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Wirtschaft Kieler Zahnarzt unter Verdacht
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10:44 09.03.2019
Von Anne Holbach
Auf der Suche nach einem Zahnarzt, Hotels und Dienstleistern verlassen sich viele Verbraucher auf Rezensionen im Internet. Doch oft sind die positiven Bewertungen gekauft. Quelle: Frank Herrmann (Symbolbild)
Kiel

"Fake-Bewertungen sind wettbewerbswidrig", sagt Erik Wachter, Kieler Fachanwalt für IT-Recht. "Das Veröffentlichen von gekauften Bewertungen stellt grundsätzlich eine unzulässige Irreführung von Verbrauchern dar, wenn nicht über den Umstand des Kaufs informiert wurde", so der Jurist. Solche Bewertungen müssten als Werbung gekennzeichnet werden.

Google-Profil bekommt ausnahmslos Bestnoten

Die Kieler Zahnarztpraxis wurde im vergangenen Jahr bei Google ausnahmslos mit der Bestnote von fünf Sternen bedacht. Hinzu kommt eine auffällige Frequenz der Bewertungen. Einige Monate lang hat niemand oder nur eine Person ein Urteil über die Praxis abgegeben, in anderen Monaten häufen sich die Positivurteile.

Widersprüchliches Verhalten

Schaut man sich an, wer sich hinter den Lobliedern verbirgt, fällt auf, dass einige Rezensenten vor allem Dienstleistungen in Süddeutschland bewertet haben, aber in Kiel den Zahnarzt besucht haben wollen. Auch ihr Verhalten ist widersprüchlich: So beschreibt sich ein Mann selbst als Angstpatient, ging aber offenbar innerhalb von vier Monaten in Freising, Kiel und Bremen zum Zahnarzt und verteilte überall alle fünf Sterne.

Überschneidungen bei den Rezensionen

Beim Vergleich der Nutzerprofile zeigen sich zudem Überschneidungen: Wer mit der Kieler Praxis zufrieden war, der fühlte sich auffällig oft auch bei einem Fensterbauer und einem Wohnungsbauunternehmen in Schleswig-Holstein gut aufgehoben.

Auch ein Berliner Seniorenheim, ein Sportshop in Österreich und ein Dortmunder Autohändler tauchen immer wieder auf. Ein Indiz dafür, dass sie alle Kunden einer Agentur sind, die gegen Geld positive Bewertungen anbietet. Der betroffene Zahnarzt wollte sich nicht dazu äußern.

Zahnärztekammer lehnt Fake-Bewertungen ab

Die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein ist nach eigenen Angaben bislang nicht wegen eines solchen Falles aktiv geworden. Über Agenturen positive Rezensionen einzukaufen, sei "komplett abzulehnen und unseriös", sagt Kammerpräsident Michael Brandt.

Die Berufsordnung der Landeskammer verbietet sogenannte berufswidrige Werbung; darunter fällt "irreführende“Werbung".

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