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Interview: "Lieber wäre ich für meine Forschung berühmt"

Internet Interview: "Lieber wäre ich für meine Forschung berühmt"

Schon vor rund 30 Jahren - als nur sehr wenige weltweit Internet hatten - verschickte der US-Professor Scott E. Fahlman gerne mal einen Witz oder einen sarkastischen Kommentar per E-Mail.

New York. Das Problem: Häufig wurde er nicht verstanden.

Gemeinsam mit seinen Kollegen suchte der heute 64-Jährige nach einer Lösung - und erfand schließlich den seitwärtsliegenden Smiley :-), der inzwischen aus dem Netz nicht mehr wegzudenken ist. Der archivierte Original-Beleg von damals dokumentiere seine Erfindung, sagte der Professor für künstliche Intelligenz an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Er selbst benutze den Smiley allerdings eher spärlich.

Beschreiben Sie doch bitte einmal die Situation, als Sie den Smiley erfanden.

Fahlman: "Das war 1982 und es gab in den USA nur ein sehr primitives Internet, in dem mehrere Universitäten und Forschungseinrichtungen verbunden waren. Wir Wissenschaftler konnten miteinander kommunizieren und diskutieren. Aber wenn einer mal einen Scherz oder einen sarkastischen Kommentar machte, wurde er häufig falsch verstanden und manchmal kam es sogar zu einem ernsten Streit deswegen. Deswegen haben wir nach einem Zeichen für einen Scherz gesucht. Ein Kollege schlug das Sternchen vor, aber das ist ja kein besonders komisches Zeichen. Eines Tages sprang mir die Kombination :-) geradezu ins Gesicht und ich teilte sie in einer E-Mail meinen Kollegen mit. Das hat zehn Minuten gedauert und ich dachte, es amüsiert vielleicht meine Kollegen, aber mehr nicht."

Wie ging es dann weiter?

Fahlman: "Die Kollegen liebten das Smiley und erfanden immer weitere Zeichen - zum Beispiel eine Flamme oder ein Smiley mit Brille. Aber dann verbreitete sich das Internet immer weiter und mit ihm mein Smiley. Inzwischen werde ich als Erfinder manchmal sogar erkannt, wenn die Leute meinen Namen hören, und sie bitten mich dann häufig um ein Autogramm. Es ist wirklich komisch, für so etwas berühmt zu sein - lieber wäre ich für meine Forschung berühmt. Aber es macht auch Spaß."

Viele Programme wandeln die Zeichenkombination direkt in ein gelbes rundes lächelndes Gesicht um. Was halten Sie davon?

Fahlman: "Nichts. Ich finde das hässlich und es nimmt auch die ganze Herausforderung, eigene Smileys zu entwickeln."

Manche Menschen benutzen ja sehr viele Smileys. Wie halten Sie das?

Fahlman: "Damit zeigen diese Menschen eigentlich nur, dass sie neu bei der Sache sind. Sie übertreiben und benutzen zu viele. Hoffentlich passiert das nie in einem internationalen Vertrag oder so. Ich finde es grundsätzlich besser, die Smileys spärlich zu benutzen - vielleicht einen oder zwei per Mail. Aber bei mir wird natürlich mindestens einer erwartet, sonst sind die Menschen enttäuscht."

dpa

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