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Wirtschaft HSH Nordbank will Reeder 800 Mio Dollar erlassen
Nachrichten Wirtschaft HSH Nordbank will Reeder 800 Mio Dollar erlassen
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21:01 10.08.2017
Von Ulf B. Christen
Für ihr heikles Geschäftsfeld gibt es keine Blaupause: Ulrike Helfer und Karl-Hermann Witte sind Vorstandsmitglieder der HSH Portfoliomanagement. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die ländereigene HSH-Bad-Bank hat im Startjahr mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust gemacht. Das geht aus dem erst gestern vorgelegten Geschäftsbericht 2016 der „HSH Portfoliomanagement“ (PM) hervor, die faule Schiffskredite der Nordbank abwickeln soll.

Anders als in Hamburg, wo die Oppositionsparteien CDU und FDP harsche Kritik übten, blieb es in Kiel ruhig. In Schleswig-Holstein sind CDU und FDP als Regierungsparteien mitverantwortlich für die Zukunft der Abwicklungsanstalt.

 Die PM hatte im Sommer 2016 im Rahmen einer Stützungsaktion der Nordbank notleidende Kredite für 253 Schiffe abgekauft. Preis: 2,4 Milliarden Euro. Ende 2016, also nur wenige Monate später, betrug der Fehlbetrag laut Geschäftsbericht 505 Millionen Euro. Hauptgrund ist die hohe Risikovorsorge (470 Millionen Euro), weil die PM-Schiffe kaum Geld einfahren und die Rückzahlung von Krediten stockt. „Das negative Jahresergebnis muss vor dem Hintergrund der andauernden Krise in der Seeschifffahrt bewertet werden“, sagte PM-Vorstandsmitglied Ulrike Helfer. Hinzu kämen „Einmalkosten“ für den Aufbau der Abwicklungsgesellschaft in Kiel.

 Die Oppositionsfraktionen in Hamburg ließen kein gutes Haar an der PM. „Die Verluste übertreffen unsere schlimmsten Befürchtungen“, meinte der FDP-Wirtschaftsexperte Michael Kruse. „Die HSH Portfoliomanagement ist dabei, ein Milliardengrab zu werden.“ Massive Fehler beim Ankauf der Schiffskredite bemängelte auch der CDU-Finanzpolitiker Thilo Kleibauer. „Hamburg und Schleswig-Holstein haben auf Basis fragwürdiger Bewertungen einen überteuerten Kaufpreis gezahlt und damit die Risiken für die Landeshaushalte deutlich erhöht.“ Die Fraktion der Linke legte nach. „Wir werden weitere deutliche Wertberichtigungen hin zu einer realistischen Einwertung erleben – natürlich zu Lasten der Länder“, prophezeite der Haushaltsexperte Norbert Hackbusch.

 Keine Proteste aus Kiel

 Aus Kiel kamen keine Proteste, auch weil die PM bereits im April im Finanzausschuss des Landtags offenbart hatte, dass sie für 2016 mit einem Verlust von 500 bis 560 Millionen Euro rechnet. Selbst FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, bislang der schärfste Kritiker der teuren HSH-Rettungsaktionen, hielt sich für seine Verhältnisse bedeckt. „Die Länder befinden sich mit dem von der HSH Nordbank übernommenen Portfolio, das überwiegend aus notleidenden Krediten besteht, in einem schwierigen Fahrwasser“, sagte Kubicki. „Verluste, auch in dieser Größenordnung, sind angesichts der Ausgangslage keine Überraschung.“

 Die PM nährte derweil die Hoffnung, dass es 2017 besser laufen könnte. „Die Lage hat sich stabilisiert“, sagte Sprecher Fabian Schenzer. Im ersten Quartal konnte die Abwicklungsanstalt fünf Schiffe (drei Tanker, zwei Containerfrachter) verkaufen oder nach Tilgung der Kredite freigeben. Drei Schiffe (zwei Tanker, ein Containerfrachter) wurden im Zuge einer Realteilung aus den Büchern gestrichen. Weitere Schiffe aus der Restflotte (243 Schiffe) befanden sich Ende März im Verkaufsprozess. Schenzer berichtete zudem, dass fast 90 Prozent der Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs sind, also mehr oder minder profitabel fahren. Die entscheidenden Geschäftszahlen für die ersten beiden Quartale liegen aber noch nicht vor.

 Der PM-Sprecher räumte ein, dass der Jahresbericht 2016 eigentlich schon früher fertig sein sollte, die Aufstellung aber mehr Zeit in Anspruch genommen hätte als gedacht. „Es gibt keine Blaupause für Abwicklungsanstalten.“ Das gilt auch für deren Erfolg. Im schlimmsten Fall könnte die Abwicklungsanstalt für die Flotte nur noch den Schrottwert erzielen. Das wären absehbar lediglich einige hundert Millionen Euro.

 Riesen-Schuldenschnitt für Reeder Schoeler

 Die HSH Nordbank plant angesichts der Schifffahrtskrise offenbar einen weiteren großen Schuldenschnitt. Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ will die Nordbank dem Unternehmen des Reeders Heinrich Schoeller rund 800 Millionen Dollar (gut 680 Millionen Euro) Schulden erlassen. Die genauen Konditionen werden demnach noch verhandelt. Das Unternehmen Schoeller Holdings in Limassol auf Zypern hatte zeitweise bis zu 1,5 Milliarden Euro von der HSH Nordbank geliehen. Im vergangenen Jahr hatte die Nordbank bereits dem Hamburger Reeder Bernd Kortüm Schiffsschulden in Höhe von 547 Millionen Euro erlassen. Damit verbunden war die Hoffnung, dass Kortüms Schiffe weiter fahren und so zumindest die Restschulden beglichen werden können.

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