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09:00 11.07.2018
Von Anne Holbach
Staatssekretär Thilo Rohlfs besuchte die Flüchtlinge, die mit ihren Bauingenieurs-Abschlüssen aus der Heimat gerne in Schleswig-Holstein arbeiten würden. Quelle: Frank Peter
Kiel

Seit Mai werden die Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Irak, Afghanistan, Ägypten und Tunesien in einer Brückenmaßnahme fit gemacht, um wieder in ihren Beruf einzusteigen.

„Viele haben ihre Abschlüsse zwar anerkennen lassen, ihnen fehlen aber rechtliches und anderes Fachwissen, um hier tatsächlich arbeiten zu können“, sagt Farzaneh Vagdy-Voß vom Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“. Einer von ihnen ist Mahmoud Abdo. Der 35-Jährige ist seit drei Jahren in Schleswig-Holstein und war in seiner Heimat Syrien im Straßenbau tätig. „Ich möchte gerne wieder als Bauingenieur arbeiten und versuche deswegen intensiv, Deutsch zu lernen. Hier lernen wir viel Fachvokabular.“

Kursteilnehmer lernen deutsches Baurecht

Im ersten Block wurde am Deutschniveau und der Fachsprache gearbeitet. Nun soll es um Vertrags- und Vergaberecht oder die Landesbauordnung gehen. Das lehren Professoren von der Fachhochschule Lübeck. Auch DIN-Normen und EDV stehen bis Dezember auf dem Lehrplan. Und: „Es geht auch um Kommunikation und Projektmanagement“, so Projektleiter Benjamin Kindler. Die Maßnahme wird vom Bund und mit EU-Mitteln finanziert.

Flüchtlinge träumen davon, ihr Studium fortzusetzen

Amina Alalo ist eine der sechs Frauen im Programm. Die 26-Jährige hat in Syrien Wasserbauingenieurswesen studiert. „Wenn ich die Chance bekomme, würde ich hier gerne einen Master machen“, sagt sie. Mohammed Altameemi aus dem Irak möchte promovieren und schnell eine Stelle antreten. „Deutschland hat mir die Hand gereicht, dafür möchte ich etwas zurückgeben“, sagt der 30-Jährige.

Staatssekretär: "Fachkräfte händeringend gesucht"

„Derzeit wird viel über die Frage diskutiert, wie viele Menschen noch zu uns kommen dürfen“, so Staatssekretär Thilo Rohlfs. In Schleswig-Holstein wolle man lieber über die Chancen reden, die die Zuwanderer bedeuteten. „Hier sitzen lauter Leute, die Vorerfahrungen mitbringen in Bereichen, in denen wir händeringend Fachkräfte suchen.“Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) lässt die Kursteilnehmer im Herbst eine Woche bei sich hineinschnuppern. „Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von Ihnen später beim Land arbeiten“, sagt Rohlfs.

Der Weg ins Praktikum ist nicht leicht

Dass das für die hochqualifizierten Flüchtlinge nicht so einfach ist, machen Wortmeldungen aus der Klasse klar. Ein Iraner schildert, dass das LBV ihn gerade als Praktikant abgelehnt habe. Begründung: Zu wenig Erfahrung. „Wenn ich die hätte, bräuchte ich ja kein Praktikum mehr“, sagt er enttäuscht. Viele hier sind seit zwei, drei Jahren in Deutschland und konnten noch keine Praktika machen. Andere liefen eine oder zwei Wochen in einem Betrieb mit – zu wenig, um genug mitzunehmen, sind sich die Kursteilnehmer einig.

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