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Wirtschaft 80-Millionen-Coup bei Erdbeerkuchen
Nachrichten Wirtschaft 80-Millionen-Coup bei Erdbeerkuchen
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00:16 13.03.2014
Von Niko Rönnfeldt
Jan Henric Buettner investierte in Weissenhaus. Quelle: Kaniecki
Wangels

Vier Milliarden. Die Summe kommt ihm relativ locker über die Lippen. Rund vier Milliarden Dollar wären die Anteile heute wert gewesen. Drei Jahre ist es her, dass Jan Henric Buettner mit BV Capital, heute e.ventures, an einem Start-up mit dem Namen Whatsapp dran war. Für 20 Prozent waren 20 Millionen Dollar aufgerufen. Kürzlich legte Facebook für Whatsapp 19 Milliarden Dollar auf den Tisch. Buettner lehnt sich auf der Ledercouch in seinem Café mit Blick auf die Hohwachter Bucht, dem Bootshaus, zurück: „Das gehört eben zu den guten Deals, die man nicht macht.“

Buettner wirkt müde und entspannt zugleich. Enge Jeans, Glitzer-Shirt, Lederjacke – dem 49-jährigen Schlaks nähme man jede Jetset-Rolle ab. Auf der Kaffeetasse vor ihm prangt die Marke Elbgold. Ein Stückchen Hamburger Heimat, seine Geburtsstadt und immer noch sein Lebensmittelpunkt. Seine Schuljahre verbrachte er im Plöner Schloss-Internat. Nach einer Ausbildung zum Verlagskaufmann und Betriebswirt landete Buettner bei Springer. Er kümmerte sich um ein Projekt, dem er mehr Bedeutung zumaß als der Vorstand: Die D2-Mobilfunklizenz war ausgeschrieben. Buettner wusste um die Möglichkeiten. Während seiner Lehre hatte er zwei Monate in London bei einer kleinen Firma verbracht, die heute als Vodafone auf dem Weltmarkt unterwegs ist. Die Lizenz ging an Mannesmann. Buettner wechselte in die Assistenz des Vorstandes. Während einer Sitzung in Berlin wurde ihm klar: „Die haben gar nichts drauf.“ Wenige Minuten hätten die Springer-Bosse über das Geschäft gesprochen – eine halbe Stunde darüber, wer welchen Dienstwagen bekommt.

Buettner machte sich selbstständig. Aus dem von ihm aufgezogenen Multimedia-Dienst Videotel entwickelte sich 1994 die Idee für AOL-Europe. Das Internet trat seinen Erfolgszug an. 1997 ging Buettner in die USA, wo er als Partner den Risikokapitalfonds BV Capital aufzog. Noch heute ist er oft dort. Er besucht seine Kinder und besorgt Kapital für junge Unternehmen. Zu seinen guten Deals zählt Buettner Firmen wie Sonos oder Groupon.

Im Jahr 2000 verkaufte Bertelsmann seine Anteile an AOL-Europe. Erlös: 6,5 Milliarden Dollar. „Uns war zuvor ein undefinierter Minderheitsanteil zugesagt worden“, schaut Buettner nüchtern zurück. Er und sein Geschäftspartner Andreas von Blottnitz forderten den ein. Es folgte eine jahrelange Prozess-Schlacht in den USA. „Wir haben das ja nicht alles gemacht, um uns verarschen zu lassen.“ Sie gewannen in allen Instanzen und einigten sich mit Bertelsmann schließlich außergerichtlich auf eine Zahlung von 160 Millionen Euro. Buettner war Multimillionär.

„Und dann steht man eines Morgens auf und fragt sich: Was mache ich jetzt eigentlich?“ Sinnkrise? Buettner handelte aus dem Bauch heraus. Beim Erdbeerkuchenessen in Weissenhaus, dort, wo er als Kind ganz in der Nähe viel Zeit im Wochenendhaus seiner Eltern verbrachte, sagte ihm ein Freund: „Guck dir das mal genauer an.“ Das ganze 75-Hektar-Gut stand zum Verkauf. Buettner griff zu. „Erst dann habe ich überlegt, was ich überhaupt damit mache.“ Einige Jahre und investierte 80 Millionen Euro später steht im Juli das „Grand Opening“ an. 50 Zimmer und Suiten samt Spa hat das „Grand Village Resort Weissenhaus“ an der Ostsee zu bieten. „Und wir haben erst 25 Prozent der Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Buettners klares Ziel: Weissenhaus soll auf die Einmal-im-Leben-muss-ich-dorthin-Liste, die weltweite Top 50. Buettner: „Ich wüsste nicht, welche 50 besser sein sollen.“

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