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Wirtschaft Snower drängt auf Reform von Hartz IV
Nachrichten Wirtschaft Snower drängt auf Reform von Hartz IV
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10:00 17.12.2018
Von Ulrich Metschies
Kritik an Hartz IV: Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Weder der Verzicht auf Sanktionen – wie von Juso-Chef Kevin Kühnert gefordert – noch die vom Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck ins Spiel gebrachte „Garantiesicherung“ könnten die Mängel von Hartz IV überwinden, sagte der Ökonom im Interview mit den Kieler Nachrichten.

Ein Problem sei, dass es für Niedrigverdiener wenig Anreize gebe, eine Arbeit anzunehmen: Der Staat nehme einem „sehr viel weg, wenn man aus der Grundsicherung in eine niedrige bezahlte Beschäftigung wechselt“. Weiter oben in der Lohnskala sehe es anders aus. Snower: „An dieser Stelle gehört das System reformiert: Es muss mehr Netto vom Brutto bleiben, wenn man eine niedrig bezahlte Arbeit annimmt.“

"Das Prinzip Fördern und Fordern ist sinnvoll"

Der IfW-Präsident warnt davor, auf Sanktionen zu verzichten: „Das würde die Gefahr bergen, dass ein auf gegenseitiger Verantwortung aufgebautes System zerfällt.“ Das Prinzip „Fördern und Fordern“ sei sinnvoll. Lösen müsse sich die Politik jedoch von alten Mustern im Kampf gegen Armut und Arbeitsteiligkeit: „Wir sollen nicht Geld umverteilen, sondern sollten uns darauf konzentrieren, Anreize zu verteilen.“ Konkret könne das bedeuten, „Beschäftigungsgutscheine“ an Jobsuchende auszugeben, mit denen ein Arbeitgeber seine Lohnkosten senken könne. Dieser Ansatz habe sich bereits bewährt. So hätten in der Hamburger Kombilohn-Initiative 71 Prozent der Menschen, die einen Gutschein erhalten hatten, danach ihre Stelle behalten.

Eine Erhöhung des Regelsatzes ist nach Einschätzung Snowers kein Weg, um das System gerechter zu gestalten. Bundesweit leben rund sechs Millionen Menschen von Hartz IV, in Schleswig-Holstein sind es knapp 227000.

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