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Wirtschaft Klixbüll, Ort für unbemannte Lufttaxis?
Nachrichten Wirtschaft Klixbüll, Ort für unbemannte Lufttaxis?
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13:43 17.03.2019
Klixbüll ist ein Vorzeigedorf in Sachen Energie. Flugtaxis sollen das Dorf mit Sylt verbinden. Unbemannte Flüge sind in der Zukunft nicht ganz ausgeschlossen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Klixbüll

Auf den ersten Blick ist Klixbüll ein Dorf wie viele andere in Schleswig-Holstein. Es gibt eine Feuerwehr, Bäcker, ein Schwimmbad, einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Kirche. Im Hintergrund sind Windkraftanlagen und Biogasanlagen zu sehen. Die B199 führt mitten durch das Dorf. Viele Reisende nach Sylt werden es von der Durchreise auf dem Weg zum Autozug kennen.

Doch Klixbüll hat sich auf den Weg gemacht in Richtung Zukunft. Vieles was das Dorf mit seinen rund 1000 Einwohner macht, wird von Experten als vorbildlich gelobt. Und viele der Dinge, die Klixbüll angestoßen hat, haben mit dem zu tun, was der ehrenamtliche Bürgermeister des Ortes, Werner Schweizer, gerne als eine Art „Bodenschatz Schleswig-Holsteins“ bezeichnet: den Wind.

Klixbüll ist ein Vorzeigedorf in Sachen Energiewende und profitiert zu 100 Prozent von der vor Ort erzeugten Windenergie“, sagt Marcus Hrach vom Bundesverband Windenergie (BWE) Schleswig-Holstein. „In einer eigentlich strukturschwachen Region ermöglichen die Erneuerbaren die Umsetzung neuer Ideen und Projekte.“ So können an neun öffentlichen Ladestationen in Klixbüll auch Dorffremde ihre E-Mobile kostenlos aufladen. Das lockt auch Urlauber an, wie Schweizer erzählt. Davon profitierten wiederum Vermieter von Ferienwohnungen.

Leck als Versuchsort für unbemannte Lufttaxis

Für die (nahe) Zukunft hat Klixbüll weitere Pläne. So will es mit zwei Nachbargemeinden auf dem ehemaligen Militärflugplatz Leck wieder Flugzeuge starten zu lassen. Vom kommenden Jahr an soll es zunächst Taxiflüge nach Sylt geben, später vielleicht einen Bedarfslinienbetrieb. „Wir befinden uns im Genehmigungsprozess“, sagt Schweizer.

Langfristig sollen von dem Flugplatz nach dem Willen der Klixbüller E-Flugzeuge starten und landen - angetrieben mit Strom aus der Region. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) habe Klixbüll aufgefordert, sich am Förderprogramm für elektrische unbemannte Lufttaxis zu beteiligen. „Da sind wir gerade dran“, sagt Schweizer. Einen Bedarf sieht er: Aufgrund der Lage nahe an den Inseln und Halligen sowie den Offshore-Windkraftparks sei ein schneller, sauberer Shuttlebetrieb für viele interessant.

Wie sich Klixbüll in Sachen Energie entwickelt hat

1993 wurde in Klixbüll der erste Bürgerwindpark gebaut. Mittlerweile werden in zwei Windparks in Bürger- und Gemeindehand gut 40 Megawatt Strom produziert. Um den Strom auch im Ort zu nutzen, wurden 2016 beispielsweise zwei „Dörpsmobile“ angeschafft, dorfeigene E-Autos, die sich die Bewohner ausleihen können.

Diese Modell macht mittlerweile landesweit Schule. Es sei eine Erfolgsgeschichte, sagte Staatssekretärin Kristina Herbst im vergangenen Jahr, als ein Leitfaden zum Betreiben von „Dörpsmobilen“ auf Basis der Klixbüller Erfahrungen vorgestellt wurde.

Klixbüll beheizt öffentliche Einrichtungen mit Biogasanlagen

Freibad, Schule, Kindergarten werden mit Wärme von örtlichen Biogasanlagen geheizt. Vor einigen Wochen wurde Klixbüll mit zwei weiteren nordfriesischen Gemeinden von der Initiative Gemeinwohlökonomie (GWÖ) zertifiziert. Die Bewegung will das Wohl von Mensch und Umwelt als oberstes Ziel des Wirtschaftens manifestieren.

Ein Ziel, das auch den ehemaligen Luftwaffen- und Airbus-Piloten, Schweizer, umtreibt. Im Gespräch mit ihm fällt oft die Abkürzung SDG. Sie steht für Sustainable Development Goals und meint die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen in ihrer Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beschlossen haben.

Er sei ein großer SDG-Fan, sagt Schweizer. Und die Initiative Gemeinwohlökonomie biete einen guten Werkzeugkasten für die Umsetzung - und bei der Analyse der Stärken und Schwächen.

Klixbüll, Nordfriesland und eigentlich ganz Schleswig-Holstein hätten ihre wirtschaftlichen Stärken im Tourismus, den erneuerbaren Energien und der Landwirtschaft, sagt Schweizer. Diese Wirtschaftssäulen müssten aber nachhaltig betrieben werden und dürften sich nicht gegenseitig gefährden. „Wir müssen da die Balance finden.“

Klixbüll richtet sich nachhaltig aus

Mit seinem Engagement überzeugt Klixbüll über Nordfriesland und Schleswig-Holstein hinaus. So ist schon das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf die kleine Kommune in Schleswig-Holstein aufmerksam geworden.

„Unter Führung von Werner Schweizer zeigt Klixbül, dass es für eine Kommune keine Frage der Einwohnerzahl ist, sich entwicklungspolitisch zu engagieren und Verwaltungshandeln und Stadtpolitik am Prinzip globaler Nachhaltigkeit auszurichten“, sagt eine BMZ-Sprecherin.

Das Ministerium ernannte Schweizer zum ehrenamtlichen Botschafter für kommunale Entwicklungspolitik. Er und ein paar andere Kommunalpolitiker aus ganz Deutschland sollen nach Angaben der Sprecherin „in ihren Netzwerken und auf Veranstaltungen - insbesondere der Servicestelle für Kommunen von Engagement Global - für die Themen kommunale Entwicklungspolitik und globale Nachhaltigkeit“ werben und weitere kommunale Akteure gewinnen.

Auch Schweizer ist viel in Sachen kommunaler Entwicklungspolitik unterwegs. Denn die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie erforderten ein verstärktes Engagement gerade auch der Kommunen, sagt die BMZ-Sprecherin. „Hierfür steht Klixbüll beispielgebend.“

 

Von Britta von Gyldenfeldt

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