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Wirtschaft Bleibt Deutschland Schifffahrtsnation?
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08:00 26.07.2018
Von Anne Holbach
Ein Symbol für den Ausverkauf der deutschen Handelsflotte: Bis April fuhr die "Sandy Rickmers" für die Hamburger Reederei Rickmers. Das 2002 in Korea bei Hanjin Heavy Industries gebaute und von der HSH Nordbank mitfinanzierte Containerschiff ging mit laufender Charter zu einem vertraulichen Preis an Conbulk Shipmanagement Corporation in Piräus (Griechenland) und heißt jetzt "Harrison". Quelle: Frank Behling
Kiel

Laut Zahlen des britischen Branchendienstes Vessels Value verkauften 2017 deutsche Eigner Schiffe im Wert von rund drei Milliarden Euro. Der „Tägliche Hafenbericht“ spricht von 300 Einheiten, so viele wie nie zuvor innerhalb eines Jahres. Ein deutlicher Ausreißer zeigt sich in der Statistik im September, als im Zuge der Rickmers-Krise zahlreiche Schiffe an die Zeaborn-Gruppe übergingen. Auch die HSH Nordbank machte im vergangenen Jahr viele ihrer Frachter zu Geld.

Analyst: Der Verkaufstrend ist historisch hoch

„Als einzige der großen Schifffahrtsnationen hat Deutschland seit 2012 fast ein Drittel seiner Handelsflotte – mehr als 1300 Schiffe – an ausländische Investoren verloren, häufig, weil die bisherigen Eigner die Kredite nicht mehr ausreichend bedienen konnten“, sagt Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Dabei sei nicht alleine Kapital vernichtet worden, es gehe auch um Ausbildungsplätze und Jobs an Bord, in den Reedereien und der maritimen Wirtschaft insgesamt.

„Der Trend zum Verkauf ist historisch hoch“, sagt Court Smith, Analyst bei Vessels Value. Allein die Zahl von direkten Verkäufen durch deutsche Banken und Auktionshäuser lag 2017 demnach bei 36 Transaktionen. Das waren mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr und so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Laut einem Bericht der Zeitung „Welt“ kam es in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr zu 22 weiteren Abschlüssen. Der Höhepunkt der Verkäufe durch Banken sei aber nun überschritten, glaubt Smith.

Ohne Finanzierer gerät der Markt ins Wanken

Das Timing sei gut gewesen, um gebrauchte Schiffe abzustoßen. „Die Anlagewerte beginnen, sich langsam wieder zu erholen, und die Asset-Preise steigen.“ Die große Anzahl der Verkäufe sei nicht maßgeblich notleidenden Banken oder Reedereien geschuldet, sondern deute vielmehr auf einen strukturellen Wandel hin. Deutsche Investoren verlieren das Interesse an der Branche. Zuletzt hatten sich immer mehr Finanzierer aus dem Geschäft zurückgezogen.

Für die Reedereien ist das ein großes Problem. „Wir brauchen auch in Zukunft Schiffsfinanzierung aus Deutschland“, sagt VDR-Mann Ralf Nagel. „Schifffahrt ist immer dort erfolgreich, wo Unternehmen Zugang zu Kapital haben. Bricht diese Säule weg, gerät der gesamte maritime Standort Deutschland bedrohlich ins Wanken.“

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