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Wirtschaft FSG vor dem Verkauf
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10:00 06.08.2013
Von Frank Behling
Beim Bau großer Ro-Ro-Fähren hat sich die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft seit 2008 an die Weltspitze hochgearbeitet. Derzeit sind auf der Werft 700 Mitarbeiter tätig. Quelle: FB
Flensburg

Die Verhandlungen sind nach Informationen dieser Zeitung schon sehr weit fortgeschritten. Konkrete Angaben werden aber von Verantwortlichen der Werft noch nicht gemacht: „Wir bestätigen und dementieren nichts“, hieß es am Montag in Flensburg. In Schiffbaukreisen wird auch der Einstieg eines asiatischen Unternehmens für möglich gehalten. Ob es sich dabei wieder um einen Investor handelt oder um ein anderes Schiffbauunternehmen, ist offen.

 Die 700 FSG-Mitarbeiter haben trotz der Gerüchte keine Angst um ihre Arbeitsplätze, berichtet Flensburgs IG-Metall-Chef Michael Schmidt: „Ich sehe diese Entwicklung keinesfalls mit Sorge“, sagt Michael Schmidt. Das große Interesse an der Werft sei ein positives Signal dafür, dass der Schiffbau aus Deutschland einen guten Ruf habe und auf dem Weltmarkt bestehen könne.

 Die Flensburger Werft gehört seit fast 15 Jahren zu den ersten Adressen beim Handelsschiffbau in Deutschland. Zusammen mit der Meyer Werft (siehe Bericht unten) und der Lürssen-Gruppe hatte die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft bewiesen, dass es auch in Zeiten der schwersten Schifffahrtskrise möglich ist, profitabel zivilen Schiffbau zu betreiben.

 Die Lübecker Oldendorff-Gruppe hatte die Werft in den 90er-Jahren aus ihrer bislang schwersten Krise geführt. Zunächst ließ die Reederei eigene Containerschiffe in Flensburg bauen. 1998 stieg die Werft erfolgreich in den Markt für Frachtfähren und Passagierfähren ein. Seitdem wurden über 30 RoRo-Fähren für Kunden aus der Türkei, Dänemark, Großbritannien und Kanada gebaut.

 Herzstücke der Werft sind eine sehr innovative und hoch produktive Fertigung in einer wettergeschützten Schiffbauhalle sowie der Bereich Entwicklung. Noch zu Oldendorff-Zeiten wurde die Forschungs- und Entwicklungsakteilung (F+E) stetig aufgestockt. Die Werft entwickelte eigene Schiffstypen und optimierte die Rümpfe für jeden Auftraggeber. „Heute umfasst unsere F+E-Abteilung 140 Mitarbeiter“, so FSG-Sprecher Thomas Ritte auf Anfrage.

 2008 stieg die Oldendorff-Gruppe aus der Werft aus. In einem Management-Buy-Out-Verfahren übernahm auch der damalige Geschäftsführer Peter Sierk Anteile. Hauptanteilseigner ist seitdem die Orlando Management AG aus München. Sie will ihre Anteile jetzt veräußern. „Derartige Investoren sind dafür bekannt, dass sie sich immer nur für einen bestimmten Zeitraum an ein Unternehmen binden. Fünf Jahre sind bei diesem Investment normal“, sagt Gewerkschafter Schmidt.

 Die Werft verfügt derzeit über Aufträge bis Ende des nächsten Jahres. Eine RoRo-Fähre für Kanada, zwei Schwergut-Dockschiffe und zwei Offshore-Spezialschiffe für die Suche nach Öl- und Gasvorkommen sollen bis dahin gebaut werden. Darüber hinaus verhandelt die Werft über weitere Projekte. Impulse erhofft sich die Werft von den 2015 in Kraft tretenden neuen Umweltvorschriften für den Einsatz schwefelarmer Treibstoffe auf Nord- und Ostsee. So sind einige Projekte aus der Fährschifffahrt im Neubau-Markt.

 Mit dem Neubau „Oceanex Connaigra“ stellt die Werft gerade unter Beweis, dass sie eine Frachtfähre für den Einsatz ohne Schweröl als Treibstoff bauen kann. Die Auflagen der kanadischen Regierung für den Einsatz in Neufundland sind mit denen für die Ostsee ab 2015 vergleichbar.

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