Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft fürchtet neuen Ukraine-Schock
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Wirtschaft fürchtet neuen Ukraine-Schock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 26.11.2018
Ukrainischer Hafen Mariupol. Getreide, Stahl, Kohle, Autos und Maschinen – fast alles wird über das Asowsche Meer verschifft. Quelle: dpa
Berlin

Politische oder gar militärische Spannungen sind für die deutsche Wirtschaft eigentlich nie ein Grund zur Freude. Im Fall der Ukraine ist auch noch der Zeitpunkt der Eskalation denkbar ungünstig. Ausgerechnet am Donnerstag dieser Woche findet in Berlin eine hochkarätig besetzte Investorenkonferenz statt, das deutsch-ukrainische Wirtschaftsforum. Der ukrainische Premierminister Wladimir Groisman wird im Haus der deutschen Wirtschaft erwartet, genauso Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Bei der Konferenz sollte es eigentlich darum gehen, Chancen für neue wirtschaftliche Kooperationen auszuloten. Dieser Aspekt droht nun von dem offenen Konflikt mit Russland in der Meerenge von Kertsch überlagert zu werden.

„Die Entwicklung im Asowschen Meer ist äußerst besorgniserregend. Aus den Funken, die dort gegenwärtig durch die Luft fliegen, kann angesichts des fragilen Status quo in der Ostukraine schnell ein neuer Flächenbrand entstehen“, warnt die Geschäftsführerin von Ost-Ausschuss und Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV), Ute Kochlowski-Kadjaia. Die beiden Häfen Berdjansk und Mariupol am Asowschen Meer seien für den ukrainischen Handel lebenswichtig, erklärt die Expertin. Russland müsse den freien Zugang garantieren. „Wir hoffe, dass die Bundesregierung und Frankreich als Mitglieder im Normandie-Format die Beteiligten schnell an den Verhandlungstisch holen“, so Kochlowski-Kadjaia weiter.

Getreide, Stahl, Kohle, Autos, Maschinen – fast alles wird über das Asowsche Meer verschifft

Die Ukraine ist kein ganz unbedeutender Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft. Im Osteuropageschäft ist sie nach Russland der zweitwichtigste Handelspartner außerhalb der EU. Rund 2000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind in der Ukraine aktiv, seit Ende 2016 gibt es auch eine Deutsch-Ukrainischen Handelskammer mit Sitz in Kiew.

Nach dem starken Handelseinbruch in Folge des russisch-ukrainischen Konfliktes haben sich die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland zuletzt spürbar erholt. Vor allem der umfangreiche Reformprozess nach dem Regierungswechsel in Kiew und die Umsetzung des Assoziierungsabkommens mit der EU wirkten sich positiv aus.

Im Jahr 2017 stieg der Warenaustausch zwischen Deutschland und der Ukraine um 22 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro an. Der positive Trend hat auch in den ersten neun Monaten dieses Jahres angehalten. Um sieben Prozent wuchs der Warenaustausch zwischen Januar und September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verantwortlich für die Steigerung waren vor allem die um 17 Prozent gewachsenen Einfuhren aus der Ukraine. Die deutschen Exporte hingegen sind mit 3 Prozent nur leicht gewachsen, steuern aber immer noch den weit größeren Anteil zum gemeinsamen Handelsvolumen bei.

Eine fortdauernde Eskalation im Asowschen Meer könnte die positive Entwicklung wieder abwürgen. „Getreide, Stahl, Kohle, Autos und Maschinen – all dies wird über das Asowsche und Schwarze Meer verschifft, von Ost nach West und umgekehrt“, sagt Expertin Kochlowski-Kadjaia. „Für die weitere Erholung der Ukraine ist die Lösung dieses Problems ganz wesentlich und daher auch im Interesse aller ukrainischen und ausländischen Unternehmen.“

Von Andreas Niesmann/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

General Motors plant einen radikalen Umbau in Kanada und den USA: Fast 15.000 Arbeitsplätze sollen wegfallen, fünf Standorte geschlossen werden.

26.11.2018

Die Deutsche Umwelthilfe kämpft vehement für Diesel-Fahrverbote und ist damit heftig in die Kritik geraten. Nun verliert sie auch einen wichtigen und spendablen Partner.

26.11.2018

Nun auch das Ja aus Brüssel: Die EU-Kommission hat wie erwartet den Verkauf der HSH Nordbank an amerikanische Finanzinvestoren gebilligt. Nun sind Schleswig-Holstein und Hamburg ihre teure Bank in Kürze los - die Milliardenlasten aber noch längst nicht.

26.11.2018