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Wirtschaft Finanzvorstand Lutz soll neuer Bahn-Chef werden
Nachrichten Wirtschaft Finanzvorstand Lutz soll neuer Bahn-Chef werden
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21:50 13.03.2017
Richard Lutz, Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Bahn (Archivbild). Quelle: dpa
Berlin

Lutz führt die Bahn bereits kommissarisch, nachdem Grube den Konzern im Januar im Streit um seine Vertragsverlängerung entlassen hatte. Er ist seit 1994 bei der Bahn und seit 2010 Finanzvorstand. Eigentümer der Bahn ist der Bund. Der Aufsichtsrat tagt am 22. März wieder.

Wie „Spiegel Online“ und das „Handelsblatt“ unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend berichteten, soll Lutz von Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla ins Gespräch gebracht worden sein. Darauf hätten sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verständigt, berichtet auch „Focus Online“. Die Bahn wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht kommentieren.

Streit um Grubes Vertrag

Dem Ex-Kanzleramtschef waren selbst Ambitionen auf die Nachfolge von Grube nachgesagt worden. Allerdings habe es gegen den CDU-Politiker Widerstand im Aufsichtsrat gegeben, auch deshalb, weil er erst wenig Erfahrung im Unternehmen gesammelt habe, berichtet „Spiegel Online“. Ein Grund sei außerdem gewesen, dass die Koalition sich keinen „Mauschelei“-Vorwürfen aussetzen wollte, meldet dpa.

Ende Januar hatte es bei der Bahn in einer Aufsichtsratssitzung Differenzen über die geplante Verlängerung des Vertrags von Grube gegeben. Dessen Vertrag lief noch bis Dezember. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hatte es geheißen, Grube sei in der Sitzungsvorlage noch eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden. Der Vorstandschef habe dafür auf eine Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung im Falle eines vorzeitigen Abgangs verzichtet. In der Sitzung habe man ihm dann aber doch nur zwei weitere Jahre als Vorstandschef geben wollen.

Grube hatte dem Kontrollgremium vorgeworfen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben und war zurückgetreten. Der 65-Jährige hatte den Konzern inmitten einer großangelegten Initiative verlassen, die Qualität, Kundenzahl und Ergebnis der Bahn deutlich verbessern sollte.

Grube war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns mit weltweit 300 000 Angestellten und rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Er übernahm die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn.

Der designierte neue Bahn-Chef Richard Lutz

Der designierte neue Bahn-Chef kommt aus den eigenen Reihen. Richard Lutz kennt den Konzern in- und auswendig. Er ist bereits seit 1994 im Unternehmen. Der 52-Jährige, seit 2010 Finanzvorstand, führt den Konzern nach dem Abgang von Rüdiger Grube (65) Ende Januar schon kommissarisch. Lutz soll nach dpa-Informationen bei einer Aufsichtsratssitzung am 22. März zum neuen Vorstandschef des bundeseigenen Unternehmens ernannt werden. Mit seinem Aufstieg leitet die Bahn auch einen Generationswechsel an der Spitze ein.

Lutz wurde am 6. Mai 1964 in Landstuhl in der Pfalz geboren. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Saarbrücken. Von 1989 bis 1994 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Kaiserslautern tätig und promovierte dort 1998.

1994 kam Lutz zur Bahn und übernahm nach verschiedenen Stationen im Jahr 2003 den Bereich Konzerncontrolling, 2010 rückte er dann in den Vorstand auf. Seit August 2015 ist er außerdem zuständig für die internationalen Geschäftsfelder DB Arriva und DB Schenker Logistics sowie die Bereiche Beschaffung und IT.

Lutz galt als Vertrauter des früheren Bahn-Finanzvorstands Diethelm Sack, der viele Jahre ein Tandem mit dem langjährigen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bildete. Der frühere Aufsichtsratschef Werner Müller hatte Lutz bei seiner Ernennung zum Finanzchef als „einen exzellenten Fachmann“ bezeichnet, der das Unternehmen und seine Menschen bestens kenne. Der gebürtige Pfälzer ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von RND/dpa

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