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Wirtschaft Kongress der Softwareentwickler
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08:39 27.02.2014
Von Ulrich Metschies
„Der Erfahrungsaustausch steht im Mittelpunkt,“ sagt Prof. Wilhelm Hasselbring, Dekan der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Quelle: Janssen
Kiel

Wo sind nur die IT-Nerds? Wo sind die blassen Computerfreaks, die über Witze lachen, über die nur Informatiker lachen können? Wer mit der Vorstellung das Audimax der Universität Kiel betritt, Vorteile bestätigt zu bekommen, der wird enttäuscht. Niemand hier scheint unter Sonnenlichtmangel zu leiden oder eine Vorliebe für Pullunder oder übergroße Spaß-T-Shirts zu pflegen. Manch einem, der sich in der Mittagspause im Foyer mit Suppe und Brötchen stärkt, mag man eine gewisse Technik-Affinität ansehen. Und die Vortrags-Themen oder die Titel auf dem Büchertisch verraten, dass es hier um Infos geht, die nicht unbedingt aufrütteln: „Früherkennung fachlicher und technischer Projektrisiken mit dem Interaction Room“, „Model Driven Software Engineering und Industrialisierung“, oder: „Scrum in der Praxis“. Doch alles in Allem sind das ganz normale Leute hier, die Stimmung ist locker, es herrscht Community-Atmosphäre.

Entspannt ist auch das Klima in Hörsaal F, man könnte auch sagen: intim. Vor fünf Zuhörern berichtet Guido Gryczan (52) über neue Entwicklungen bei „WAM“ – dem „Werkzeug- und Material-Ansatz für die Entwicklung interaktiver Software-Systeme.“ Vereinfacht gesagt, geht es bei „WAM“ darum, den fachlichen Kern einer Software so zu entwickeln, dass Veränderungen in der technischen oder rechtlichen Umgebung nicht gleich zu aufwendigen Nachbesserungen des gesamten Systems führen. Gryczan, Geschäftsführer der Hamburger Software-Schmiede Workplace Solutions, ist ein Freund plastischer Vergleiche. Um ein Beispiel für „Material“ zu geben, tippt der Informatiker an das Glas Wasser auf seinem Pult. Dieses Glas hat viele Eigenschaften, doch nur für ganz spezielle interessiert sich das „Werkzeug“, in diesem Fall die Mineralwasserflasche. Signalisiert das Glas „leer“, dann füllt die Flasche nach. Gryczan spricht auch von der „objektorientierten Programmierung“ die die Welt der Informatik grundlegend verändert hat.

Und wo ist der praktische Nutzen solcher Ansätze? „Wir sind damit in der Lage, schneller auf Veränderungen der Technik oder komplexer werdende Kundenanforderungen zu reagieren“, sagt der Informatiker. So erwarten etwa Banken von einer Software Unterstützung bei der Entscheidung über eine Kreditvergabe, doch sei es mit einer vollautomatischen Lösung nicht getan: „Die Software muss Raum lassen für individuelle Entscheidungen.“

Zu den Organisatoren der Tagung gehören neben der Uni Kiel der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), die Gesellschaft für Informatik, die IHK Kiel und der Kompetenzverbund Software Systems Engineering (KoSSE). „Diese Veranstaltung sorgt auch dafür, dass der Standort Kiel auf der Landkarte des Software-Engineering besser sichtbar wird“, sagt Professor Wilhelm Hasselbring, Dekan der Technischen Fakultät der CAU. Dass die Kiel-Region bundesweit zu den „Hot-Spots“ der Software-Entwicklung gehöre, sei viel zu wenig bekannt. Aktuell liegt der Anteil der IT-Arbeitsplätze an der Beschäftigung mit etwa zwei Prozent bereits deutlich über dem Bundesschnitt – Tendenz steigend. Die Perspektiven also klingen rosig – wäre da nicht das Fachkräfteproblem. Hasselbring: „Auch hier suchen wir neue Lösungsansätze.“

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