu, dass die genauen Unfallursachen bisher nicht erfasst werden – da fehle es noch an weiteren Untersuchungen. Es gebe aber Auffälligkeiten: Pedelec-Fahrer werden schwerer verletzt als Radfahrer der gleichen Altersgruppe. Der Anteil Älterer an Pedelec-Unfällen ist überdurchschnittlich hoch. Und: Viele Unfälle sind Alleinunfälle und passieren bei Gefälle und in Kurven. „Das“, sagt Brockmann, „deutet darauf hin, dass es Probleme mit dem Handling dieser Fahrzeuge gibt.“

ADFC fordert bessere Infrastruktur

Pedelec-Fahrer sehen hingegen auch Sicherheitsvorteile beim elektrisch unterstützten Radfahren. Beim Pedelec sinke die körperliche Belastung gegenüber dem normalen Radeln. Dadurch könne man sich besser auf den Verkehr und die Gefahren konzentrieren.

Unstrittig ist aber, dass man sich vor dem Kauf gut von Fachleuten informieren und beraten lassen sollte. „Ich empfehle auch, das Fahren mit einem Pedelec wirklich zu üben. Am besten wäre eine Fahrtraining. Die gibt es, sie werden aber kaum genutzt“, sagt Stephan Steffen. Und auf jeden Fall sollten Pedelec-Fahrer einen Helm tragen.

Beim ADFC macht der Megatrend hin zur Elektrifizierung noch mehr notwendig. Carsten Massau, Landesgeschäftsführer beim ADFC, fordert eine verbesserte Radverkehrs- sowie Ladeinfrastruktur und mehr Flächengerechtigkeit. So fehle es häufig auch an gesicherten Abstellmöglichkeiten, vor allem an Mobilitätsknoten.

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