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00:17 31.07.2013
Von Paul Wagner
Sie erhalten einen Mindestlohn: Reinigungskraft Hannelore König (rechts) und Objektleiterin Gülcan Barangil bei der Arbeit in der Bibliothek der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität. Quelle: vr: Volker Rebehn
Kiel

Das Thema Mindestlohn beschäftigt Bundes- und Landespolitiker, Wirtschaft, Gewerkschaften und Angestellte. Vor dem Hintergrund eines bundesweiten Flickenteppichs, der in verschiedenen Branchen und Regionen unterschiedliche Mindestlöhne aufweist, gerät das Gebäudereinigerhandwerk seit Jahren immer wieder in den Fokus der Debatte. Dass dort mittlerweile ein Mindestlohn gilt, scheinen viele nicht zu wissen.

 Mit etwa 180 Mitarbeitern und 75 betreuten Objekten in ganz Schleswig-Holstein zählt die Niederlassung der HCS-Dienstleistung GmbH zu den mittelgroßen Unternehmen der Branche. Nach Angaben von Betriebsleiter Wolfgang Stommel, Gebäudereinigermeister und seit 50 Jahren in seinem Beruf, bekommen auch ungelernte Mitarbeiter in seinem Unternehmen einen Tariflohn in Höhe von mindestens neun Euro pro Stunde. Sie putzen in großen Behörden, Unternehmen und bei Privatleuten. „Unsere Arbeit definiert sich nicht nur über den Preis“, sagt Stommel. Qualität, Vertrauen, eine Zertifizierung und ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis seien für viele Auftraggeber entscheidender als die Kosten. Wenn ein Kunde – meist aus dem Bereich der Privatunternehmen – versuche, den Preis zu drücken, werde nach individuellen Lösungen gesucht. Dann rücken die Reinigungskräfte beispielsweise nur noch dreimal pro Woche an.

 Zwar gebe es auch in seiner Branche schwarze Schafe, die mit den Regeln zum Tariflohn tricksen. Dies seien jedoch Ausnahmen. „Das ist erstens nicht richtig und zweitens Betrug“, kommentiert Stommel. Die Möglichkeit, die Leute „ohne Zettel“ länger arbeiten zu lassen, gäbe es bei HCS nicht. So müssten die Mitarbeiter nach jeder Schicht ihre Stunden aufschreiben. Für Zoll und Gewerbeaufsicht sei dies immer einsehbar. „Wir sind jederzeit voll überprüfbar“, sagt Stommel.

 Dass ein Großteil der Beschäftigten – bei HCS etwa 70 Prozent – nur in Teilzeit arbeitet, liege vor allem an den Arbeitszeiten. Wolfgang Stommel braucht seine Leute abends, wenn in den Büros die Lichter ausgehen oder in den frühen Morgenstunden. Nur wenige Mitarbeiter seien bereit, jeweils morgens und abends für ein paar Stunden zu arbeiten, um auf eine 40-Stunden-Woche zu kommen. „Für unsere Kunden soll es ja so sein, dass die uns gar nicht sehen“, sagt Stommel.

 Der Betriebsleiter findet es richtig, dass sich sein Bundesinnungsverband mit der IG Bau auf einen branchenweiten Mindestlohn geeinigt hat, der deutlich über den bundesweit diskutierten 8,50 Euro pro Stunde liegt. Schließlich müssten seine Mitarbeiter – bei HCS zu 80 Prozent Frauen – grundsätzlich von ihrer Arbeit leben können.

 Frank Hornschu, DGB-Chef der Region Kiel, erklärt die Entwicklung, dass es in immer mehr Branchen einen Mindestlohn gibt, mit den Sorgen der Arbeitgeber. Sie fürchteten, künftig keine Fachkräfte mehr zu bekommen. „Einige Arbeitgeber haben dieses Problem erkannt“, sagt Hornschu. „Andere noch nicht.“ Dass es für Branchen und Regionen immer noch unterschiedliche Mindestlöhne gibt, hält der Gewerkschaftler für überholt. „Dieser Wildwuchs muss aufhören.“ Die Politik der Landesregierung, zumindest in Schleswig-Holstein bessere Vergütungsstandards durchzusetzen, werde von den Gewerkschaften unterstützt. Die Forderung bleibe daher ein bundesweiter Mindestlohn.

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