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Wirtschaft Ein Gesetz gegen die Teilzeitfalle
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08:00 05.01.2017
Arbeitnehmer in Deutschland sollen das Recht auf zeitlich befristete Teilzeit bekommen. Das sieht ein Entwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Quelle: dpa
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Hannover

Im Grunde geht es nur um ein Detail. Das zudem im schwarz-roten Koalitionsvertrag schon 2013 vereinbart wurde, also längst bekannt ist. Doch weil Arbeitsministerin Andrea Nahles nun einfach das umsetzt, was sie einmal angekündigt hat, ist die Aufregung groß. Dabei wird Politikern doch sonst allzu oft vorgeworfen, ihre Versprechen nicht einzuhalten. Es geht um das Recht für Teilzeitbeschäftigte, wieder auf eine Vollzeitstelle zurückkehren zu können. Das birgt eine Reihe von Problemen, bietet aber auch viele Chancen – profitieren werden davon vor allem Frauen.

Die Wirtschaft argumentiert mit „zu viel Bürokratie“ und „zu wenig Planungssicherheit“ gegen den Gesetzentwurf der SPD-Ministerin. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen fürchten neben dem Regelungsbedarf, dass sie den Personaleinsatz im Betrieb nicht mehr vernünftig koordinieren können. Sie müssten ständig fürchten, dass reihenweise Beschäftigte ihre Arbeitszeit verkürzen und verlängern, wie es ihnen gefällt. Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario jedoch nicht. Schon jetzt gibt es das Recht auf Teilzeit nur im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber, wenn also keine gravierenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Und längst nicht jeder Arbeitnehmer kann es sich überhaupt leisten, für mehr Freizeit Lohnabstriche hinzunehmen.

Nahles verteilt nicht nur Bonbons für Arbeitnehmer

Die Debatte lenkt vom eigentlichen Problem ab: 80 Prozent der rund elf Millionen Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Weil sie sich, wenn sie Mütter werden, meist dafür entscheiden müssen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Männer, die nicht in Teilzeit arbeiten wollen. Zu wenig Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Mangelnde Flexibilität der Unternehmen. Die Folge: Teilzeitbeschäftigte Frauen haben weniger Karrierechancen, weniger Möglichkeiten zur Weiterbildung, verdienen weniger und bekommen deshalb am Ende weniger Rente. Solange die gesellschaftlichen Bedingungen für Eltern nicht verbessert werden, kann das Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen gegen diese Teilzeitfalle helfen. Viele betroffene Frauen würden ihre Arbeitszeit gerne wieder aufstocken – bisher ist dies nur mit Glück oder einem verständnisvollen Arbeitgeber möglich. Aber auch Männer können ermutigt werden, Teilzeit zu arbeiten, wenn sich dies zweifelsfrei befristen lässt.

Die gesamte Arbeitswelt wandelt sich, Digitalisierung und Flexibilität sind echte Herausforderungen. Nahles betreibt keinen Wahlkampf mit kleinen Bonbons für Arbeitnehmer, sondern will diesen Wandel mit dem Rückkehrrecht und anderen Vorschlägen, etwa der Wahlarbeitszeit gegen starre Tarifregeln, aktiv gestalten. Und zwar so, dass am Ende Arbeitgeber und Beschäftigte davon profitieren – und zugleich nicht immer die Frauen auf der Strecke bleiben.

Von RND/Udo Harms

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