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Wirtschaft Lufthansa-Streiks beginnen in Frankfurt
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23:05 30.08.2012
Die Gewerkschaft Ufo verlangt fünf Prozent mehr Lohn. Quelle: Federico Gambarini

t. Der erste Ausstand des Kabinenpersonals in der Geschichte der Lufthansa soll demnach um 05.00 Uhr morgens beginnen und bis 13.00 Uhr dauern. Fluggäste müssen sich auf erhebliche Behinderungen und Flugausfälle einrichten.

Nach Angaben von Ufo-Sprecher Alexander Behrens sollen sowohl Kurz- als auch Langstreckenflüge betroffen sein. Gestreikt würde am Freitag ausschließlich auf dem Airport in Frankfurt.

Lufthansa hat ihre Gäste gebeten, sich über die Website www.lufthansa.com über den Status der eigenen Verbindung zu informieren. Die Fluggesellschaft wollte einen möglichst großen Teil ihres Flugplans fliegen, Vorrang haben dabei die Interkontinentalverbindungen.

Ufo organisiert nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19 000 Flugbegleiter bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen, dem die Mitglieder schon vorab zugestimmt hatten. Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken.

Das Unternehmen wies die Darstellung der Ufo zurück, dass rund 2000 Flugbegleiter in die geplante interne Billigfluglinie mit schlechteren Tarifbedingungen verlagert werden sollten. Mindestens 800 der vorgesehenen Kräfte kämen von der Tochter Germanwings, in der vergleichbare Tarifbedingungen bereits gelten.

Manche Fluggäste dürfen von der späten Ankündigung kalt erwischt werden. Ufo-Chef Nicoley Baublies hatte zuvor nicht nur den genauen Ort, sondern auch die Zahl der betroffenen Flughäfen offengelassen. "Ob das ein, zwei oder drei Stationen sind, können wir auch noch nicht sagen." Genaue Uhrzeit und Orte sollten erst sechs Stunden vor Streikbeginn bekanntgegeben werden. "Wenn die Lufthansa das weit vorher weiß, dann wird sie ihre Bemühungen, andere Airlines und Personal an bestreikte Flughäfen zu verschiffen, verstärken", meinte der Gewerkschafter. "Und dann müssten wir in die Fläche gehen und noch mehr Gäste betreffen. Und das möchten wir derzeit noch vermeiden."

Lufthansa und die verschiedenen Flughäfen hatten sich intensiv auf die Streiks der Stewards und Stewardessen vorbereitet. Bereits die erste unbestimmte Ankündigung vom Dienstag hatte zu Stornierungen und Umbuchungen geführt. Europas größte Fluggesellschaft will alle technischen Möglichkeiten nutzen, ihre Kunden über Flugausfälle zu informieren. Auch im Streikfall werde eine ganze Reihe von Flügen stattfinden, betonte ein Sprecher. So würden die Töchter Cityline, Eurowings und Germanwings nicht bestreikt.

Für das Lufthansa-Flugprogramm habe man mehrere Notfallszenarien in der Schublade und könne schnell reagieren, hieß es vorab. Vorrang hätten die Interkontinentalflüge. Über mögliche Gegenmaßnahmen wollte Lufthansa keine Auskunft geben. "Letztlich wollen wir auch noch ein paar Pfeile im Köcher haben", sagte der Sprecher. Kostenlose Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn seien im Streikfall möglich.

Die Gewerkschaft plant zunächst an einzelnen Standorten in Deutschland Arbeitsniederlegungen, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Die Gewerkschaft will am Freitag die erste Streikwelle auswerten, bevor weitere Schritte eingeleitet werden. Baublies forderte die Lufthansa auf, ein verbessertes Angebot vorzulegen. "Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade." Auf der Ufo-Webseite hieß es: "Es kann sein, dass dieser Arbeitskampf noch sehr lange dauern wird."

Vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München sowie in Berlin rechneten die Flughafen-Verantwortlichen mit Schwierigkeiten, während sich kleinere Airports nicht so betroffen sahen. "Wir informieren unsere Passagiere, dass es möglicherweise zu Verspätungen und Ausfällen kommen kann", sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport schon, bevor er wusste, dass sein Flughafen der Auftaktort sein würde. Dort sollten dann etwa Feldbetten aufgestellt oder Getränke bereitgehalten werden.

dpa

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