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Wirtschaft Telefonaktion: Auskunft zu Mediation
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20:28 31.07.2013
Von Oliver Hamel
Keine Einigung in Sicht? Mediatoren können helfen, aussichtlos erscheinende Konflikte einvernehmlich zu beenden. Quelle: Getty Images
Kiel

Wie lässt sich ein Kleinkrieg verhindern? Mit dieser Frage beschäftigen sich immer mehr Menschen in Deutschland hauptberuflich. „Mediatoren“ versuchen Brücken zwischen Menschen zu bauen, die eigentlich nichts mehr miteinander zu tun haben wollen, es aber müssen. Ziel ist es meist, quälende Auseinandersetzungen vor Gericht zu verhindern. Die Erfolgsquote soll bei 75 bis 80 Prozent liegen.

Ehepaare vor dem Scherben einer Liebe, zornesrote Nachbarn am Grundstückszaun, gleichberechtigte Firmenbosse im Dauerzwist: Wenn Meinungen über den weiteren Weg einer gemeinsamen Sache auseinandergehen, führt er nicht selten vor ein Gericht. Immer öfter aber setzt sich die Einsicht durch, dass sich Mittelwege finden lassen. Spätestens seit am 26. Juli 2012 das deutsche Mediationsgesetz in Kraft getreten ist, besteht für viele überlastete Gerichte die Hoffnung auf eine neue Streitkultur. Das Gesetz setzt Richtlinien des Europäischen Parlaments um und soll die Mediation und andere Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung fördern.

„Mediation ist Reden über Bande“, sagt Freya Jensen, seit 2005 Mediatorin in Kiel. Zuvor war sie zehn Jahre lang Richterin am Amtsgericht Schwerin, erlebte zehn Jahre lang die harten Gefechte der Anwälte hautnah mit, doch irgendwann reichte es ihr. „Auseinandersetzungen vor Gericht entwickeln oft eine Eigendynamik“, berichtet die Rechtsanwältin. „Oft wird es dann unglaublich verletzend, oft macht es so viel kaputt.“

Die zerstörerische Kraft vieler Konflikte ergibt sich schon daraus, dass oft überbordende Gefühle sachliches und zielgerichtetes Handeln zunichtemachen, besonders in Scheidungsfällen. „Viele Partner haben im Streit verlernt, miteinander zu reden“, berichtet Freya Jensen. Übrig bleiben oft nur noch „Du-Botschaften“, vorhersehbare Vorwurfsketten, die zu keinem Ergebnis mehr führen können. Das Gegenüber weiß die Knöpfe zu drücken, um den Anderen schwer zu treffen.

Ein Mediator als wertfreier, unparteiischer Dritter begibt sich auf freien Wunsch beider zerstrittenen Parteien also unweigerlich in ein kompliziertes Beziehungs- und Gefühlsgeflecht, in dem sich mitunter „erschütternde Szenen“ abspielen, so Freya Jensen. „Da spielen oft auch tiefe Traurigkeit und tiefe Verletzungen mit hinein“, berichtet sie. „Zum Teil brechen da ja ganze Lebensentwürfe in sich zusammen – und manchmal heule ich auch mit.“

Rechtsanwälte dürfen sich inzwischen zusätzlich nur Mediatoren nennen, wenn sie eine geeignete Ausbildung nachweisen können. Sie unterliegen zudem der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht. Der Mediator ist oft als Psychologe und Motivator gefragt, etwa wenn ein gewachsenes hierarchisches Gefälle zwischen den Konfliktparteien vorliegt, das es einzuebnen gilt, damit sich eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen lässt.

Auch nach der neuen Gesetzgebung gibt es weiterhin einvernehmliche Konfliktlösungen im Gericht, nur dass sich die Mittler nun nicht mehr richterliche Mediatoren, sondern Güterichter nennen. Ab heute, 1. August, müssen alle Gerichte einen solchen Güterichter eingerichtet haben. Ein erheblicher Unterschied zwischen den Strukturen ist, dass ein Güterichter den Parteien nach einer Anhörung einen Einigungsvorschlag macht, während der Mediator den Dialog der Parteien bis zu einer Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag begleitet und lenkt.

Die Telefonaktion findet am Donnerstag zwischen 16 und 18 Uhr statt. Telefonnummer: 0431/903-2999

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