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Wirtschaft Lkw-Fahrer gesucht: Jobs für Flüchtlinge
Nachrichten Wirtschaft Lkw-Fahrer gesucht: Jobs für Flüchtlinge
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07:01 21.05.2018
Von Bastian Modrow
Daniel Christ ist Geschäftsführer der Peter Boyens Spedition in Weddelbrook. Er sagt: „Wir würden sofort sechs neue Auszubildende einstellen.“ Quelle: Sönke Ehlers
Kiel

Der Geschäftsführer des Speditionsverbandes, Thomas Rackow, spricht von einer alarmierenden Entwicklung: „Das Durchschnittsalter unserer Fahrer ist 50. Setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort, ist in zehn Jahren nur noch jede zweite der zurzeit 5000 Stellen besetzt.“

Die Folgen wären katastrophal: Jedes zweite Unternehmen müsste laut UVL dichtmachen. Rackow: „Ob Abfallentsorgung, Lebensmittelbelieferung, Tank- oder Krankentransporte – die gesamte Ver- und Entsorgung im Land ist in Gefahr.“

25 Speditionen beteiligen sich an Pilotprojekt

Der Erfolg diverser Ausbildungsaktionen war in der Vergangenheit mäßig. Große Hoffnung setzt der Logistikverband nun auf ein Pilotprojekt mit dem Integrations-Team des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Kiel. Unter dem Motto „Die Fahrt in deine neue Zukunft“ sollen Flüchtlinge als Auszubildende zum Berufskraftfahrer angeworben werden. 25 Speditionen sind beim Pilotprojekt dabei. Bis zu 100 Ausbildungsplätze sollen vergeben werden.

Die Resonanz der Flüchtlinge auf einen ersten Aufruf ist groß: „Binnen weniger Tage haben sich 90 Interessenten aus ganz Schleswig-Holstein und sogar aus Hamburg gemeldet, 50 weitere Flüchtlinge haben sich auf eine Warteliste setzen lassen“, sagt Ilka Hübner, Chefin des Kieler DRK-Integrationsteams, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Björn Prühs und UVL-Chef Rackow das Modell konzipiert hat.

Für Flüchtlinge ist eine Ausbildung etwas Neues

In einem ersten Schritt wird über die Ausbildung zum Berufskraftfahrer informiert. „Für viele Geflüchtete ist eine Lehre etwas Neues, das sie nicht kennen. In ihren Heimatländern nimmt man für gewöhnlich einen Job an und wird im laufenden Arbeitsalltag angelernt“, berichtet die 63-Jährige.

In einem Screening sollen anschließend die Voraussetzungen von Bewerbern geprüft werden. „Für den Ausbildungsstart sind Alter und Schulabschluss nicht relevant, aber die Flüchtlinge müssen über Deutschkenntnisse mit Sprachniveau B1 verfügen, vor allem aber müssen sie eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis besitzen“, sagt Rackow.

Schließlich soll ein Schnuppertag in Transportunternehmen stattfinden. „Den Blockunterricht in Neumünster und Flensburg wird später ein Mitarbeiter unseres Mobilen Integrationsteams begleiten, und zusätzlich wird es einen Flüchtlingsbeauftragten geben, der die Auszubildenden während der Lehrzeit in den Unternehmen unterstützt“, berichtet Hübner. Ziel sei es, dass im August die ersten Flüchtlinge ihre Ausbildung zum Kraftfahrer starten können.

Spediteure suchen Fachkräfte

„Wir würden sofort sechs neue Auszubildende einstellen“, sagt Daniel Christ. Der Geschäftsleiter des Familienunternehmens Boyens in Weddelbrook bei Bad Bramstedt sucht dringend nach Fachkräften. Und obwohl die Chancen, nach der dreijährigen Lehre in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, mehr als gut sind, findet die Spedition keine Auszubildenden.

„Die Zeiten, in denen jeder Junge Lastwagen-Fahrer werden wollte und in denen TV-Serien wie ,Auf Achse’ für den Beruf begeisterten, sind vorbei“, sagt Christ. Schlimmer noch: „Unser Beruf hat ein schlechtes Image, da können wir auf dem Arbeitsmarkt mit Handwerksberufen wie Kfz-Mechatroniker, Bäcker oder Koch nicht mithalten“, räumt der 45-Jährige ein. Der Job ist strapaziös, die Verantwortung höher als die Bezahlung. 2000 Euro brutto verdient ein gelernter Berufskraftfahrer, in der Ausbildung zwischen 700 und 850 Euro.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) spricht von einem bemerkenswerten Projekt: „Mit dieser einfallsreichen und lobenswerten Initiative schlagen UVL und DRK eine Brücke zwischen der Integration von Flüchtlingen und der Bekämpfung des Fachkräftemangels.“ Laut Buchholz könnte das Modell in ähnlicher Form auch in anderen Branchen Schule machen.

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