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06:45 13.12.2016
Von Ulrich Metschies
Das ist Geschichte: Ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) kommt über den Hindenburgdamm von der Insel Sylt. Die Marschbahn Hamburg-Westerland war die letzte Schienen-Verbindung, die das Unternehmen in Schleswig-Holstein noch bedient hatte. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Dort, wo das Bahnunternehmen bislang seine Fahrgäste digital willkommen hieß, über seine Tarife informierte, über Verbindungen und mögliche Fahrplanabweichungen, herrscht jetzt Wehmut. Überraschen kann der Rückzug des Mutterkonzerns Transdev (Berlin) vom schleswig-holsteinischen Markt nicht wirklich – hatte doch die einst mit ihren blauweißgelben Loks und Waggons im Land so präsente NOB mit der Marschbahn Hamburg-Westerland ihre letzte Bahnstrecke an die DB Regio verloren. Wie berichtet, droht Transdev auch noch eine Schadenersatzforderung der Deutschen Bahn, die – wie vertraglich vereinbart – den Fahrzeugpark der NOB auf der Verbindung übernommen hatte. Der jedoch ist wegen gravierender Probleme mit den Kupplungen nicht nutzbar. Zuletzt hatte die NOB 90 Reisezugwagen und 15 Lokomotiven sowie drei Triebfahrzeuge im Einsatz.

 Die gute Nachricht ist: Der NOB-Abschied bedeutet keinen Jobverlust. Von den insgesamt 162 Mitarbeitern in Verwaltung und Fahrbetrieb wechseln nach Angaben von Nah.SH-Sprecher Dennis Friedel 155 direkt zur DB Regio. Ein kleinerer Teil der Mitarbeiter verbleibt in der Transdev-Gruppe. Nah.SH organisiert im Auftrag des Landes den öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein und ist damit auch für die Ausschreibung von Bahn-Strecken zuständig.

 Die Nord-Ostsee-Bahn war 2000 das erste private Bahnunternehmen, das im Rahmen der Regionalisierung des öffentlichen Schienennahverkehrs in Schleswig-Holstein dem Platzhirschen Deutsche Bahn Konkurrenz machte. Nach einer Ausschreibung erhielt die damalige Connex-Tochter den Zuschlag für Teile des Netzes Nord und übernahm ab 5. November 2000 den Personennahverkehr auf den Strecken Kiel-Husum, Husum-St.Peter Ording sowie zur Hälfte auch die Strecke Kiel-Neumünster. Nach der Insolvenz des Eisenbahnverkehrsunternehmens Flex übernahm die NOB 2003 auch den Personennahverkehr auf der Verbindung von Hamburg nach Flensburg und ins dänische Padborg. 2005 dann der größte Erfolg: Nach einer weiteren Ausschreibung übernimmt die NOB von der Deutschen Bahn die bei Urlaubern höchst begehrte Verbindung Hamburg-Sylt. Technische Probleme überlagerten zwar den Start, doch nach Aussage von Nah-SH-Sprecher Fiedel hat die NOB den Betrieb der Marschbahn insgesamt erfolgreich gemeistert – bis zum Kupplungsdesaster in diesem Jahr.

 Das Ausscheiden der NOB als Wettbewerber sei „natürlich schade“, sagt Fiedel. Mit der Übernahme der Marschbahn sei DB Regio wieder für zwei Drittel der Transportleistung im Schienennahverkehr des Landes verantwortlich. Ein Drittel teilen sich die Wettbewerber Nordbahn, (Neumünster-Büsum, Neumünster-Bad Oldesloe, Wrist-Hamburg, Itzehoe-Hamburg), NEG (Niebüll-Tondern) sowie die AKN mit der Hauptverbindung Neumünster-Hamburg.

 „Wir hoffen sehr, dass die NOB nach Schleswig-Holstein zurückkehrt“, sagt Fiedel. Die nächste Gelegenheit böte sich bereits im kommenden Jahr bei der Ausschreibung der fahrgaststärksten Linie im Land – der elektrifizierten Route Hamburg-Lübeck.

 Nach Überzeugung von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) bedeutet das Ausscheiden der NOB keineswegs weniger Konkurrenz, sondern zeige, dass der Wettbewerb funktioniere: „Mit der DB Regio übernimmt ein leistungsfähiger und erfahrener Anbieter die Strecken im Netz West.“

 Unklar ist allerdings, wie es für die mehr als 40 NOB-Mitarbeiter im Betriebswerk Husum weitergeht. Ziel sei es, so heißt es bei Transdev in Berlin, das Werk mit dem Gewinn neuer Kunden auszulasten, um die Arbeitsplätze erhalten zu können. Das Transdev-Busgeschäft im Norden mit den Standorten Niebüll und Husum bleibt nach Angaben der Gruppe „von den Entwicklungen im Bahnbereich unberührt“.

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