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Wirtschaft Mit Hochdruck den Markt erobert
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20:33 03.09.2014
Von Jörn Genoux
Die Zeichen stehen auf Wachstum: das Geschäftsführungstrio Harald Schulz, Hendrik Murmann und Edgar Schmitt. Quelle: sp
Kiel

Seit den 80er-Jahren ist Sauer & Sohn in Deutschland unangefochten die Nummer eins. Das Unternehmen stellt Kompressoren für zivile Schiffe und Marineschiffe her. Doch ausruhen konnte sich die Firma nicht. Denn der Schiffbaumarkt wandelte sich gravierend, deutsche Werften gerieten in Existenzkrisen, viele Reeder bestellten Schiffe in Asien. Es gab, so berichtet Geschäftsführer Harald Schulz, nur eine Konsequenz: Sauer & Sohn musste selbst stärker auf internationalen Märkten Fuß fassen, vor allem in den Schiffbauländern Polen, Spanien, Korea und China.

Ein richtiger Schritt, wie sich im Rückblick sagen lässt: 1990 stellte das Unternehmen mit seinen damals 120 Mitarbeitern 500 Kompressoren her und erwirtschaftete zwölf Millionen Euro. Heute beschäftigt Sauer & Sohn in elf Ländern rund 510 Mitarbeiter, 250 davon in Kiel und mehr als 150 am Produktionsstandort in Zandov (Tschechien), erzielte im vergangenen Jahr 88 Millionen Euro Umsatz und verkaufte 3500 Kompressoren. Eingesetzt werden sie meist auf See.

Im Schiffbau liegen die Wurzeln des Unternehmens. Kiel war seit 1871 Reichskriegshafen, Marine und Werften sorgten für einen industriellen Aufschwung. 1884 gründete Wilhelm Poppe in der Faulstraße eine sogenannte Gelbgießerei, die Produkte aus Messing herstellte. 1929 zog das Unternehmen nach Friedrichsort um, und ein Jahr später stieg Poppe in den Bau von Kompressoren ein. 1934 übernahm das Kieler Bankhaus Ahlmann die Mehrheit an der Firma. Nach dem Krieg erwarb der Unternehmer Walter Murmann aus dem Verkaufserlös seiner Flensburger UCA-Kamerafabrik die Firma Poppe und baute um sie herum eine Firmengruppe auf. 1966 kam die Jagdwaffenfabrik J.P. Sauer & Sohn in Eckernförde hinzu, die wenig später auch Namensgeber für die gesamten Maschinenbauaktivitäten des Familienunternehmens wurde. Walter Murmann teilte die Firmengruppe noch zu Lebzeiten auf, damit seine drei Söhne Klaus, Rolf und Dieter jeweils eigene Wege gehen konnten. Die Waffenfabrik wurde 1976 an den Schweizer SIG-Konzern verkauft.

Dieter Murmann hält seit 1980 die Mehrheit am Kompressorenhersteller. Ein Jahrzehnt später wurde die Internationalisierung eingeleitet, zunächst mit dem Kauf der französischen Firma Techniques Girodin und dem Aufbau von Tochtergesellschaften auf wichtigen Märkten. Ein entscheidender Schritt, so schildert es Dieter Murmann, sei dann 1998 die Übernahme des tschechischen Unternehmens CKD Zandov gewesen. Heute werden dort die meisten Sauer-Kompressoren hergestellt; in Kiel gibt es weiter eine Fertigung, doch hier sind vor allem Entwicklung und Konstruktion angesiedelt, darüber hinaus werden die Maschinen aus Tschechien hier individuell nach den Wünschen der Kunden montiert.

Zur verstärkten internationalen Präsenz und einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur komme noch ein weiterer Faktor, sagt Geschäftsführer Edgar Schmitt: Sauer & Sohn stehe nicht mehr nur auf zwei Beinen, sondern auf vier. Zu den Bereichen Schiffbau (36 Prozent Umsatzanteil) und Marine (16), in denen Sauer & Sohn jeweils Weltmarktführer ist, sind Kompressoren für die Industrie und den Offshore-Markt, also den Einsatz auf Öl- und Gasfeldern auf See, hinzugekommen. Die Kompressoren-Gruppe ist der Kern der Firmengruppe, die insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt und 2013 einen Umsatz von 176 Millionen Euro erzielte.

Wie schon Walter Murmann streut auch Dieter Murmann die unternehmerischen Aktivitäten und damit das Risiko. Über seine Beteiligungsgesellschaft hält er jeweils die Mehrheit an der FEW Gruppe (Zwenkau/Sachsen), die Lötanschlüsse für die Autoindustrie produziert, und der Erichsen Gruppe (Hemer/NRW), einen Produzenten von Prüf- und Messgeräten. 2011 trat sein Sohn Hendrik Murmann als geschäftsführender Gesellschafter in die Firmengruppe ein und sichert so den Fortbestand als Familienunternehmen.

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